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15. September 2009

Pflegeheim als Forum für die Kunst

Metzger-Gutjahr-Stiftung plant für 2010 Ausstellungszyklus mit jungen Künstlern / Auftakt aber zum Gedächtnis von Geyer zu Lauf.

EMMENDINGEN. Die Metzger-Gutjahr-Stiftung baut. Dabei entstehen nicht nur schöne neue Räume und Einzelzimmer für die Bewohner des Pflegeheims, sondern auch Platz, den man für Veranstaltungen nutzen kann. Und genau das wollen die Verantwortlichen: Ihre Räume wechselnden Ausstellungen zur Verfügung stellen, auch um Bewohnern und Angehörigen eine weitere Möglichkeit zu bieten, am öffentlichen kulturellen Leben teilzunehmen. Den Auftakt macht eine Ausstellung zum 50. Todestag von Hans Geyer zu Lauf, später ist an einen Ausstellungszyklus mit jungen Künstlern gedacht.

"Es ist für uns wichtig, dass Leute in die Einrichtung kommen, die nicht unbedingt mit dem Thema Pflege befasst sind", erklärt Heimleiter Michael Kreis dazu. Die hellen Räume eignen sich gut für wechselnde Kunstausstellungen, sie sind vom Haupteingang her und barrierenfrei zugänglich und bieten rund 200 Quadratmeter Platz in der Halle. Ein weiterer Raum und die Cafeteria können genutzt werden. Ihre Eignung als Ausstellungsräume haben sie schon unter Beweis gestellt, bei der Eröffnung des ersten Bauabschnittes ebenso wie bei einer weiteren Ausstellung. Kreis und Marta Henninger, die Leiterin des Sozialdienstes, möchten künftig Zyklen anbieten – mal mit bekannteren und jetzt eben mit jungen und/oder wenig bekannten Ausstellern.

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Leben und Zeitgeist sollen ins Haus geholt werden

Ziel ist es, durch wechselnde Ausstellungen Leben und Zeitgeist in das Haus zu holen, in der Hoffnung, dass dies Kontakte zwischen Besuchern und Bewohnern ergibt. Henninger und Kreis erhoffen sich davon Impulse für das Pflegeheim, aber auch in umgekehrter Richtung. Weil die Vernissagen von Mitgliedern der Musikschule Nördlicher Breisgau musikalisch begleitet werden, ergeben sich weitere Vernetzungen. Schöner Nebeneffekt: Die Mitarbeiter erleben Kunst in ihrer Arbeitsumgebung. Für die fachliche Beratung wandten sich die Verantwortlichen des Pflegeheims an Bernd Kellner, der noch aus seiner Tätigkeit als Kunstlehrer am Goethe-Gymnasium so manchen potenziellen Aussteller kennt. Aber er ist auch Initiator, Motor und Betreuer der Ausstellung über Hans von Geyer zu Lauf, dessen Todestag sich heuer zum 50. Mal jährt. Und obwohl die Zielrichtung der neuen Reihe im Pflegeheim eher lebende Künstler sind, wird die erste Ausstellung nun Hans von Geyer zu Lauf gewidmet sein, dessen Witwe noch heute im Alter von 98 Jahren in Emmendingen lebt.

Die erste Ausstellung von Bildern des Malers, der von 1941 bis 1954 in Emmendingen gelebt und gearbeitet hat, fand vor 25 Jahren statt, damals in der Kommunalen Galerie in der alten Sparkasse. Anlass war die Kulturkreisgründung, erzählt Kellner; er war Gründungsmitglied und hatte sich bereit erklärt, sich um den Bereich Malerei zu kümmern.

Bereits im Alter von 16 Jahren hatte Kellner ein Bild von Hans von Geyer zu Lauf gesehen, das ihn so beeindruckt hatte, dass er auch im reiferen Alter gern daran dachte, erinnert er sich. Er erkundigte sich beim seinerzeitigen Stadtarchivar Ernst Hetzel nach dem Maler und erfuhr, dass die Witwe des Malers in Emmendingen lebte. Von ihr erhielt er auch ein Tagebuch, aus dem akribisch hervorgeht, an welchem Bild Geyer zu Lauf in seiner aufwändigen Lasurtechnik wie lange gearbeitet hat – und, für die Ausstellung wichtiger, an wen er es schließlich verkauft hat. Dank dieser Aufzeichnungen brachte Kellner 1984 eine große Ausstellung mit 120 Bildern zusammen.

Ein Autodidakt der Malerei

Freiherr Hans von Geyer zu Lauf wurde am 1. Januar 1895 in Freiburg geboren, wo er auch aufwuchs. Eine schwere Krankheit zwang ihn zu einem zurückgezogenen Leben, das ihn zur Kunst brachte; eigentlich hatte er Ingenieur werden wollen. Er setzte sich dabei mit der Technik mittelalterlicher Maler auseinander. Aquarellmalerei, Feder- und Silberstiftzeichnungen und dann seine Lasurtechnik mit mehr als 20 Schichten pro Bild werden sein Markenzeichen. In Emmendingen fand er im elterlichen Haus am Schlossberg ein Zuhause, nachdem der Krieg sein Atelier in Freiburg zerstört hatte. In Emmendingen vollendete er das "Tafelwerk". 1954 kehrte er aus beruflichen Gründen nach Freiburg zurück, wo er 1959 bei einem Autounfall in einem Gewittersturm starb.

Dieses Mal wird es nicht nur eine Ausstellung der schönsten Bilder geben, sondern auch eine Videoarbeit des in Köln lebenden Erik Sick, der unter dem Titel "Traumsymphonien" eigene Naturfotos den Bildern von Hans von Geyer zu Lauf gegenüberstellt. Diese Ausstellung wird etwa vier Wochen lang gezeigt werden, mit einer Unterbrechung von einer Woche, wenn die Wehrle-Werk-Stiftung ihr zehnjähriges Bestehen in der Altenhilfe feiert und dazu ausstellen will.

Info: Ausstellung Hans Geyer zu Lauf, Eröffnung 27. September 11.15 Uhr, bis 21. 10, täglich 8 bis 19 Uhr.

Junge Künstler, die 2010 gern in den Räumen der Stiftung ausstellen wollen, melden sich unter Tel. 07641/581-0 oder per Mail unter henninger@metzger-gutjahr.de

Autor: Sylvia-Karina Jahn