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16. Oktober 2010

Jugendhilfe für die Schule

Ein maßgeschneidertes Konzept soll die Schulsozialarbeit in der Stadt neu definieren.

  1. Stets eine offene Tür: Schulsozialarbeiterin Petra Zai-Englert vor ihrem Büro in der Markgrafenschule. Mit ihr fing alles an. Foto: Schule

EMMENDINGEN. Ein maßgeschneidertes Konzept für die Schulsozialarbeit, je nach Schultyp und Lage, soll ein Kuratorium erarbeiten, dem neben der Stadtverwaltung Vertreter des Trägers Diakonie, der Stadtratsfraktionen, die Leiter der beteiligten Schulen, der Verein Gesprächsraum Schule und eventuell das Jugendamt angehören werden. Das beschloss der Sozialausschuss des Gemeinderates. Das Ergebnis dieses runden Tisches wird dann dem Gemeinderat zur Entscheidung vorgelegt.

Schulsozialarbeit gibt es in Emmendingen seit neun Jahren. Den Anfang machte die Markgrafen-Hauptschule, es folgten die Fritz-Boehle-Schule und vor zwei Jahren das Goethe-Gymnasium. Die Schulsozialarbeit genieße hohe Anerkennung bei Schülern, Eltern und Lehrern, sagte Diakonie-Kreisgeschäftsführer Meinhard Schamotzki. Die Diakonie ist Träger der Schulsozialarbeit und bezahlt jährlich 17 750 Euro, der Gesprächsraum Schule 7500 Euro und die Stadt Emmendingen 61 000 Euro; sie hat ihren Anteil in den vergangenen acht Jahren verzehnfacht.

Die Schulen wollen jeweils um eine Viertelstelle aufstocken

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Finanziert werden so drei halbe Stellen, die sich auf die Fritz-Boehle-Werkrealschule mit 286 Schülern, die Markgrafen-Realschule mit 575 Schülern und das Goethe-Gymnasium mit 1011 Schülern verteilen. Die Schulen wollten jeweils um eine Viertelstelle aufstocken, was zunächst abgelehnt wurde: Erst soll genau definiert werden, wofür Schulsozialarbeiter zuständig sind. Allerdings arbeitet der städtische Jugendpfleger Kilian Jörg bereits an der Werkrealschule mit und wird von Axel Schömack, Leiter des Caritas-getragenen Jugendtreffs Bürkle/Bleiche, unterstützt.

17 Mädchen und 14 Jungen hat Schulsozialarbeiterin Anna Berwing vom Goethe-Gymnasium im vergangenen Schuljahr in 115 Gesprächsterminen beraten. Außerdem baue sie über Projekte (das kann auch mal ein Tanzprojekt sein) Vertrauen auf. Montags bis donnerstags ist sie vor Ort in ihrem Büro, Schüler, aber auch Lehrer schauten bei ihr vorbei, die sich um ihre Schüler sorgten. Am meisten beschäftigte sie das Thema Mobbing, sagte sie; sie bildet zudem Streitschlichter aus. Sie leitet das erweiterte Bildungsangebot, das von 12 bis 16 Uhr an vier Tagen stattfindet, unterstützt von einer 30-Prozent-Kraft. "Wir sind eine niederschwellige Anlaufstelle, bei bestimmten Themen kommen wir an unsere Grenzen", sagte sie dem Ausschuss. Sie konzentriert ihre Arbeit auf die fünften bis achten Klassen, obwohl sie auch für die oberen einen Bedarf sieht, gerade bei Suchtthemen.

Doch die Mittel sind begrenzt, deswegen ja das Kuratorium, dem alle Fraktionen zustimmten. Punktuell könne dann auch für eine Grundschule eine Art "Feuerwehr" einspringen, sagte Oberbürgermeister Stefan Schlatterer. Er hofft darauf, dass die Ganztagsschule ins Schulgesetz aufgenommen und dabei die Schulsozialarbeit geregelt werde. Schamotzki sieht auch den Landkreis in der Pflicht: Schließlich sei Schulsozialarbeit Jugendhilfe an der Schule und für Jugendhilfe der Kreis zuständig.

Er legte Zahlen von der Fritz-Boehle-Werkrealschule vor, wo 91 Schüler einzeln betreut wurden, Infoveranstaltungen und Mobbingpräventionstage stattfanden, sowie einen Bericht von Petra Zai-Englert, die einen typischen Tag an der Markgrafenschule schilderte: Da komme ein Fünftklässler, der sich gemobbt fühle; in einer Klasse sei Geld gestohlen worden und die Schulsozialarbeiterin kläre die Situation; eine Mutter mache sich Sorgen um die Tochter, die täglich über Bauchschmerzen klage, weil sie nicht zur Schule wolle und ein Mädchen komme mit ihrer Freundin, die nicht mit Lehrern sprechen wollte. "Halt keine Lehrerin", zitiert sie das Urteil der Schüler. Nur: Die Zeit reiche nie.

Autor: Sylvia-Karina Jahn