Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

22. Juni 2009 18:39 Uhr

Amateurtheater

Gelungene Premiere im Theater im Steinbruch

Eine gelungene Premiere feierte das Theater im Steinbruch am Freitagabend. Dazu gibt’s übrigens auch ein BZ-Fotoalbum – ebenso von den Proben des Kinderstücks.

  1. Der Kaiser persönlich mischt sich ein Foto: Sylvia-Karina Jahn

  2. Schnürl-Regen-Ballett Foto: Sylvia-Karina Jahn

EMMENDINGEN "Wir probieren immer wieder was Neues, diesmal ein Singspiel", so kündigte Hans-Joachim Wipfler, Vorsitzender des Theaters im Steinbruch, das "Weiße Rössl" an, mit dem das Amateurtheater am Freitag Premiere feierte. Klar, es war ein Wagnis: Jeder kennt schließlich perfekte Aufnahmen dieser Operette. Aber es hat sich gelohnt: Rund 200 Premierengäste feierten das Team um Regisseurin Isabell Steinbrich und Andrea Rembold für einen unterhaltsamen Abend mit mehr als dreistündige Bühnenpräsenz und hohem darstellerischem Niveau. Dazu witzige Einfälle und mitreißende Musik, teils live von der Freeky Big Band – kurzum, das Singspiel Theater im Steinbruch ist einen Besuch wert!

Die Geschichte ist bekannt: Kellner Leopold (Christian Fuhrmann) ist verliebt in seine Chefin Josepha (Jasmin Baumgratz), doch die hat ganz andere Absichten. Und auch sonst gibt es einiges Durcheinander, bevor die richtigen Paare zueinander finden. Das macht sich auf der Bühne im Steinbruch richtig gut, denn das Team lässt die "gute alte Zeit" der österreichisch-ungarischen Monarchie wieder auferstehen, mit einem kleinen Augenzwinkern für sich und bewussten historischen Brüchen (wie dem elektronischen Fremdenführer) und vielen netten Einfällen: Ein herrliches Sommervergnügen.

Werbung


Man könnte glatt vergessen, dass hier Amateure spielen. Ob das Christian Fuhrmann ist, der den österreichischen Charme ebenso perfekt drauf hat wie – je nach Situation – Hektik oder Geruhsamkeit des Kellners und das Anhimmeln seiner Chefin, ob Harald Hornung als stets meckernder Herr von Giesecke alle auf seine Seite berlinert oder Michael Schäfer als Kaiser Franz nicht nur die leutselige Hoheit glänzend vermittelt, sondern den greisen Kaiser auch mit staksiger Alterssteifheit ausstattet und sogar die leicht brüchige Seniorenstimme lebensecht klingen lässt – jede Rolle hat ihre Besonderheit. Und die Schauspieler nutzen sie gekonnt, um das Publikum mitzureißen. Brigitte Schepers glänzt als reiselustiger Professor "Baedeker" in der Herrenrolle und spielt einen herrlichen Kontrast zum unzufriedenen Giesecke, so wie Benedikt Bachert als kecker Piccolo den flotten und ein wenig leichtlebigeren Kontrast zu Leopold gibt. Zu schön, wie Maria Hornung als Klärchen und Gunter Hauß als der schöne Sigismund ihre gegenseitigen Mängel entdecken; überzeugend und ganz selbstverständlich, dass sie sie plötzlich liebenswert finden. Die beiden hatten am Premierenabend noch die besondere Herausforderung zu meistern, dass sie im Badekostüm auftreten mussten – und es war lausig kalt im Freilichttheater! Wie gut, dass man zu Kaisers Zeiten wenigstens ein bisschen mehr Haut bedeckte als heutzutage... Auch Hans Bürkin als sympathischer Rechtsanwalt, der schauspielernd noch gekonnt die Verstellung vermittelt, und Sabine Ronge als Ottilie Giesecke, seine Angebetete, müssen erst mal zueinander finden, und das ist gar nicht so leicht. Das Hochzeitspaar (Alexandra Wipfler und Michael Schäfer) macht ja bestens vor, wie’s gehen kann. Und als guter Geist Kathi zeigt Beate Arnold eine schöne Mischung aus Servicebewusstsein und Keckheit.

Schier auf eine Operettenbühne versetzt konnte man sich vorkommen (nur dass man hier die Ohrwürmer gern mitsummen darf), wenn Jasmin Baumgartz als Josepha Vogelhuber "Im Salzkammergut, da kann man gut lustig sein" trällert, so sauber, mitreißend und mühelos klingt das – sie ist eine der beiden Darstellerinnen mit Gesangsausbildung. Auch Klärchen und Ottilie überzeugen. Und wenn sich alles im Walzertakt dreht oder zum großen Schnürlregen-Ballett ansetzt, dann ist sowieso alle Mühe vergessen. Die man etwa den Männerstimmen zwar durchaus anmerkt. Aber was ist überzeugender als die leicht brechende Stimme des schmachtenden Leopold oder Hans Bürkins grade deswegen so hingebungsvolles Lied an seine Ottilie: Schließlich geht’s hier um große Gefühle (wer kann schon glauben, dass auf Bühnen um so besser gesungen wird, je schlechter es den Protagonisten geht)! Die Begeisterung des Publikums haben sich Schauspieler, Band und die vieles Helfer hinter den Kulissen wirklich verdient. Also: Nichts wie hin und selbst gucken! Wie gut, dass es noch 14 Aufführungstermine gibt. Denn im "Weißen Rössl" am Wolfgangsee mag es ja sehr schön sein – im Theater im Steinbruch ist es aber noch viel schöner!

Termine: ( Beginn jeweils um 20 Uhr) : 27. Juni, 3., 4., 10., 11., 15.,18., 24., 25. und 31. Juli sowie 1., 5., 7. und 8. August. Karten- und Info-Hotline unter 0700/77772002.

Autor: Sylvia-Karina Jahn