Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

10. Februar 2012

Erst die Menschen, dann die Technik

BZ-INTERVIEW mit Karlo Rieth, der nach zwei Jahrzehnten als Stadtbrandmeister das Kommando der Feuerwehr abgibt.

  1. Zwei Jahrzehnte Stadtkommandant: Karlo Rieth tritt zur Wahl nicht mehr an. Foto: Gerhard Walser

EMMENDINGEN. Eine Zäsur wird es bei der Abteilungsversammlung am 24. Februar und bei der Gesamtwehr am 23. März geben: Karlo Rieth tritt nach zwei Jahrzehnten an der Spitze der Freiwilligen Feuerwehr Emmendingen nicht mehr zur Wahl an. BZ-Redakteur Gerhard Walser sprach mit dem Stadtbrandmeister über Beweggründe, Veränderungen und Erfahrungen im Brandschutz.

BZ: Seit 20 Jahren stehen Sie nun schon an der Spitze der Emmendinger Feuerwehr, zuvor waren Sie schon neun Jahre stellvertretender Feuerwehr-Chef. Karlo Rieth ist gewissermaßen die Feuerwehr in Person. Warum jetzt der Abschied vom Amt?

Rieth: Nun, man wird nicht jünger. Meiner Töchter sind mittlerweile schon 24 und 28 Jahre und die Familie hatte bei allem Verständnis viel auf mich verzichten müssen.Es waren sehr arbeitsintensive Jahre – immer fast 24 Stunden erreichbar sein, kaum einmal ein freies Wochenende. Es reicht einfach. Ich möchte auch mal mit meiner Frau ohne Funkgerät spontan mit dem Fahrrad hinaus in die Natur. Außerdem führe ich ein Unternehmen mit 50 Angestellten. Da muss man auch täglich seinen Mann stehen, den Kopf frei haben und ordentlich Gas geben.

Werbung


BZ: Was war Ihnen im Rückblick das Wichtigste in Ihrer Amtsführung?

Rieth: Den Spaß am Feuerwehrdienst zu vermitteln und junge Leute für das Ehrenamt zu motivieren. Sonst sind die Aufgaben gar nicht zu bewältigen. Da muss man ständig hintendran sein, den neuesten Stand der Ausbildung vermitteln und die Technik entsprechend anpassen. So haben wir es eigentlich immer gehalten. Erst kommen die Menschen, dann die Ausrüstung und nicht umgekehrt. Wir haben zunächst die Führungsgruppe ausgebildet und dann erst den passenden Einsatzleitwagen ausgesucht.

BZ: Das Bild der Feuerwehr und deren Aufgaben haben sich in den vergangenen Jahrzehnten stark gewandelt. Was sind die wichtigsten Unterschiede zu früher?

Rieth: Vor allem im Einsatzbereich gibt es erhebliche Unterschiede. Wir müssen immer mehr technische Hilfe leisten, während die klassischen Brände dank moderner Haustechnik und Schutzvorrichtungen zurück gegangen sind. Überhand nehmen dagegen die "Wohlstandseinsätze": Die Leute rufen schon die 112 an, wenn nach starkem Regen nur etwas Wasser auf dem Boden steht. Früher haben sie die Keller selbst trocken gewischt. Auch die Alarmierungszeit hat sich deutlich verkürzt. Wir sind in der Regel schon drei bis fünf Minuten nach dem Alarm mit einem kompletten Löschzug mit 22 Mann unterwegs.

BZ: Haben Sie den Schritt, in der Feuerwehr Dienst zu tun, schon einmal bereut?

Rieth: Nein noch niemals. Klar gab es auch Zeiten, wo es nicht ganz so gepasst hat, aber das ist ja bei jedem Hobby so. 38 Jahre Feuerwehr sind schon ein Wort, aber so richtig gestunken hat es mir nie. Im Gegenteil. Ich habe viele Menschen kennen gelernt und auch zur Stadtverwaltung und den Stadträten aller Fraktionen ein vertrauensvolles Verhältnis aufgebaut. Der Mensch muss halt immer im Vordergrund stehen, das war stets meine Maxime.

BZ: Was war Ihre schönste Erfahrung im Amt?

Rieth: Dass so viele Emmendinger unsere Arbeit bei der Feuerwehr schätzen. Das zeigt auch der Zuspruch bei unseren Veranstaltungen.

BZ: Und an was erinnern Sie sich weniger gerne?

Rieth: Da gibt es eigentlich nichts, was mir spontan in den Sinn kommt. Jeder Zwist, den es irgendwann einmal gab, war auszutarieren. Und bei schlimmen Einsätzen wie Verkehrsunfällen, half meist die gute Kameradschaft mit um das Gesehene zu verarbeiten. Wenn es Probleme gab, haben wir darüber gesprochen und sie aufgearbeitet.
BZ: Wie steht es um die Nachfolge in Abteilung und Gesamtwehr?

Rieth: Da sieht es gut aus. Am 24. Februar wählt die Abteilung Emmendingen ihren neuen Kommandanten, am 23. März in der Halle in Windenreute die Gesamtwehr. Am 16. März geht es dann in Endingen um die Wahl des stellvertretenden Kreisbrandmeisters. In allen Fällen gibt es mehrere Kandidaten. Das ist ein gutes Zeichen und gut für die Demokratie. Sicher gibt es dadurch im Moment auch etwas Unmut in der Feuerwehr. Die Gruppenbildung ist aber ganz normal, das muss man akzeptieren. Fachlich gibt es fünf bis sechs in der Feuerwehr, die den Job machen könnten. Das ist auch ein Erfolg der guten Ausbildung.

BZ: Und was macht Karlo Rieth nach dem Abschied, bleiben Sie aktiv oder rücken Sie ab in die Altersabteilung?

Rieth: Weder noch. Ich werde die Uniform noch anbehalten, bis das Mundinger Gerätehaus genehmigt und geplant ist. Dann ist aber endgültig Schluss. Ich bin kein Typ für halbe Sachen und kann auch nicht gut meine Klappe halten. Meinem Nachfolger möchte ich aber nicht reinreden.

Autor: wal