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04. September 2012 17:55 Uhr

Ärgernis

Illegale Altkleidersammlung: Unbekannte stellen Container auf

Im Kreis Emmendingen tauchen auf öffentlichen und privaten Grundstücken immer wieder Sammelcontainer für gebrauchte Textilien auf – unangemeldet und unerlaubt. Woher kommen sie und was steckt dahinter?

  1. Teilweise auf privaten Grundstücken platzieren die unbekannten Altkleidersammler ihre Container. Foto: Privat

  2. Hinweisschild eines Betreibers Foto: privat

Altmaterialsammlungen sind gut für die Wiederverwertung, aber auch ein lukratives Geschäft. Derzeit schwappt offenbar eine Welle illegaler Textilsammlungen über die Region. Auf öffentlichen oder privaten Grundstücken tauchen Sammelcontainer für Altkleider auf, deren genaue Herkunft keiner kennt. Und sie sind gar nicht so leicht wieder loszuwerden.

Und so läuft es nach BZ-Informationen ab: Da kommt ein Lastwagen, der Fahrer lädt den Container ab und sagt auf Nachfrage nur, dass er den Auftrag habe, den Sammelbehälter hier abzustellen; sogar ein Foto hatte einer dabei. Das Emmendinger Landratsamt erhält seit rund zwei Wochen solche Meldungen. Der Stadtverwaltung sind mittlerweile drei Fälle in Emmendingen bekannt, es gab auch welche in Denzlingen und Rheinhausen. Das Problem ist aus dem Raum Heidelberg, Rastatt, aus dem Main-Tauber-Kreis und aus der Ortenau bekannt.

Behörden können Sammelverbote erlassen

Generell kann jeder alte Kleider einsammeln, sagt Landratsamts-Pressesprecher Ulrich Spitzmüller. Er muss es aber vorher dem Landratsamt ankündigen und daran fehlte es bei diesen Containern zunächst. Auf den Schildern war als Verantwortliche eine Frankfurter Firma angegeben, freilich nur mit Postfachadresse. Im dortigen Gewerbeverzeichnis stehe sie nicht. Inzwischen wurde die Sammlung dem Amt angekündigt, vom Mitarbeiter eines Recyclingunternehmens aus Hessen, der den Antrag für mehrere Firmen stellte, erklärt Spitzmüller. Darunter befindet sich auch die Babynotfallhilfe e. V. Dortmund, die Anfang August für ganz Rheinland-Pfalz ein Sammelverbot erhielt – wegen erheblicher Zweifel an ordnungsgemäßen Sammlungen und einer zweckentsprechenden Verwendung des Sammlungsertrages, so die zuständige Behörde in ihrer Pressemitteilung. Ein Verbot könnte auch der Kreis erlassen, wenn sich herausstellen sollte, dass falsche Angaben gemacht wurden oder wenn der Standort den Verkehr behindert.

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In Emmendingen hat die Stadtverwaltung die drei Container weggeräumt, wie Uwe Ehrhardt, Leiter des Fachbereichs für öffentliche Sicherheit, auf BZ-Anfrage mitteilte. Einer davon stand auf städtischem Grund. Da ist es vergleichsweise einfach: Wer auf öffentlichen Flächen etwas aufstellen möchte, benötigt eine Sondernutzungserlaubnis. Hat er die nicht – und die lag in keinem der Fälle vor – , kann die Stadt oder Gemeinde zur Ersatzvornahme schreiten. Soll heißen: Sie darf das tun, was der Verpflichtete tun müsste, also die Container abholen; sie muss sie aber für ihn aufbewahren. Das kann sie ihm sogar in Rechnung stellen – so sie seiner habhaft wird.

Unbekannte Sammler beklagen Verlust ihrer Container

Mit diesem Problem haben auch private Eigentümer zu kämpfen. Die unbekannten Sammler haben ihrerseits Schilder an den Containern hinterlassen, auf denen sie den Diebstahl ihrer Behälter beklagen und um Hinweise beziehungsweise Anzeige bei der Polizei bitten. Eine Hausverwaltung hat laut Ehrhardt den Versuch unternommen und die angegebene 0180er-Nummer angerufen; sie sei in einer Endlosschleife gelandet "und das war’s dann auch."

Die Stadtverwaltung hat dann auf Bitte der Eigentümergemeinschaft diesen Container ebenso abgeholt wie den, der auf dem Gelände der Städtischen Wohnbaugesellschaft abgestellt worden war. Alle drei warten nun auf dem Bauhof darauf, dass sich ein Eigentümer meldet. Und wenn nicht? "Wenn die Container normgerecht sind, können wir sie nach einer gewissen Zeit einziehen und werden sie dann ansässigen Altkleidersammlern zur Verfügung stellen, die für einen guten Zweck arbeiten", schwebt Ehrhardt vor.

Info: Wer einen solchen Container entdeckt, kann sich entweder an die Stadtverwaltung wenden (Uwe Ehrhardt, Tel. 07641/452-580; Mail ordnungsamt@emmendingen.de) oder an das Amt für Gewerbeaufsicht, Immissionsschutz und Abfallrecht (Dirk Ziebold, Tel. 07641/451-223)
Illegaler Container auf dem Grundstück – was tun?

Wer einen ungenehmigten Container auf seinem Grundstück vorfindet, kann folgendes tun: Er kann die Einwurfklappe zukleben und einen Zettel anbringen, dass es sich um eine illegale Sammlung handele. Stehen Kontaktdaten auf dem Container, muss er versuchen, mit dem Betreiber Kontakt aufzunehmen und diesem eine Frist setzen, bis wann der Container entfernt sein muss; empfehlenswert ist der Hinweis, dass dies sonst der Eigentümer auf Kosten des Betreibers veranlasse. Kann er den Containerbetreiber nicht erreichen, empfiehlt es sich, einen entsprechenden Zettel dort zu hinterlassen. Nach Fristablauf kann der Eigentümer den Container beseitigen lassen, muss die Kosten freilich selbst tragen, bis der Täter gefunden ist. Täter? Ja: Wer einfach etwas auf anderer Leute Grundstück stellt, begeht Hausfriedensbruch.
Quellen: Fachverband Textilrecycling/Stadt Emmendingen

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Autor: Sylvia-Karina Jahn