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15. Oktober 2012

Lieder gegen trübe Stimmungslagen

Zentrum für Psychiatrie bekam von Gerlinde Kretschmann das Siegel "Singendes Krankenhaus".

EMMENDINGEN. Große Freude über ein gelungenes Projekt mündete in eine kleine Dankesfeier für alle, die sich dafür das Gelingen engagiert haben. Gerlinde Kretschmann, Ehefrau des Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg, kam als Schirmherrin aus Stuttgart und überreichte an das Zentrum für Psychiatrie (ZfP) das Zertifikat "Singendes Krankenhaus". Die Auszeichnung des gleichnamigen Vereins nahmen ZfP-Geschäftsführer Hans-Jürgen Seelos und Chefarzt Stephan Schieting entgegen.

Im Jahr 2009 wurde auf Initiative der Patientenfürsprecherin Irene Steinlechner und Pfarrer Werner Jahn das Projekt "Singen wie im Himmel" auf den Weg gebracht und mit Unterstützung der Seelsorge und der Illenaustiftung umgesetzt. "Seit Herbst 2009 bietet Daniela Sauter-de Beltré alle zwei Wochen im Rahmen unseres therapeutisch begleiteten Kulturangebots,Singen wie im Himmel’ an und erfährt bei den zahlreich teilnehmenden Patienten eine äußerst positive Resonanz", sagte Stephan Schieting in seiner Ansprache und erklärte weiter: "So konnten wir gut vorbereitet den Singenden Krankenhäuser – einem internationalen Netzwerk zur Förderung des Singens in Gesundheitseinrichtungen − beitreten und im vergangenen Jahr an einer wissenschaftlichen Studie teilnehmen, die die positive Wirkung des Singens auf die Gesundheit untersucht."

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Seelos sagte in seiner Rede, dass er selbst erlebt habe, wie apathisch wirkende gerontopsychiatrische Patienten sich an Lieder aus ihrer Kindheit erinnerten und diese auf einmal mitsangen. Das bedeute, dass Musik Stimmungen schaffe und therapeutische Zugänge eröffne.

"Schon ein kleines Lied kann viel Dunkel erhellen." Das wusste bereits Franz von Assisi wie Kretschmann sagte. Die große Bedeutung des gemeinsamen Singens für das menschliche Wohlbefinden sei ihr aus eigener Erfahrung als langjähriges Kirchenchormitglied und aus eigener Berufstätigkeit als Grundschullehrerin bewusst und vertraut. Und dass Singen wirksam dabei helfen könne, im Alltag Stress abzubauen und wieder neue Kräfte zu schöpfen. Sie unterstütze mit großer Begeisterung diese Arbeit, weil sie finde, dass es Menschen, die an körperlichen oder psychischen Erkrankungen leiden, ermögliche, wieder in Kontakt mit ihren Selbstheilungskräften zu kommen und Angst, Ohnmacht und Isolation zu überwinden.

Sauter-de Beltré stellte nach ihren Worten fest, dass sich dieser "Gesundmach-Virus" bereits großflächig ausgebreitet hat. Patienten schrieben ihr ins Gästebuch: "Die Lieder stärken mich total und klingen noch Tage in mir nach. Das Singen hier (im Zfp) ist der wichtigste Termin in meinem Leben geworden. Ich danke Daniela und Andrea für ihre wunderbare Art, mit uns umzugehen." Und eine Natalie schrieb euphorisch: "Die Daniela müsste man zuhause im Schrank haben. Immer, wenn es mir schlecht geht, mache ich die Schranktür auf und dann kommt ein kleines Lied, jeden Tag. Vielen Dank für die heilsame Musik". Joachim formulierte es so: "Seit einem Jahr profitiere ich von ,Singen wie im Himmel’. Jedes Mal bin ich seelisch tief berührt. Es ist ein wesentlicher Therapiebaustein aus meiner Depression. Mehrfach ist mir tief klar geworden: Ich bin geborgen, mir kann letztlich gar nicht passieren." Gabi schrieb: "Das Singen mit Daniela gibt mir sehr viel Kraft. Es ist einfach toll, toll, toll".

Info: Auch Nicht-Patienten können an "Singen wie im Himmel" teilnehmen. Kontakt : Ellen Müller, Tel.  07641/461-2022

Autor: Dagmar Barber