26. März 2009
Sicher entscheiden, aber mit Fingerspitzengefühl

Wehe, wenn der Zahnarzt pfeift: Beim Unternehmer-Forum der Volksbank in der Steinhalle erntete Weltschiedsrichter Markus Merk nur Applaus, keine Pfiffe . | Foto: Markus Zimmermann-Dürkop
"Sicher entscheiden" lautet der Vortrag des 1962 in Kaiserslautern geborenen Referees, der betont, dass der Mann mit der Pfeife auf dem Platz nur so gut ist, wie sein Team, vor allem die Schiedsrichterassistenten und der vierte Mann. Und gleich zu Beginn räumt er ein, dass er vielleicht immer sicher entschieden habe, keineswegs aber immer richtig. "Wo das Prinzip Mensch regiert, gibt es Fehler", so der dreimal zum besten Schiedsrichter der Welt gewählte Mann in Schwarz.
Sicher entscheiden, das heißt für Merk nicht abgehoben, über die Köpfe hinweg. Das wird schon deutlich an der Art des Vortrags, den er sympathisch mit Bonmots würzt und bei dem er mit ein paar Sprüchen aus der Machismo-Ecke beim überwiegend männlichen Publikum punktet. Als Schiedsrichter und als Zahnarzt ist Merk nicht gerade Sympathieträger Nummer eins. Doch das macht er wett, indem er auf Kommunikation setzt. Eindrucksvoll schildert er, dass es dabei bei unterschiedlichen Spielertypen auf ganz differenzierte Methoden zurückgreift. Einem Beckham galt es, mit den eigenen Argumenten die Luft heraus zu nehmen, einem Figo, so räumt er ein, konnte er sich nur durch Distanz entziehen und mit Zidane habe es keine Interaktion gegeben. Den ehemaligen Kapitän der Equipe Trikolore beschreibt er als einen sehr sympathischen Spieler. "Der hatte kein Stargehabe, hat durch Leistung überzeugt, forderte nie für andere gelbe oder rote Karten und wollte nur geschützt werden", so Merk. Dafür habe Zidane überall hohe Wertschätzung genossen. Superlative, den beeindruckendsten Spieler, das tollste Stadion, den angenehmsten Trainer, will er aber nicht benennen.
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Entscheidungsgrundlage seien für ihn bindende Regeln. "Die gilt es von mir zu akzeptieren, aber auch von den Spielern", so Merk. "Fingerspitzengefühl" sei oft gefordert worden, doch dürfe dies nicht zu Lasten der Akzeptanz der Regeln oder gar der Kollegen gehen. Dort wo sich Spielräume ergeben, sei es wichtig, vor allem selbst orientiert zu sein, für sich akzeptierte Entscheidungen zu treffen. Konzessionsentscheidungen lehne er ab, denn eine Ungerechtigkeit mit einer weiteren Ungerechtigkeit auszugleichen, sehe er als nicht gerecht an.
"Ich habe es als fantastisch erlebt, entscheiden zu dürfen", zeigt sich Merk als positiv eingestellte Persönlichkeit. Druck, beispielsweise vor einem Millionenpublikum entscheiden zu müssen, könne Stress und Belastung sein. "Für mich war es irgendwann Motivation", so Merk, der die US-Leichtathletin Wilma Rudolph als Vorbild bezeichnet. Dass Markus Merk Herausforderungen liebt, zeigte er nicht nur auf dem Fußballplatz. Zahlreiche Marathonläufe hat er absolviert, demnächst will er einige 6000er in den Anden ersteigen. Bezeichnend, dass er in Südindien einige selbstständige Entwicklungshilfeprojekte (Kinderdörfer mit Schulen, Waisenhäuser und ein Altenheim) gegründet hat. Im anschließenden Gespräch wird deutlich, entschieden sein, das lebt Markus Merk. Nicht nur mit der Pfeife im Mund und vor allem aus einer positiven Grundeinstellung heraus.
Autor: Markus Zimmermann-Dürkop





