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26. Juli 2010
Vier Sattelschlepper für drei Musiker
Bombastische Bühnenshow bei a-ha, ruhigere Momente bei Amy Macdonald – 7000 Zuschauer feiern zwei Tage lang.
EMMENDINGEN. 4000 Zuschauer am Freitag, 3000 am Samstag: Das "I EM Music!"-Festival sorgte am Freitag und am Samstag für dichtes Gedränge auf dem Emmendinger Schlossplatz. Auf der Bühne: Die 80er-Jahre-Band a-ha auf ihrer aufwendig produzierten Abschiedstour und die aufstrebende junge Songwriterin Amy Macdonald – die hat gerade erst einmal sieben Alben veröffentlicht. Und wieder einmal spielte das Wetter brav mit beim Emmendinger Open-Air. Selbst der Dauerregen am Freitag hörte eine Stunde vor Konzertbeginn auf.
Die Fans werden trotzdem nass. Die echten jedenfalls. Die Hardcore-Fans, die in Gummistiefeln und Regenjacken in der ersten Reihe stehen und schon seit halb vier in der Nähe des Schlossplatzes Aufstellung bezogen und auf den Einlass gewartet haben. Sie kommen aus Gießen, Essen und Nürnberg, sie schwenken Norwegen-Fahnen und haben Poster mit Porträts ihrer Stars an die Absperrung geklebt. Und sie sind sich einig: a-ha ist mehr als eine Band. a-ha ist ihr Leben. Oder zumindest ein richtig fester Teil davon.Sagt jedenfalls Tavi aus Essen. "Tavi is’n Spitzname", erklärt sie. Wie sie wirklich heißt will sie nicht sagen. Spielt eigentlich auch keine Rolle. Sie war zwölf Jahre alt, als die drei Norweger mit ihrem Song "Take On Me" weltberühmt wurden, und sie war mit 14 im klassischen Teenie-Herzschmerz-Alter, als die Band ihre Ballade "Hunting High And Low" veröffentlichte. Und sie war 27, als sich a-ha nach sieben Jahren Pause mit ihrem Album "Minor Earth, Major Sky" wieder auf der Bühne der Großen zurückmeldeten. Jetzt ist sie 37. Und sie ist extra wegen des Festivals nach Emmendingen gefahren. Nur deshalb? Sie zieht die Augenbrauen hoch. "Wegen was sonst?"
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Vielleicht wegen Amy Macdonald. Die kam am nächsten Tag nach Emmendingen. Die war noch gar nicht geboren, als a-ha die ersten Erfolge feierte – sie ist nämlich Jahrgang 1987. Die Bühnenausstattung der schottischen Sängerin passte auf einen einzelnen Anhänger, die drei Norweger rückten mit vier Sattelschleppern an. Das war der große Kontrast der ersten beiden Konzerttage: Alt gegen jung. Opulent gegen bescheiden. Erfahren gegen unerfahren – nach rund einer Stunde Spielzeit, das war für jeden Fan in Emmendingen deutlich zu hören, brach Amy das Stimmchen weg. Arme Amy!
Ein Problem, das a-ha-Sänger Morten Harket nicht hatte. Der blauäugige Frauenschwarm kam im königsblauen Hemd auf die Bühne und riss routiniert seine zwei Stunden im Rampenlicht herunter. Ohne Stimmprobleme, trotz wilden Sprüngen zwischen hohen und tiefen Tonlagen. Die Poprocker können nach einem Vierteljahrhundert auf Tour auf eine umfangreiche Diskographie und jede Menge Hits zurückblicken: Den James-Bond-Titelsong "The Living Daylights". Die Schneckentempo-Schnulze "Crying In The Rain". Aber auch die Bombast-Hymne "Summer Moved On" aus dem Jahr 2000. Und natürlich ihr Paradestück "Take On Me" – das wohl berühmteste Keyboard-Intro der Welt peitschte gegen 22.15 Uhr über den Emmendinger Schlossplatz, als letzte Zugabe eines umjubelten Konzertes. Das Ende einer Ära: Die Band hat angekündigt, sich Ende des Jahres auflösen zu wollen.
Amy Macdonald hat noch Einiges vor: Ihr Debütalbum "This Is The Life" verkaufte sich in Deutschland über 1,5 Millionen Mal, auch ihr zweites Album "A Curious Thing" hat mittlerweile schon Platinstatus. Die Deutschen kaufen fleißig. "Thanks to you", flötete die Sängerin ins Mikrofon. Und hat das Publikum schnell auf ihrer Seite: Bei der Fußball-Weltmeisterschaft, erzählte sie, sei ihre ganze Band für England gewesen. Sie selbst habe für Deutschland gefiebert. Das Publikum klatschte artig. Und dürfte der Sängerin auch verziehen haben, dass sie nach dem Auftritt ihrer Vorgruppe Fertig, Los! eine knappe Dreiviertelstunde auf sich warten ließ und nach 70 Minuten schon wieder von der Bühne eilte.
"Das war gigantisch", schwärmt Organisator Christoph Römmler von der Firma Karo-Events. "a-ha war das Größte, was wir bisher auf dem Schlossplatz produziert haben." Er zeigt sich nach zwei von drei Festivaltagen zufrieden. "Es ist natürlich auch schön, wenn man dann noch Glück mit dem Wetter hat." Stattgefunden hätten die Konzerte jedoch auch bei Regen. Nur nicht bei Gewitter oder Stürmen der Marke Lothar. "Wichtig ist immer, dass nichts passiert und alle gesund vom Platz gehen", sagt er.
Das Festival klang am Sonntagabend mit viel Nostalgie aus: Mit Smokie, mit Sweet, mit der Nachfolgecombo des Electric Light Orchestra – für den letzten Konzerttag erwarteten die Veranstalter rund 2000 Besucher (die BZ berichtet noch).
Autor: Patrik Müller


