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26. Februar 2013

Satte Gagen, klamme Kasse

Schlosskellerverein kämpft mit steigenden Künstlerhonoraren / Vermietung für private Feiern soll Geld bringen.

EMMENDINGEN. Der Kulturverein Schlosskeller muss immer tiefer in die Tasche greifen, um die Gagen seiner Künstler zu bezahlen. Steigende Preise sorgen seit Jahren dafür, dass kleine Bühnen an ihre letzten Reserven gehen müssen – beim Schlosskellerverein ist das nicht anders, wie bei der Hauptversammlung deutlich wurde. Der neue Vorstand will sich diesem Problem stellen.

"Schön, dass so viele gekommen sind – das hätten wir gern öfter", sagte Anja Strub. Damit spielte die Schriftführerin auf den Rückgang der Besucherzahlen im vergangenen Jahr an. Den bekam Abian Oberle im Gastrobetrieb zu spüren, der Schlosskellerwirt stellte ernst fest: "Sommer und Herbst ging gar nichts, nur der Winter lief besser." Oberle zog die Konsequenzen und kündigte den Pachtvertrag. Ab April soll ein anderer Pächter hinterm Tresen stehen. Wer das ist, steht noch nicht fest. "Zwei Bewerber gab es", berichtete Vorstandsmitglied Jens Tischer. Einer sei jedoch schon abgesprungen.

Die Zahl der Mitglieder blieb konstant, sagte Tischer. Einige Austritte habe es gegeben, es seien aber neue Mitglieder dazugekommen. Der Kassenbericht stimmt ebenfalls zufrieden: "Mit einem Guthaben von 6000 Euro stehen wir noch stabil da", erklärte Vorstandsmitglied Ulf Fiedler.

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Trotzdem sieht der Kassierer eine Entwicklung, die Sorgen mache: Mit gerade mal 80 Sitzplätzen im Keller könne man mit größeren Räumen wie der Maja-Bühne nicht mithalten. Für ihren Auftritt wollten die Künstler immer höhere Gagen – ein Veranstalter, der mehr Besucher unterbringe, könne die leichter bezahlen.

Angela Schmidt-Tull, die Kontakte zu Künstlern knüpft, beobachtet den Trend seit Jahren. In der Sparte Kabarett und Comedy, dem Schwerpunktprogramm des Schlosskellers, sei es zunehmend schwierig, "jemanden zu kriegen, dessen Gage wir aus dem Eintrittsgeld finanzieren können", sagt Schmidt-Tull. Musiker, Schauspieler und Kabarettisten verlangten mittlerweile 250 Euro bis 1000 Euro für einen Abend. Dazu komme, dass einige ohne Tontechniker anreisten. Dann muss sich der Verein selbst um den Ton kümmern, kann dafür aber nur wenig berechnen. Denn der Künstler schaut sich sonst lieber nach größeren Bühnen um, bei denen mehr zu verdienen ist.

Die Versammlung beschloss, Künstler künftig mehr in die Pflicht zu nehmen. Verträge sollen dahingehend geändert werden, dass jeder für Tontechnik selbst verantwortlich ist – wenn er angibt, mit Tontechniker anzureisen.

Doch was, wenn das nicht stimmt? Nicht selten stünden Künstler kurz vor ihrem Auftritt im Keller und wunderten sich, wenn vor Ort niemand den Ton mache. Abian Oberle hat diesen Job bisher erfolgreich nebenher erledigt. "Mittlerweile ist bekannt, dass wir einen guten Sound haben", sagt Oberle. Weil er geht, sucht der Verein nicht nur einen Wirt, sondern auch musikbegeisterte Technikfans. Studenten sollen im Rahmen eines Praktikums den Ton im Keller einspielen, hieß es. Allerdings waren sich Oberle und mehrere Mitglieder einig, dass es bei der Tonqualität keinerlei Abstriche geben solle – das Image, das man sich erarbeitet habe, dürfe nicht aufs Spiel gesetzt werden.

Trotz allem startet der Verein optimistisch ins neue Jahr. Aufgebessert werden soll die Kasse durch die Vermietung des Schlosskellers für private Feiern. Sarah Cavanno erklärte sich bereit, hinter dem Tresen zu stehen, bis der neue Pächter bestimmt ist. Die 25-jährige Janine Wortmann will bei Facebook und Twitter die Werbetrommel für den Verein rühren.

Vorstandsteam: Ulf Fiedler, Janine Wortmann, Sarah Cavanno, Simone König (Schriftführerin). Anja Strub, Jens Tischer und Abian Oberle stellten sich nicht mehr zur Wahl.

Autor: Christine Speckner