Sinnlichkeit und Leidenschaft

Dagmar Barber

Von Dagmar Barber

Di, 18. Juli 2017

Emmendingen

Tangoabend des Freiburger Akkordeonorchesters mit Sängerin Josefina E. Aymonino.

EMMENDINGEN. Erneut trat das Freiburger Akkordeon Orchester in der Cine Maja auf und gab ein Tangokonzert, diesmal mit Sängerin Josefina E. Aymonino. Die besondere Qualität dieses Orchesters hat sich herumgesprochen: "Wir sind gnadenlos ausverkauft" ächzt Inhaber Roland Vetter und schleppt schnell weitere Stühle heran. Der Andrang ist gerechtfertigt, denn wenn Gaststar Josefina E. Aymonino vor hingerissenem Publikum singt, verbindet sich ihr warmer Ton mit greifbarer Spannung, dann gehen Gestik und Sinnlichkeit der Sängerin eine magische Verbindung ein.

Unter dem Motto "Another night in Argentina" warteten die 17 Akkordeonisten mit Dirigent Volker Rausenberger mit veritablen klanglichen Feinheiten auf: Scharfe, blitzartige Glissandi, dann wieder Passagen mit großem Gefühl für Nuancen. Allein fünf von Astor Piazollas anspruchsvollen Stücken wurden gespielt. Alle diese Musiker sind Könner.

Josefina E. Aymonino kommt auf die Bühne und schon bald drängt sich die Frage des Abends auf, was aufregender sei: die anmutige Frau oder ihre Stimme. Die schlanke dunkelhaarige Persönlichkeit verheißt Leidenschaft. Sie trägt ein enganliegendes schwarzes Paillettenkleid, ein wenig kühl-erotisch betont das glitzernde Kropfband ihren Hals.

Neben Klassikern von Carlos Gardel oder Rosito Quiroga singt sie am liebsten Lieder von Piazolla, denn sie ist seit langem mit seiner Familie befreundet. Ab und zu verschärft sie das Tempo bis zu "aufgeregten" Wortstakkatos auf Spanisch oder das regionale Yeísmo. Zum Schmelzen schön spielt Aymonio mit Klangfarben ihrer Stimme, mit Betonungen und den Feinheiten der spanischen Worte. Sie bevorzugt dunkle Lagen und lebt gezielt ihre große Spannweite aus.

Aymonino gibt ihrem Publikum, was es erwartet: Tangos im getragenen Tempo, mit einem Hauch Melancholie und Sentimentalität. Mit Gestik unterrstreicht sie das tragische Leid oder gar die Verzweiflung jener irgendwo in den Hafenkneipen Gestrandeten. Aymonio, die Argentinierin in Emmendingen, singt den Tango inbrünstig und mit großer Seele. Gelassen wandert sie über die Bühne, untermalt ihre Geschichten mit Schwüngen des rechten Arms und einem versiertem Mienenspiel. Sie ist der unumstrittene Mittelpunktdes Abends. Ihre Präsenz gleicht einem Leuchtfeuer, und die Stimme schwingt rein wie eine perfekt gearbeitete Glocke, wenn sie die Atmosphäre der ganz besonderen Liebesnacht beschwört.

Der letzte Song ist von Astor Piazzolla und wird "Balada para un loco" genannt (Liebe mich so, durchgeknallt,...Klammere dich an diese Zärtlichkeit eines Verrückten, die in mir ist). Aber "verrückt" ist dieses Konzert keinesweges – allenfalls das Repertoire ist ungewöhnlich und besonders anspruchsvoll.

Durch ihre Bühnenpräsenz drängt Josefina E. Aymonino das Orchester beinahe unvermeidbar in den Hintergrund. Aber wenn Rausenberger die Sängerin mal unisono, mal kontrapunktisch mit sanfter Virtuosität auf seinem Instrument begleitet, ist das jeweils ein neuer Höhepunkt.