Antwort aus Stuttgart

So reagiert das Verkehrsministerium auf die Fahrplan-Kritik aus Emmendingen

Patrik Müller

Von Patrik Müller

Do, 06. Dezember 2018 um 19:46 Uhr

Emmendingen

Ein Behördensprecher nennt die Fahrplan-Vorwürfe von Oberbürgermeister Stefan Schlatterer – der von Wortbruch gesprochen hatte – haltlos. Das Stundentakt-Versprechen solle erst ab 2025 gelten.

Das Verkehrsministerium in Stuttgart hat am Donnerstag auf die Kritik von Oberbürgermeister Stefan Schlatterer reagiert. Die verbalen Attacken des Emmendinger Rathauschefs seien haltlos, teilt Behördensprecher Edgar Neumann auf BZ-Anfrage mit.

Schlatterer hatte Grünen-Minister Winfried Hermann in einer Sitzung des Technischen Ausschusses am Dienstagabend Wortbruch vorgeworfen – wegen schlechterer Verbindungen an den Bahn-Haltepunkten Mundingen und Kollmarsreute.

Verweis auf Verbesserungen

Wer Vokabeln wie Wortbruch oder skandalös in den Mund nehme, heißt es in der Stellungnahme aus Stuttgart, sollte erst einmal zur Kenntnis nehmen, was in den vergangenen Jahren schon an Verbesserungen erreicht wurde. Auch Emmendingen hätte davon erheblich profitiert.

Der Behördensprecher zählt auf: Ausweitungen im Spätverkehr, zusätzliche Züge im frühen Berufsverkehr, neue oder modernisierte Fahrzeuge. Ab Sommer 2020 würde sich die Situation noch weiter verbessern. Tatsächlich hatten Schlatterer und sein Team in der Sitzung des Technischen Ausschusses das durchaus zur Kenntnis genommen. "Es wird besser – aber nicht so, wie wir es uns gewünscht haben", erklärte Rathaus-Mitarbeiter Christian Kessel.

Was war genau versprochen worden?

Dann geht Neumann auf Schlatterers Wortbruch-Kommentar ein: Ein Stundentakt für den Sommer 2020 sei nie versprochen worden. Das erklärte Ziel laute, diesen bis 2025 von früh morgens bis spät in die Nacht zu verwirklichen. "Je früher, desto besser", heißt es in der Antwort aus Stuttgart. Man sei aber auch an die Möglichkeiten der Infrastruktur gebunden: Solange die Rheintalbahn nicht viergleisig ausgebaut sei, gebe es Grenzen des Machbaren. "Das sollte auch ein verantwortlicher Oberbürgermeister zumindest zur Kenntnis nehmen, statt in der Öffentlichkeit haltlose Vorwürfe zu erheben."

Dass in den Emmendinger Ortsteilen Zughalte entfallen, liegt laut Behörde an internationalen Fernreisezügen, die von der Schweiz oder Italien aus in Richtung Norden fahren. "Diese Züge genießen in der Hierarchie bei der Trassenvergabe Priorität", schreibt Neumann. "Darüber kann sich das Land als Besteller des regionalen Zugverkehrs nicht hinwegsetzen." Immerhin: "Zur Stunde 17" bestünde eventuell die Möglichkeit, doch noch einen Ortsteil-Halt zu realisieren.

Der Sprecher weist aber auch auf die niedrige Frequenz in den Ortsteilbahnhöfen hin: In Kollmarsreute stiegen am Tag rund 220 Fahrgäste ein und aus, in Emmendingen rund 5700. Wenn die Regionalbahn in Kollmarsreute halten sollte, müsse sie dafür in Emmendingen durchfahren. Neumann: "Wenn der Oberbürgermeister jedoch diese Alternative präferiert, können wir sie gerne umsetzen."

Kompromisse auf der Rheintalstrecke

Schlatterer hatte dem Ministerium auch Willkür vorgeworfen: Züge, die in Kollmarsreute nicht halten, halten beispielsweise in Gundelfingen, obwohl dort auch die Elztalbahn hält. Neumann verweist den Emmendinger Rathauschef darauf, sich mit seinen Amtskolleginnen und -kollegen wegen eines Tausches abzustimmen – "Da sind wir offen".

Die Kompromisse auf der Rheintalstrecke sind laut Ministerium allein eine Folge der Überlastung: "Bei einem zügigeren Baufortgang zum seit Jahrzehnten geplanten, aber immer wieder verzögerten Ausbau auf vier Gleise würde es diese Defizite längst nicht mehr geben", heißt es. Auch da könne das Land nicht mehr tun. Das Land habe sich jahrelang für den Trassenneubau engagiert und am Ende mehr als 450 Millionen Euro aus seinem Etat zur Verfügung gestellt – obwohl der Ausbau Sache des Bundes sei.

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