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25. März 2013

Emmendinger Nadel für Marian Mey

Jury ist von der Qualität der Jonglage überzeugt / Das Publikum favorisiert die Stuhlpolizei.

  1. Kleinkunstpreisträger 2013: Maria Mey Foto: Dagmar Barber

  2. Jeweils auf einen dritten Platz in der Gunst der Jury und des Publikums kam Selena. Foto: Dagmar Barber

EMMENDINGEN. Die Jury verlieh am Sonntagabend die Ehrennadel des 12. Emmendinger Kleinkunstpreises an Marian Mey. Bereits am Samstag sprach sich das Publikum für die Stuhlpolizei eine Akrobatikgruppe des TuS Oberhausen aus. Bei der Gala waren die etwa 100 Sitzplätze im Schlosskeller lange vor Beginn der Veranstaltung besetzt. Für die Jury waren Spontanität, Kreativität, Kostüm, Humor und Einbeziehung des Publikums sowie Neuartigkeit Kriterien der Beurteilung. Der erste Preis wurde mit der Ehrennadel und 700 Euro dotiert. Für die Plätze zwei bis vier (Stuhlpolizei, Selena, Zaubersyndikat) gab es Geldpreise zwischen 450 und 100 Euro. Dieses Jahr bestand das Programm aus Akrobatik, Jonglage, Zauberei, improvisiertem Gesang und Bauchtanz. Vertreter sieben Genres bewarben sich mit phantastischen und mit humorvollen zirzensischen Leistungen.

Als Mutter würde man seinen Söhnen so etwas verbieten, das Publikum aber war hingerissen von den smarten, leichtfüßigen Akrobaten der Stuhlpolizei. Gebannt beobachteten die Zuschauer die vier athletischen jungen Männer im Alter von 17 bis 22 Jahren: Nikolai, Nico, Mario und Raphael. Diese vier Wagemutigen sind ein Angriff auf Sinne und Nerven. Erst bekleidet mit Polizeiuniform, kurz darauf oben ohne, boten sie eine akrobatische und gleichzeitig komische Nummer auf vierzig Jahre alten Holzstühlen. Die Decke war eigentlich zu niedrig. Man konnte nur erahnen, dass diese Leichtigkeit, mit der sie das Publikum verführten, harte Knochenarbeit und vielstündige Übungen vorausgesetzt hat.

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Alle sieben Genres vermochten an diesem Abend zu fesseln: Hanna Bernauer mit Poledance wirbelte an der Stange durch die Luft. Das war verblüffend, von fabelhafter Perfektion und Grazie. Der junge Jongleur Marian Mey, der die Schwerkraft außer Kraft zu setzen scheint und sogar mit verdeckten Augen die Keulen fing. Selena, die im glitzernden Kostüm als New Age Bellydance auf der Bühne wirbelte. Schließlich Improvisationen in fünf verschiedene Musikrichtungen: Die drei Spontanellen produzierten nach Vorgaben der Gäste im Schlosskeller einen CD-Sampler mit dem Titel "VIP by accident". Die Gebärdensprache beim Interview war dazu brillant.

Das Tabu "Du sollst nicht täuschen und betrügen" wurde an diesem Abend vom Duo Zaubersyndikat aufgehoben. Ihre Manipulation basieren auf reiner Fingerfertigkeit. Im realen Leben möchte man solchen Falschspielern und Geldjongleuren nicht in die Hände fallen. Die beiden tricksenden Ganoven waren unter den Argusaugen des Publikums als Illusionisten so gewitzt, dass sich Besucher aus der ersten Reihe verwundert fragten: "Wo hat der bloß die Weinflasche gelassen?"

Kommunikationsprobleme hatte Maria Mephista als weiblicher Merlin nicht; Anweisungen gabt es schriftlich. Als ironisierende, leicht frivole Teufelsbraut mit eisblauen Augen und beängstigendem Dekolletee war ihre Performance die reine Magie, die ultimative "Weisheit mit den Händen". Hinter den Kulissen agierten umsichtig die Organisatoren Ulf Fiedler und Günther Hoffmann mit zahlreichen ehrenamtlichen Mitgliedern des Schlosskeller-Vereins.

Publikumspreis: Erster Preis: Stuhlpolizei; zweiter Preis: Marian Mey, den dritten Preis teilen sich Selena und Maria Mephista.

Die Jury: Jana Bührer, Ingrid Koch, Jörn Vandersee, Andreas Schillinger, Peter Möller.

Autor: Dagmar Barber