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12. Dezember 2013

Mit alten Fahrrädern Gutes tun

Das Hilfsprojekt Fahrradwerkstatt der "Freundschaftsbrücke Nicaragua" ist am Dienstag in Nagarote erfolgreich gestartet.

  1. Foto: Privat

  2. Mila Obert und Almut Langbein freuen sich über den Erfolg des Projekts Fahrradwerkstatt in Nicaragua. Foto: Gerhard Walser/Privat

EMMENDINGEN. Am Anfang war es die fixe Idee des Emmendingers Karl Klein, dann wurde schnell ein konkretes Hilfsprojekt daraus. Viele Emmendinger spendeten im Sommer ihre nicht mehr benötigten Fahrräder, die von Klein und einigen Helfern eingesammelt und per Container nach Nicaragua verschifft wurden (die BZ berichtete). Diese Woche nun wurde in der Stadt Nagarote die Fahrradwerkstatt eröffnet, die vom Verein Freundschaftsbrücke Nicaragua und der BZ-Weihnachtsaktion unterstützt wird.

"Gleich am ersten Tag wurden schon mehr als zehn Emmendinger Räder verkauft", berichtet Mila Obert. Die Emmendinger Soziologiestudentin, die selbst viele Monate im Kinderheim Puente des Amistad der Freundschaftsbrücke gearbeitet hat, hatte Karl Klein auf die Idee gebracht, nicht mehr benötigte Drahtesel zu sammeln und eine Fahrradwerkstatt mit angeschlossenem Geschäft zu gründen. Das Ziel: Bedürftigen Jugendlichen vor Ort einen Ausbildungsplatz und eine Berufsperspektive zu bieten. "Fahrräder sind in Nicaragua noch immer ein wichtiges Fortbewegungs- und Transportmittel, nur es gibt zu wenige davon", weiß Mila Obert aus eigener Erfahrung. So wurden Werkstatt und Laden gleich am Eröffnungstag zum Anziehungspunkt für Menschen aus der ganzen Region. Begonnen wurde mit dem Verkauf der gebrauchsfertigen Räder aus Emmendingen und Umgebung. Nach und nach sollen dann in der Werkstatt unter Anleitung eines Fahrradmechanikers die übrigen 300 Räder hergerichtet werden – im Rahmen einer beruflichen Ausbildung. Der Eröffnungstermin passt perfekt, denn im Januar startet in dem mittelamerikanischen Land das Ausbildungsjahr. Auch eine Verkäuferin für den Laden und zwei Nachtwächter wurden eingestellt – was zeigt, welchen Wert Fahrräder in Nagarote haben.

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Mila Obert hat über den Erfolg der Aktion auch Initiator Karl Klein informiert, der derzeit in Neuseeland arbeitet. "Er hat sich riesig gefreut", berichtet Mila Obert, die für Klein auch als Dolmetscherin im Kontakt mit der nicaraguanischen Verwaltung fungierte. Denn zunächst gab es Schwierigkeiten mit den Zollbehörden, die den Container aus Deutschland nicht frei geben wollten. "Uns ist ein Stein vom Herzen gefallen, dass nun alles doch noch so toll geklappt hat".

"Damit wird die Welt ein

kleines Stückchen besser"

Almut Langbein
Auch Almut Langbein, die "Mutter" des Kontakts zu der 100 000-Einwohner Stadt Nagarote nahe der Hauptstadt Managua, freut sich, dass das von Emmendingen aus initiierte Sozialprojekt an den Start geht. "Damit wird das Leben für die Menschen und letztlich die Welt ein kleines Stück besser", so die pensionierte Grundschulrektorin, die im Frühjahr für ihr vielfältiges soziales Engagement mit dem SPD-Frauenpreis ausgezeichnet wurde. Auch aus dem von der Freundschaftsbrücke und mit Mitteln der BZ-Weihnachtsaktion unterstützten Kinderheim gibt es gute Nachrichten. "Die Kinder können dort nicht nur sicher und gesund leben, sie werden jetzt auch von einer Psychologin therapeutisch betreut", berichtet Almut Langbein. Viele der rund 60 Kinder, die dort wohnen, sind Vollwaisen, obdachlos oder stammen aus den ärmsten Familien, "viele sind traumatisiert und haben nur Gewalt erlebt".

Info: Wer das Projekt "Freundschaftsbrücke" unterstützen möchte, kann sich an den Trägerverein wenden oder direkt spenden: Spendenkonto 1 241 629 bei der Sparkasse Ettlingen (BLZ 660 512 20); Internet: http://www.freundschaftsbruecke-nicaragua.de

Autor: Gerhard Walser