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24. Februar 2009 14:39 Uhr

Hausarzt Marc Kuben zum Fasten

"Innerer Schweinehund an die Leine"

An Aschermittwoch beginnt in der christlichen Tradition die Fastenzeit.  Fasten ist nicht nur auch in anderen Weltreligionen üblich, sondern wird auch von religiös ungebundenen Menschen praktiziert.

  1. Marc Kuben fastet selbst bis Ostern. Foto: Frank Berno Timm

BZ-Mitarbeiter Frank Berno Timm hat mit Marc Kuben über die medizinischen Seiten  des Fastens gesprochen. Der Emmendinger Hausarzt ist Vorsitzender der Kreisvereinigung der Ärzte.

BZ: Herr Kuben, wann haben Sie das letzte Mal gefastet?

Kuben: Das war letztes Jahr...

BZ: Warum?

Kuben: Es ist eine Angewohnheit aus meiner katholischen Erziehung. Außerdem ist es eine Gelegenheit, den inneren Schweinehund einmal an die Leine zu nehmen.

BZ: Worauf verzichten Sie denn?

Kuben: Ich trinke keinen Alkohol und verzichte auf "Schleckereien" zwischendurch. In diesem Jahr werde ich auch Wurst und Schinken weglassen.

BZ: Was sind denn die Vorteile des Fastens?

Kuben: Erst einmal müssen wir definieren, was Fasten eigentlich ist. Was ich mache, ist ja nur ein kleiner Verzicht. Am bekanntesten ist das "Heilfasten nach Buchinger": Man trinkt Tee, Wasser und Fruchtsäfte und verzichtet auf Essen. Für Gesunde hat das zwei Aspekte: Es geht um Entschlackung. Das ist allerdings ein wissenschaftlich nicht gesicherter Begriff, richtiger ist zu sagen, dass unser Körper animiert wird, dieses oder jenes Depot zu verbrennen, das er angelegt hat. Der zweite, wichtige Aspekt ist eine Umorientierung in der Ernährung. Viele Patienten sagen, dass sie sich nach dem Fasten sehr viel wohler fühlen – das sind übrigens Fakten, die sich durch konkrete Messwerte belegen lassen. Auch bestimmte Patienten – mit Rheuma, Diabetes – haben sehr gute Erfolge und brauchen tatsächlich hinterher weniger Medikamente. Im optimalen Fall kommt es zu einem Umschwung im Leben – sonst macht es auch wenig Sinn, wenn ich "danach" nichts ändere.

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BZ: Ist denn Fasten für bestimmte Gruppen besonders empfehlenswert?

Kuben: Eigentlich für alle gesunden Menschen. Auch für Menschen mit nicht zu ausgeprägten Krankheitssymptomen ist es geeignet, sie müssen aber unter ärztlicher Aufsicht fasten. Es gibt ja auch Fastengruppen, denen man sich anschließen kann.

BZ: Im Moment liegen viele Leute mit grippalen Infekten im Bett. Viele Kranke haben keinen Appetit. Ist das ein ähnlicher "Effekt" wie beim Fasten?

Kuben: Sicher! Unser Körper hat doch ohnehin natürliche Fastengrenzen. Denken Sie an das englische Wort für Frühstück, "breakfast":  Das kann man ja auch mit "Fastenbrechen" übersetzen. Wir haben ja in der Regel vor dem Frühstück 12 Stunden nichts gegessen. Erst, seit wir Kühlschränke im Haus haben, die immer voll sein müssen, wird dieser natürliche Verzicht aufs Essen durchkreuzt – unser Körper darf gar nicht mehr aufs Essen verzichten. Allerdings muss man aufpassen: Wer streng fastet und dabei "Fastenkrisen" mit Heißhunger überwunden hat, muss dann manchmal sogar in seinem Verzicht gebremst werden.

BZ: Wer sollte auf keinen Fall fasten?

Kuben: Leute mit schweren Erkrankungen: Krebs, Herz-Probleme, bestimmter Diabetes, Patienten, die Blutverdünner-Medikamente nehmen. Schwangere und stillende Frauen sollten nicht fassen, Patienten mit psychischen Problemen, auch Menschen, die eine Neigung zur Anorexie (Magersucht) haben, können nicht fasten. Wichtig ist auch, Stress-Trommelfeuer zu vermeiden – empfehlenswert ist wohldosierte Bewegung und gewisse Ruhephasen. Nach der Fastenzeit sollte eine artgerechte Lebensweise folgen. Im Kern geht es darum, unsere routinemäßige Konsumenten-Haltung zu durchbrechen. Ein schöner Nebeneffekt ist übrigens, dass man ganz andere Sachen ausprobiert – Fleisch ist ja kein lebensnotwendiger Teil unserer Ernährung. Wir sollten nur essen, wenn wir Hunger haben, uns dafür Zeit nehmen und vor allem mehr Wert auf das Essen legen.

 

 

 

Autor: fbt