Statt Schläge nur "rumgebatscht"?

Georg Voss

Von Georg Voss

Sa, 23. Mai 2015

Emmendingen

VOR GERICHT: Körperverletzung und Vergewaltigung.

EMMENDINGEN. Vor dem Schöffengericht am Amtsgericht Emmendingen wird gegen einen 55 Jahre alten Versicherungskaufmann verhandelt. Ihm wird zur Last gelegt, dass er seine ehemalige Lebensgefährtin aus dem Landkreis Emmendingen vergewaltigt und verletzt haben soll.

Mit der Lebensgefährtin führte der Angeklagte eine Fernbeziehung. Laut Anklage hat er sie bei einem Besuch im März 2014 in ihrer Wohnung geschlagen, gewürgt und erheblich verletzt. Anschließend sei das Opfer in ein anderes Zimmer gegangen. Dort soll der Beschuldigte sie gegen ihren Willen und trotz einer bestehenden Krebserkrankung gezwungen haben, mit ihm geschlechtlich zu verkehren.

Staatsanwalt Clemens Allweyer legte dem 55-Jährigen sexuelle Nötigung und Vergewaltigung sowie vorsätzliche Körperverletzung zur Last. Zur öffentlichen Hauptversammlung wurden ein Sachverständiger, der Nebenkläger und ein Nebenklägervertreter bestellt. Allerdings wurde die Aussage des Opfers unter dem Ausschluss der Öffentlichkeit protokolliert.

Der Angeklagte wies in der Befragung zu seiner Person zunächst darauf hin, dass er aus einem guten Elternhaus komme und ein herzensguter Sohn sei, der seine pflegebedürftige Mutter in der gemeinsamen Wohnung betreue und "alles macht, was ein Sohn machen sollte." Zum Opfer hatte er bereits zwischen 1995 und 1998 eine Fernbeziehung. Drei Jahre später lebte die Beziehung wieder auf. 2007 sei er in den Landkreis Emmendingen gezogen und habe bis 2011 dort gewohnt. Die Beziehung habe bis zum März 2014 gedauert.

Am Wochenende vor dem Ende der Beziehung hatte er sie erneut besucht. Da das Opfer zunächst nicht zu Hause war, ließ die im Haus lebende Vermieterin ihn in die Wohnung des Opfers hinein. Nach einem Ausflug des Angeklagten mit dem Opfer kam es dann zur Auseinandersetzung. Der 55-Jährige schilderte seine Version des Tathergangs: Sie habe ihn aufgefordert "eine Nummer zu machen." Und habe ihm vorgeworfen: "Willst du nicht oder kannst du nicht?" Dann sei sie wie eine Rakete gestartet und er habe versucht, sie ruhig zu stellen. Am anderen Morgen sei er zu einem Termin an einen anderen Ort gefahren. Seitdem habe es zwischen ihm und der Frau keinen Kontakt mehr gegeben.

Der Angeklagte wirft dem Opfer Gewaltausbrüche vor

Richter Günter Schmalen hakte nach und wollte wissen, ob der Angeklagte denn eine Erklärung dafür habe, wie es nach einem harmonischen Wochenende zu diesem Gewaltausbruch habe kommen können. Der Angeklagte verwies auf ihre Gewaltausbrüche. Sie habe ihm einmal ein Ohrläppchen abgebissen oder ihn mit einem Messer bedroht habe. Sie sei "sehr, sehr eifersüchtig" gewesen. Zum Vorwurf der Körperverletzung sagte der 55-Jährige, dass er sie nicht geschlagen, wohl aber "rumgebatscht" habe. Außerdem habe er sie von sich gedrückt. "Aber die Verletzungen können doch nicht durch Herumdrücken entstehen", gab Schmalen zu bedenken. "Sie hat öfters leicht Hämatome bekommen", antwortete der Angeklagte.

Bei der Vernehmung einer Zeugin kam heraus, dass die Frau in der polizeilichen Vernehmung ihre Lebensgeschichte ausführlich erzählt habe. Dabei habe sie gestockt und auf Nachfrage sexuelle Übergriffe des Angeklagten bejaht.

Rechtsanwalt Philipp Rinklin stellte drei Beweisanträge, die die Unschuld seines Mandanten hinsichtlich der Vergewaltigung untermauern sollen. So soll die Vermieterin berichten, was sie von der Tat mitbekommen hat. Außerdem sollen der vernehmende Polizist und der behandelnde Arzt gehört werden, da in seinem Bericht lediglich stehe, dass das Opfer von ihrem Lebensgefährten geschlagen wurde. Der Prozess wird in der nächsten Woche fortgesetzt.