20 Künstler stellen im Wehrle-Werk aus

Kunst verwandelt

Sylvia-Karina Jahn

Von Sylvia-Karina Jahn

Sa, 21. September 2013 um 12:50 Uhr

Emmendingen

Noch bis Sonntag, 17 Uhr, ist eine Ausstellung am ungewöhnlichen Ort zu sehen: 20 Emmendinger Künstler verwandeln eine Halle des Wehrle-Werks in eine Galerie. Der Raum eignet sich ausgezeichnet

EMMENDINGEN. Zeitenwandel ist das Thema einer Ausstellung, die noch bis Sonntag, 22. September, 17 Uhr, im Wehrle-Werk gezeigt wird. 20 Künstlerinnen und Künstler aus Emmendingen und Umgebung präsentieren ihre Werke im Wehrle-Werk, das schon von außen mit Farben lockt. Eröffnet wurde sie am Samstagvormittag.

Die Fabrikhalle, in der bis Freitag die Maschinen liefen, bildet ein ganz eigenes Ambiente. Die Ausstellung lohnt sich – schade nur, dass sie bis Montag früh Platz schaffen muss für den Arbeitsalltag. Aber genau das macht ihren Reiz aus: Die 113 Werke sind in einem Umfeld zu sehen, das normalerweise von "Blaumännern" und Maschinenlärm gekennzeichnet ist. An diesem Wochenende aber füllen Malerei, Bildhauerei und Fotografie, Ballett und Musik die Räume, in denen sonst Kessel gebaut werden. Es ist eine äußerst gelungene Form der Metamorphose.

Was sich alles geändert hat

"Es ist eine Herausforderung, die Hallen einer anderen Nutzung zuzuführen, aber auch eine große Freude, das Ergebnis zu sehen und das Interesse am Werk und an der Kunst", freute sich Wehrle-Werks-Chef Volker Steinberg bei der Eröffnung am Samstagvormittag. Die Künstler hätten die Hallen verwandelt. Das Motto Zeitenwandel treffe ja auch das Werk – allein der Wechsel von Erika, der Schreibmaschine, über Loch- und Magnetstreifen bis hin zum heutigen Mailverkehr: Äußerlich möge sich das Wehrle-Werk in den vergangenen 30 Jahren nicht viel gewandelt haben, innerlich und in den Köpfen dafür um so mehr. Steinberg erinnerte an den Emmendinger Kulturpreisträger Ernst Thomann, der die Schweißtechnik, die handwerkliche Grundlage seiner Edelstahlplastiken, im Wehrle-Werk gelernt habe. Nun ist sein Sohn, der ehemalige Stern-Fotograf Peter Thomann, unter den Ausstellern.

Oberbürgermeister Stefan Schlatterer gefiel das Ausstellungsambiente besonders: "Nicht dass mal einer auf die Idee kommt, Steinberg die Hallen abzunehmen, sie eignen sich so gut für solche Veranstaltungen," freute er sich und dankte den Ausstellern, Sponsoren und dem Unternehmen für den Kraftakt.

Wie es zu der Ausstellung kam

"Es ist ein Vertrauensbeweis, wenn ein hochmoderner Industriebetrieb, auf Hochbetrieb laufend, so eine Ausstellung ermöglicht – die Künstler belohnen das mit Höchstleistungen", sagte Werner Tegeler, Hauptorganisator und unermüdlicher Motor dieses Projektes. Während das Arthopping – die Nutzung leer stehender Geschäftsräume für Ausstellungen – in Emmendingen bisher nur im ehemaligen "Fuchsen" funktioniert habe, sei diese Ausstellung im Wehrle Werk kein Lückenbüßer. Das Unternehmen habe Raum geschaffen für kreative Kräfte, wie sie künstlerische Arbeit ebenso erfordere wie Hochtechnologie. Und wie kam die Kunst ins Werk? Beim Kunststammtisch des Kulturkreises wurden nicht nur die Ideen geboren, die Emmendinger Einkaufsnacht zu Ausstellungen in den Geschäften zu nutzen und die neue Präsentationsmappe der Künstler zu schaffen, sondern auch die für den künstlerischen Höhepunkt 2013, die Kunst im Werk.

Ausstellerin Gudrun Kirschhöfer lobte Tegeler als das größte Organisationstalent, das ihr je begegnet sei, wie überhaupt Dankesworte die Eröffnung prägten – auch an drei Mitarbeiter des Wehrle-Werks und dessen Azubis, die kräftig mit zugepackt hatten. Volker Steinberg bekam von den Künstlern eine Collage, für die jeder Aussteller ein kleines Quadrat geschaffen hatte.

Was dem guten Zweck dient

Und auch der Benefizgedanke kommt nicht zu kurz: Speziell angefertigte Exponate im Format 40 auf 40 Zentimeter werden auch zugunsten des Hospizdienstes Emmendingen-Teningen-Freiamt verkauft, für den die Künstler auf die Hälfte des Erlöses verzichten. Alle Spenden bei der Veranstaltung – es wurde eigens eine Spendensäule installiert – gehen ebenfalls an den Hospizdienst.

Öffnungszeiten: Samstag, 22. September bis 18 Uhr, Sonntag, 22. September 11 bis 17 Uhr.

Programm: Dem Zeitenwandel auf der Spur sind Samstag 15 Uhr Rainer Glaser (kleine Lesung), Sonntag 15 Uhr Robert Messmer. 15.15 Uhr Balletschule Heidrun Schöne, 15.30 Uhr Adrian Oswalts Klangfarben, ebenso am Sonntag um 11 und 15.30 Uhr. Sonntag 11.30 Uhr Gespräch zur Kunst; zwischen den Angeboten Kunst und Kulinarisches, letzteres vom Weingut Dreher, vom Kulinarium und den Landfrauen Teningen-Köndringen.

Die Aussteller: Monika Baltes, Sabine Brennscheidt, Gerhard Deist, Elke Eichhorn-Kilian, Bettina Frey-Bruzzone, Ralf Ganter, Ralph Görtler, Waltraud Graßegger, Hanne Günther, Marie-Christine Höfler, Katharina Hoehler, Gudrun Kirschhöfer, Anja Kostka, Jens Mellies, Lilli Röckle, Nadja Stolp, Wolfgang Straube, Peter Thomann, Karin Weiß und Waltraud Wengert.