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19. Mai 2011

In Verantwortung für die Schöpfung

BZ-INTERVIEW mit Dekan Friedrich Geyer zur Frage des Atomausstiegs nach dem Moratorium.

  1. Dekan Friedrich Geyer Foto: Walser

EMMENDINGEN. Wie geht es weiter nach dem dreimonatigen Moratorium für die ältesten sieben Atomkraftwerke? Nach der Vorlage des Prüfberichts der Reaktorsicherheitskommission deutet vieles auf eine endgültige Stilllegung hin. Im Forum Stadtkirche soll die Frage nach der atomaren Zukunft am Freitag, 20. Mai,19.30 Uhr, mit Politikern diskutiert werden. Im Vorfeld sprach BZ-Redakteur Gerhard Walser darüber mit Dekan Friedrich Geyer.

BZ: Herr Geyer, wieso kümmert sich die evangelische Kirchengemeinde um den Atomausstieg?

Geyer: Den letzten Impuls dazu gab natürlich Fukushima. Doch wir hatten schon vorher darüber diskutiert, wie wir als Kirche zu den Montagsdemonstrationen in Emmendingen stehen. Wir sehen uns als Kirche in der Verantwortung für die Bewahrung der Schöpfung. Das Forum Stadtkirche der Kirchengemeinde soll für solche Fragen die Plattform bieten. Mit dem Energiefasten und einem Gottesdienst zu Japan in Wasser haben wir uns dem Thema angenommen, nun folgt die Diskussion mit Politikern.

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BZ: Die Stadtkirche als Ort eines Streitgesprächs, ist das für manche Kirchgänger nicht etwas gewöhnungsbedürftig?

Geyer: Auch das gehört zum Gottesdienst dazu, solche elementaren Fragen zu diskutieren.Es geht um nicht weniger als um die Verantwortung für Mensch und Schöpfung. Die Kirche ist genau der richtige Ort dafür. Gemeindehäuser sind kirchengeschichtlich betrachtet ja auch eher eine moderne Einrichtung.

BZ: Und wie ist die gegenwärtige Haltung der evangelischen Kirche zur Atomenergie?

Geyer: In den Verlautbarungen der Landeskirche wird deutlich gesagt, dass der Atomausstieg gewollt ist. Doch diese Haltung wird noch nicht deutlich auf dem Marktplatz. Der badische Landesbischof ist Mitglied der Ethikkommission, die am 28. Mai ihren Abschlussbericht vorlegen wird und einen Atomausstieg bis spätestens 2021 vorschlägt. Ulrich Fischer befürwortet es, den Atomausstieg im Konsens anzugehen. In Baden gibt es ja eine lange Tradition seit der Auseinandersetzung um Wyhl. Viele evangelische Pfarrer wie Günter Richter und Peter Bloch haben sich viele Jahre im Widerstand gegen die Kernenergie stark engagiert.

BZ: Wie wird die Veranstaltung am Freitag ablaufen?

Geyer: Die Diskussionsteilnehmer werden zunächst ein maximal fünfminütiges Statement zu der zentralen Frage und den weiteren Perspektiven abgeben. Danach sollen die Besucher die Möglichkeit haben, mit den Politikern ins Gespräch zu kommen. Moderiert wird die Veranstaltung von Pfarrer Wolfgang Schmidt, dem Leiter der evangelischen Erwachsenenbildung in Freiburg. Ihre Teilnahme zugesagt haben der neue Landwirtschaftsminister und bisherige Emmendinger Bundestagsabgeordnete Alexander Bonde (Grüne), Judith Skudelny (FDP), Mitglied des Umweltausschusses im Bundestag, die SPD-Landtagsabgeordnete Sabine Wölfle und MdB Stefan Gerbig, Vorsitzender des Arbeitskreises Energie der CDU.

Autor: wal