Von diesem Haus profitieren alle

Gerhard Walser

Von Gerhard Walser

Mi, 12. Oktober 2016

Emmendingen

Am Welttag für seelische Gesundheit weihte das Zentrum für Psychiatrie das neue Klinikgebäude für Alterspsychiatrie ein.

EMMENDINGEN. Das größte Lob kam aus berufenem Mund: "Von diesem Haus werden alle profitieren, Patienten und Personal" gab sich Elke Eichhorn überzeugt. Die ehemalige Patientin und heutige Patientenfürsprecherin war eine von zahlreichen Rednern, die am Montag, dem Welttag für seelische Gesundheit, in der ZfP-Festhalle zur Einweihung der neuen Klinik für Alterspsychiatrie Grußworte sprachen. Der rund 27 Millionen Euro teure Neubau ersetzt das alte Brehmer-Haus, das in der Versorgung altersverwirrter Patienten nicht mehr zeitgemäß war.

Auch der für die Gesundheit im Land zuständige Sozial- und Integrationsminister Manfred Lucha verwies auf die deutliche Verbesserung der medizinischen und betrieblichen Abläufe und der Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten. Mit dem neuen Klinikgebäude für Gerontopsychiatrie und Psychotherapie, das das Land mit rund 17,5 Millionen Euro gefördert hat, könne das Emmendinger ZfP auch in Zukunft "eine moderne, qualitativ hochwertige und leistungsstarke medizinische Versorgung der Patienten sicherstellen".

In seiner Rede ging Lucha auch auf das 20-jährige Bestehen der Zentren für Psychiatrie ein, die 1996 in der Rechtsform als Anstalten des öffentlichen Rechts die früheren Psychiatrischen Landeskrankenhäuser abgelöst hatten. Der "eher hüftsteife Apparat" sei zu einem modernen Wirtschaftsunternehmen geworden: Entscheidungswege wurden verkürzt und größere Spielräume für eine medizinische und betriebswirtschaftliche Optimierung geschaffen.

Der dazu notwendige Paradigmenwechsel sei zunächst einmal im Kopf entstanden. Psychisch kranken und behinderten Menschen Respekt und Wertschätzung entgegen zu bringen und sie nicht auf ihre Erkrankung zu reduzieren, sei oberstes Gebot. "Die psychische Erkrankung gehört zum Leben wie ein Schnupfen", rief Lucha dazu auf, gegen Stigmatisierung und Ausgrenzung einzutreten. Mit der Öffnung der Kliniken nach außen werde dem Rechnung getragen. Nicht Abschottung, sondern Teilhabe am gesellschaftlichen Leben sei für die Genesung wesentlich. Die Versorgung werde zunehmend auch ambulant und wohnortnah dort geleistet, wo sie notwendig und hilfreich ist "und nicht hinter verschlossenen Mauern", so der Minister.

Diesen Aspekt griff auch Oberbürgermeister Stefan Schlatterer in seinem Grußwort auf. "Als Kind habe ich mich da nicht reingetraut", so Schlatterer, heute sei das ZfP-Areal Ziel für Spaziergänge und den Besuch kultureller Veranstaltungen. Schlatterer verwies auch auf die Bedeutung des Zentrums als größter Arbeitgeber und Ausbildungsbetrieb der Stadt.

Nadja Mussa von der AOK Südlicher Oberrhein – mit einem Belegungsanteil von 43 Prozent der größte Kostenträger – würdigte die Leistung des ZfP bei der Umsetzung neuer Behandlungskonzepte. Der Neubau zeige, dass man Menschen in psychischen Krisen ernst nehme, um optimale Hilfe leisten zu können.

ZfP-Geschäftsführer Horst Eichhorst und der Chefarzt der Klinik für Alterspsychiatrie Professor Michael Hüll gingen in ihren Beiträgen ebenfalls ausführlich auf die Patientenorientierung und modernen Behandlungskonzepte ein. "Altern hat Zukunft" spielte Hüll auf die demografische Entwicklung an, die für die Gesellschaft zur Herausforderung werde. Stationäre Angebote müssten sich zunehmend spezialisieren, die Versorgung auf allen Ebenen stärker koordiniert werden. Ehrenamtliche Familienbegleitung könne etwa die häusliche Pflege stabilisieren, Ergotherapie alltagspraktische Fähigkeiten möglichst lange erhalten.

Eichhorst, der von Architekt Michael Conrad am Ende der Festveranstaltung nicht den erwarteten symbolischen Schlüssel, sondern drei Bäume für die Parkanlage erhielt, freute sich, dass der Neubau nach zwei Jahren Planungs- und drei Jahren Bauzeit trotz eines Insolvenzfalls fast im Zeitplan und unfallfrei fertig gestellt werden konnte: "Es ist vollbracht", so Eichhorst, der die vielen Festgäste, darunter auch die Landtagsabgeordneten Alexander Schoch und Sabine Wölfle zum Rundgang durch das neue Klinikgebäude einlud.