Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

14. Februar 2017

Evangelische Stadtkirchengemeinde

Irene Leicht in ihr Amt als neue Pfarrerin eingeführt

Irene Leicht, die neue Pfarrerin der evangelischen Stadtkirchengemeinde, wurde am Sonntag offiziell in ihr Amt eingeführt.

  1. Pfarrerin Irene Leicht bei ihrer ersten Predigt beim Einführungsgottesdienst Foto: Georg Voß

  2. Dekan Rüdiger Schulze segnet die neue Pfarrerin Irene Leicht Foto: Georg Voß

EMMENDINGEN. Im vollbesetzten Kirchenschiff der evangelischen Stadtkirche wurde Pfarrerin Irene Leicht am Sonntagnachmittag von Dekan Rüdiger Schulze offiziell in ihr Amt eingeführt, das sie zum 1. Februar als Nachfolgerin von Georg Metzger angetreten hat. Sie wagte auch etwas Neues und fügte dem "Vater unser" das Wort "Mutter" voran. Sie sei keine Feministin, sagte die promovierte Theologin im Anschluss an den Einführungsgottesdienst beim Empfang im Gemeindehaus, aber trete für eine feministische Theologie ein.

Und auch der Wochenspruch: "Wir liegen vor dir mit unserm Gebet und vertrauen nicht auf unsre Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit", den sie neben Hilde Domins Gedicht "Bitte" als Aufhänger ihrer Predigt wählt, ist im evangelischen Kontext doch eher ungewöhnlich, da er aus dem Buch Daniel des Alten Testaments stammt.

Insbesondere die vierte Strophe im Gedicht der deutschen Lyrikerin sei mit den Metaphern der Löwengrube und dem feurigen Ofen eine Anspielung auf Daniel: "… und dass wir aus der Flut, dass wir aus der Löwengrube und dem feurigen Ofen immer versehrter und immer heiler stets von neuem zu uns selbst entlassen werden." Daniel überlebt die Löwengrube und seine drei Freunde kommen heil aus dem feurigen Ofen wieder heraus, nach dem sie nach der Zerstörung des Tempels die Verehrung der neuen Herrscher verweigern. So dürfe der Gläubige auch vor Gott liegen und nicht auf seine Gerechtigkeit vertrauen. Zu sehr gehe es vielen um Leistung und sie messen ihr zu viel zu. "Wer wenig leistet, geht mit leeren Händen. Wir vergleichen und fügen einander Schaden zu", sagte Irene Leicht. "Das Vertrauen liegt auf deiner Barmherzigkeit."

Werbung


Zuvor begrüßte Stefan Richter, Vorsitzender des Ältestenkreises der Stadtkirchengemeinde, die Gottesdienstbesucher: "Unsere Gemeinde ist geprägt durch Vielfalt und jeder ist wichtig." Dekanstellvertreter Botho Jenne sprach von einem bedeutungsvollen Tag. "Die Zeit der Vakanz findet ein Ende." Er habe aber nicht das Gefühl gehabt, vakant gewesen zu sein, und lobte Klaus Broßys, der mit viel Engagement und Herzblut die Vertretung in der Stadtkirchengemeinde nach der Pensionierung von Georg Metzger im letzten Jahr übernahm. "Etwas Neues beginnt in der Stadtkirchengemeinde", sagte Botho Jenne zuversichtlich. Die neue Pfarrerin Irene Leicht gehöre "nicht zum Mainstream" und werbe bei der Gemeinde um Vertrauen. Die Stadtkirchengemeinde habe eine lange Tradition. "Ein alter Schlauch, der offen ist, umgefüllt zu werden", sagte Botho Jenne und direkt an die neue Pfarrerin gewandt: "Sie werden neuen Wein einfüllen." Und: "Nehmen Sie die Gemeinde mit."

In seinem Grußwort hieß Oberbürgermeister Stefan Schlatterer die Pfarrerin herzlich willkommen. "Hier in der Stadt lebt man enger zusammen, unabhängig von der Religionszugehörigkeit", sagte er und betonte, er sei stolz, "wie wir miteinander leben". Schlatterer verwies auf die Zusammenarbeit der katholischen und evangelischen Kirche und der beiden anderen großen Religionen, der jüdischen und muslimischen im Stadtbild von Emmendingen, "die Wege aufzeigen, Probleme zu lösen auch ohne Gewalt und ohne aufeinander zu schießen." Auch der katholische Pfarrer Herbert Rochlitz hob den interreligiösen Dialog Emmendingen hervor. "So wünsche ich mir Ökumene. Mit einer gemeinsamen Perspektive und mit einer gemeinsamen Stimme sprechen", sagte Rochlitz. Er freue sich auf die Zusammenarbeit und auf ein gutes Miteinander. Eine Anspielung auf das Liegen vor Gott konnte sich Pfarrer Joachim Knab als Vorsitzender der evangelischen Kirchengemeinde nicht verkneifen und wandte sich damit direkt an Irene Leicht: "Gerne dürfen Sie auch eine Liege hereinstellen und den Menschen eine Heimstatt geben. Das wünsche ich Ihnen."

Für die musikalische Gestaltung zeichneten Bezirkskantor und Organist Jörn Bartels verantwortlich, der zusammen mit der evangelischen Kantorei und dem Blockflötenkreis unter Leitung von Uwe Schlottermüller dem Gottesdienst den musikalisch-feierlichen Akzent setzte.

Autor: Georg Voss