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24. Dezember 2008
Konzert auf gewohnt hohem Niveau
Werke von Johann Sebastian Bach und Oliver Messiaen in der evangelischen Stadtkirche / Gelungene Erläuterungen
EMMENDINGEN. Dass Weihnachten näher rückt, zeigte sich am vierten Adventsnachmittag beim Orgelkonzert von Jörn Bartels in der Emmendinger Stadtkirche daran, dass – im Vergleich zum Konzert am ersten Advent – eine ganze Reihe Stühle leer blieben. Oder war das Programm mit Kompositionen von Johann Sebastian Bach (1685 – 1750) und Oliver Messiaen (1908 – 1992) zu schwierig?
Möglichen Verständnishindernissen half das kluge und gut nachvollziehbare Referat der Musikwissenschaftlerin Siglind Bruhn (Waldkirch) in der Mitte des Konzertes ab, die in Messiaens Denk- und Musikwelt einführte. Solche Kombinationen aus Musik und Erklärung könnte es glatt häufiger geben. Jörn Bartels machte am Rand des Konzertes auf Heizungsprobleme aufmerksam – die Orgel musste extra gestimmt werden. Der Nachteil war indes im Verlauf des Konzertes kaum mehr hörbar.Werbung
Oliver Messiaen folgt in seinem Zyklus Les Corps Glorieux (Die verherrlichten Leiber) ganz anderen Klangwelten. Bartels spielte aus den sieben Variationen Les Eaux de la Grâce (Die Wasser der Gnade) und Joie et Clarté des Corps Glorieux (Freude und Glanz der verherrlichten Leiber). Das fließende Wasser, Freude, Glanz – die zentralen Begriffe der Titel waren in der Musik deutlich ablesbar.
Siglind Bruhn gab in ihrem Referat durchaus hilfreiche Verständnis-Eckpunkte mit. Sie zeigte Messiaens Beziehung zu Modest Mussorgski, wies nach, dass er aus einem Motiv der Oper "Boris Godunow" Motive für seine eigene Musik entwickelt hat und sie mit dem "Kirchenfenster-Effekt", Akkorden aus sechs übereinander gepackten Terzen – kombiniert. Fast allen Messiaen-Kompositionen haben die Gottesliebe zum Thema, ist einem Buchausschnitt Siglind Bruhns zu entnehmen, der im Programm abgedruckt ist.
All das konnten die Hörer im zweiten Teil des Konzerts noch einmal nachvollziehen: Aus dem Zyklus La Nativité du Seigneur (Die Geburt des Herrn) spielte Jörn Bartels La Vierge et l’Enfant (Die Jungfrau und das Kind) und Les Berges (Die Hirten). Wurde im ersten Satz aus den neun Meditationen allein schon durch die Sopranlage der Musik der Titel deutlich, hörte man im zweiten geradezu die Hirten aufgeregt durcheinander reden. Messiaens Welt ist eine sehr eigene, nicht einfach zu verstehende, aber durchaus belangvolle.
Zum Schluss noch einmal Bach: Seine Choralbearbeitung "Wachet auf, ruft uns die Stimme" gehört gewiss zu den bekanntesten Melodien des Meisters (das Original stammt aus einer Kantate). Bartels würdigte damit auch Philipp Nicolai (1556 – 1608), von dem Text und ursprüngliche Melodie stammen. Bach "überformt" die eigentliche Melodie mit einer neuen, zweiten, die er zum eigentlichen Cantus firmus des Chorals in Beziehung setzt. Bachs Fantasia in G-Dur schloss das Konzert ab – fast ein wenig üppig registriert, aber nicht weniger beeindruckend. Kurze Stille, herzlicher Beifall für ein Konzert auf gewohnt hohem Niveau.
Autor: Frank Berno Timm
