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07. Dezember 2017

Jetzt soll öffentlich diskutiert werden

Bebauungsplan Weinstockstraße kommt in die Offenlage / Formale Einwendungen sind dann möglich / Knackpunkt Gebäudehöhe.

  1. Das Gebiet des Bebauungsplanes Weinstockstraße von der namensgebenden Straße her gesehen, im Hintergrund die Bestandshäuser. Foto: Jahn

EMMENDINGEN. Über die Höhe der Häuser im Bebauungsplan Weinstockstraße soll nun öffentlich diskutiert werden. "Vier plus oder drei plus ist des Pudels Kern," so fasste Oberbürgermeister Stefan Schlatterer die Diskussion um die umstrittene Zahl der Geschosse im Technischen Ausschuss zusammen. Der Ausschuss empfiehlt dem Gemeinderat die Offenlage des Bebauungsplanes. "Dieser Beschluss schafft kein Baurecht, er soll die öffentliche Diskussion eröffnen", so Schlatterer.

Vorschlag der Verwaltung
Und das mit offenem Ergebnis; Schlatterer sagte, er selbst habe sich noch nicht entschieden. Die Frage sei, welche Höhe dorthin passe. Die Stadt orientiere sich am (von Bürgern erarbeiteten) Ergebnis der Perspektivwerkstatt, in der die Teilnehmer unter anderem für ein maßvolles Wachstum, unterschiedliche Wohnformen, auch für Senioren, und den Grundsatz "Nachverdichtung vor neuer Flächeninanspruchnahme".

Der Vorschlag der Stadtverwaltung für den Bebauungsplan lautet derzeit "vier plus", soll heißen: Vier Vollgeschosse plus ein Attikageschoss.

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Bedenken des Bürgerforums
Den Anwohnern, die sich im Bürgerforum Quartier Weinstockstraße organisiert haben, ist das zu viel. "Wir wollen Höhe und Dichte reduzieren, auf maximal vier Geschosse – also drei plus Attika – und eine Höhe von höchstens 12,30 Metern", sagte Forumssprecher Rolf Stöcklin. "Vier Geschosse plus Attikageschoss sind nämlich fünf." Fünf Geschosse hätten eine erdrückende Wirkung auf die vorhandene Bebauung, die eine Firsthöhe von 9,85 und eine Traufhöhe von sechs Metern aufweise. Die Anwohner wollen ferner einen städtebaulichen Rahmenplan, denn weitere Belastungen stünden bevor, wenn an der nahen Jahnstraße gebaut werde. "Dort sind sogar sechs Geschosse geplant", ergänzte FWV-Stadtrat Reinhard Stopfkuchen, der mit beiden Bebauungsplänen zusammen eine "schluchtartige Bebauung" befürchtete.

Das Forum sieht ferner die Gefahr, dass der Wohnraum zweckentfremdet werden könnte, weil der Bebauungsplan nämlich "Wohnen auf Zeit" ermögliche und das, so fürchten sie, könne zur Umnutzung in Ferienwohnungen genutzt werden. "Es ist klar, dass wir dort keine Ferienwohnungen wollen", stellte Schlatterer klar. Die Kritik, dass die Wohnungen zu groß und für die Generation 60 plus gebaut würden, teilte er nicht: Zum einen, weil es den Bedarf für Ältere eben auch gebe und diese ja dann andere Wohnungen frei machten; aber auch, weil behindertengerechte Bauweise mehr Platz benötige.

Das sagen Stadträte
Thomas Fechner (SPD) zeigte sich – wie schon zuvor der OB – erschrocken über das "Horrorbild", das das Forum in einer Visualisierung des Projektes in einem Flyer und auf der Homepage des Bürgerforums gezeichnet habe. Dessen Vertreter hatten die Höhenwerte aus dem Bebauungsplan addiert und waren so auf rund 18 Meter Gebäudehöhe gekommen. "Das darf man nicht alles zusammenrechnen", sagte Planer Karl-Josef Schmitz. So seien die möglichen 1,50 Meter für die Technik, aber eben nur dafür, etwa für einen Aufzug. "Die Technik erhöht nicht das gesamte Gebäude", stimmte CDU-Stadtrat Tobias Limberger zu. Er wehrte sich dagegen, Wohnraum Familien gegen Senioren auszuspielen. Die Größe der Wohnungen liege auch am nötigen Spielraum für Rollator und Rollstuhl; genau das fehle in Emmendingen.

Stöcklin wies darauf hin, dass fast die gesamte Arbeit des Forums von Laien am Feierabend geleistet worden und das 3D-Modell noch nicht bekannt gewesen sei. "Das Bürgerforum ist für eine Bebauung, aber mit städtebaulichem Augenmaß", heißt es in seiner Stellungnahme, in der die Bürger auch die Auffassung vertreten, dass der aktuelle Plan überdimensioniert und investorbezogen sei.

Lösungsansätze und Probleme
Bei anderen Kritikpunkten haben sich Stadtverwaltung, Investor und Bürgerforum bereits einer Lösung genähert. So waren die Gebäude im ersten Entwurf nach der alten Werksbahn des Wehrle-Werks ausgerichtet worden. Nun orientieren sie sich an der Weinstockstraße, was mehr Abstand zu den Gärten der bestehenden Bebauung schafft. Die Tiefgarage soll über die Weinstockstraße erschlossen werden; noch gesucht wird eine Lösung für die Anfahrt der 22 Parkplätze im Bereich Hermann-Günth-Straße. Das Bürgerforum plädiert zudem dafür, dass die Gutachten – etwa zu Altlasten und Schallschutz – vor dem abschließenden Satzungsbeschluss vorliegen. Es fordert auch ein Klimagutachten, das die Stadtverwaltung aber nicht für erforderlich hält. Ein Verkehrsgutachten gibt es.

Wenn der Gemeinderat am 19. Dezember die Offenlage beschließt, wie es der Ausschuss einstimmig empfiehlt, können die Bürger ihre Einwände formell einbringen. Über diese und über Stellungnahme von Behörden werden die Stadträte danach entscheiden.

Autor: Sylvia-Karina Jahn