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07. März 2017

Zu Besuch

Nachfahren des jüdischen Tagebuchautoren Karl Judas im Tagebucharchiv in Emmendingen

Nachfahren des jüdischen Tagebuch-Autoren Karl Judas aus den USA besuchen das Tagebucharchiv.

  1. Betrachten gemeinsam das Tagebuch von Karl Judas aus dem Jahr 1941 (von links): Patricia Gill, Monika Rappenecker, Jutta Jäger-Schenk (DTA, hinten), Marlene Kayen (Vorsitzende des DTA), David Matz, Lauren Lese, Nika Schneider und Deborah Towe. Foto: Gerhard Seitz

EMMENDINGEN. "Die furchtbaren Schicksalsschläge, die uns Juden in Deutschland ereilten, habe ich bisher unaufgezeichnet vorüberstreichen lassen. Unvermindert sind sie jedoch in meinem Gedächtnis haften geblieben. Ich weiß nicht, was im `Buche des Lebens´ für mich noch vorgezeichnet ist; ob ich durch neue schlimmere Schrecken [hindurch muss], oder im Laufe der Zeit, nicht Einzelheiten aus dem Gedächtnis verlieren werde", schreibt der 14-jährige Karl Judas.

Ein bedeutsamer und weitgereister Besuch traf am Donnerstag im Deutschen Tagebucharchiv ein: Nachkommen des jüdischen Tagebuchschreibers Karl Judas aus Ihringen, der sich nach seiner Flucht in die USA 1941 Carl Jaburg nannte, übergaben dem DTA Lebenszeugnisse des 1926 am Kaiserstuhl geborenen und 2013 in New York verstorbenen Autors.

Seine Tochter Lauren Lese aus New York, seine Nichte Deborah Towe aus Florida und sein Neffe David Matz aus Kalifornien sowie Patricia Gill, die Enkelin Adolf Gills, der der Familie Judas neben einem weiteren Freund, Fritz Schaffner, 1941 die rettende Flucht vor der nationalsozialistischen Verfolgung über Berlin und Lissabon nach New York ermöglicht hatte, kamen dazu nach Emmendingen. Begleitet wurde die Gruppe von Nika Schneider, einer freien Texterin aus Freiburg sowie von Monika Rappenecker, ehemalige Studienleiterin der Katholischen Akademie Freiburg, die im letzten Jahr die Ausstellung "Nazi-Terror gegen Jugendliche" konzipiert hatte.

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Die eigentliche Initiatorin dieser Begegnungsreise, die neben dem DTA auch Ziele wie das Blaue Haus in Breisach, das Freiburger Stadtarchiv sowie die Gedenkstätte Stille Helden in Berlin hat, Rosita Dienst-Demuth, war erkrankt und konnte nicht mit dabei sein. Rosita Dienst-Demuth ist Lehrerin an der Lessing-Realschule in Freiburg, die in den Jahren 1936 bis 1940 Zwangsschule für jüdische Kinder war. Sie hat dort die Erinnerungs- und Begegnungsarbeit mit ehemaligen Schülern der Zwangsschule angestoßen, indem sie gemeinsam mit Schülern eine Geschichtswerkstatt aufbaute.

Im November 2016 wurde in Freiburg durch Schüler der Lessing-Realschule und ihren Partnerschülern aus Toulouse, deren Geschenk er war, ein Baum für Stille Helden gepflanzt. Zu diesen zählt auch Fritz Schaffner, der Lebensretter der Familie Judas. Da die Nachkommen von Karl Judas nicht zur Baumpflanzaktion anreisen konnten, wollte die Gruppe diese Begegnung nun nachholen.

Die Kopie des Tagebuchs von Carl Jaburg befindet sich seit 2015 im Bestand des Deutschen Tagebucharchivs im Alten Rathaus. Schüler der Lessing-Realschule hatten diese dem DTA übergeben. Lauren Lese brachte das Originaltagebuch mit ins Archiv, sodass hier ein Farbscann angefertigt werden konnte. Sie schrieb ins DTA-Gästebuch: "A lovely, informative visit, thank you so much. Very happy that my father"s writings are here and so well cared for and respected."

Autor: Jutta Jäger-Schenk