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09. August 2010

Trommeln, Tänze und eine Torte

Alpha Blondy lockt nach Kofis Schätzung 3000 bis 4000 Gäste.

  1. Alpha Blondy im Scheinwerferlicht Foto: Patrik Müller

EMMENDINGEN. Das "African Music Festival" ist in einen neue Dimension gestartet: Zum zehnjährigen Bestehen boten die Veranstalter gleich an vier Tagen Livemusik aus Afrika und der Karibik auf dem Emmendinger Schlossplatz. Mal verträumt bei Lokua Kanza, mal heiter bei Wally Warning, mal traditionell und mitreißend bei der senegalesischen Trommlertruppe Saf Sap. Der Star des Festivals kam in diesem Jahr von der Elfenbeinküste und hieß Seydou Koné – der 57-Jährige ist unter seinem Künstlernamen "Alpha Blondy" einer der bekanntesten Reggae-Musiker überhaupt.

Die Überraschung war schon für den Donnerstag geplant. Doch daraus wurde nichts: Der Soundcheck hatte ein bisschen länger gedauert, das Wetter spielte auch nicht so richtig mit. Am Freitag, nach dem Auftritt der Karibik-Band Fwegat, ist es dann soweit: Die Moderatoren Eric Mama Dinsin und Mychael Amuzu rufen die beiden Macher des Festivals auf die Bühne: Raphael Kofi und seine Ehefrau Linda Siegel-Bentum. "Hinter dieser Veranstaltung", lobt Amuzu, "steckt ein Großer." Und hinter der kleinen Danksagung steckt das Team: Mehrere Dutzend freiwillige Helfer, die seit Jahren ihre Freizeit dafür opfern, einen Hauch von Afrika nach Emmendingen zu bringen. Sie kochen Couscous und Hähnchen in Erdnusssoße, spülen Gläser, verkaufen Eintrittskarten, verteilen Plakate und Flyer. "Mit einem tollen Team und einer tollen Frau", erklärt Raphael Kofi, "geht alles." Dann überreichen die Moderatoren einen Geburtstagskuchen − mit zehn Kerzen natürlich. Und singen "Happy Birthday!"

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Obwohl die Zeit knapp ist. Die erste Band hat länger gespielt, die zweite steht schon in den Startlöchern: Famara aus der Schweiz. Famara heißt eigentlich Thomas Nikles und ist weiß wie frisch gefallener Schnee, macht aber trotzdem richtig schwarzen Reggae – was er und seine Musiker auf der Bühne bieten, erinnert eher an Jamaika als an die Alpen. Auf dem Festival ist er kein Unbekannter mehr: Famara elektrisierte schon im Vorjahr mit seinen erdigen Rhythmen und wilden Hüpfen. Auch der Hauptact ist ein alter Bekannter: Wally Warning. Der landete im Jahr 2007 mit seinem Song "No Monkey" einen unerwarteten Gute-Laune-Sommerhit und zeigt auf dem Emmendinger Festival, dass er zwei Seiten hat: Eine laute und eine leise.

Er eröffnet sein Programm mit der Gitarrenhymne "Slow Down", einem langsamen und ruhigen Stück mit Lagerfeuer-Tauglichkeit. "No Monkey" ist da schon etwas schneller und poppiger. Mit seiner Gute-Laune-Musik, seiner warmherzigen Stimme, seinen eingängigen Rhythmen und seinem breiten Grinsen kann Wally Warning auf dem Schlossplatz begeistern. Seine Botschaften sind einfach, aber wichtig: "Let's hold hand together!", fordert er das Publikum auf: "Fasst euch an den Händen!". "The world needs help", fügt er noch hinzu: "Die Welt braucht Hilfe."

Am Samstagabend bricht das Festival seine Besucherrekorde: Nach einer bunten und lautstarken Straßenparade durch die Straßen Emmendingens, mit Trommeln und wilden Tänzen, geht es erst einmal traditionell weiter – die Trommeltruppe Saf-Sap aus dem Senegal mischt den Schlossplatz so richtig auf. Dann heißt es warten. Warten auf Alpha Blondy, die Zugnummer des Festivals. Und der lässt sich Zeit. Doch das tut dem Jubel keinen Abbruch. Kein Zweifel: Der Mann von der Elfenbeinküste ist ein Star.

Der erste Song gehört seiner Begleitband, dem vielköpfigen Solar System. Dann kommt er. Alpha Blondy betritt die Bühne mit tief ins Gesicht gezogener Baseballmütze. Das Publikum jubelt, die Band groovt, der Frontmann singt lange, ruhige Worte ins Mikrofon. Später wird er unruhiger – dann werden seine Haare wild durch die Luft wirbeln und die Zuschauer noch lauter applaudieren. Nach 90 Minuten ist das Konzert vorbei – und wieder einmal geht diesen Sommer das Konzert eines richtig bekannten Künstlers auf dem Schlossplatz zu Ende.

"Alpha Blondy ist ein Riesenname", sagt Raphael Kofi. Der war mit weitem Abstand der zugkräftigste Künstler, den er je präsentieren konnte: Er schätzt am Tag danach, dass 3000 bis 4000 Musikfans auf dem Schlossplatz waren – räumt aber auch ein, noch keine offiziellen Zahlen zu haben. Auf jeden Fall, sagt er, sei er stolz auf seine Mannschaft. "Es war eine große Prüfung, und wir haben sie bestanden", meint er. "Damit haben wir gezeigt, dass wir bereit sind für weitere Stars."

Autor: Patrik Müller