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20. Juli 2009
Waldorfschule feiert Rechtmäßigkeit
Freude über die nun vom Land erlaubte Integration geistig behinderter Kinder in den Unterricht / Hurth sichert Pauschale zu.
EMMENDINGEN. Der Brief hatte es gerade noch rechtzeitig geschafft. Am Freitag, genau um 11.47 Uhr, erreichte die Integrative Waldorfschule die Genehmigung des Regierungspräsidiums als "Ersatzschule mit integrativer Beschulung". Am Samstag wurde die Rechtmäßigkeit in Anwesenheit von Politikern aller Couleur gefeiert.
Tabea, heute 22 Jahre alt, war eine der ersten geistig behinderten Schülerinnen, die 1995 nicht auf die Sonderschule, sondern in eine Waldorfschule gingen. Damals nahmen die Emmendinger Waldorfpädagogen erstmals am integrativen Schulentwicklungsprojekt (ISEP) des Kultusministeriums teil. Dieses sah die gemeinsame Beschulung von Behinderten und Nichtbehinderten in einer Klasse vor. "Wir hätten auch ohne Genehmigung begonnen", sagte Erhard Beck, Leiter der Integrativen Waldorfschule, überzeugt.Das Projekt ISEP lief 2008 aus und nicht nur für die Eltern, unter ihnen Diana Schiekofer aus Gundelfingen, begann eine Zeit großer Unsicherheit. Sie war eine von vier Müttern, die ihre Kinder quasi illegal nach Emmendingen schickten.
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Die Schule richtete eine Arbeitsgruppe für die Genehmigung und Evaluation ein. "Wir haben die Pflicht, mit allen, die nicht in der Mitte der statistischen Verteilungszwiebel sitzen, zu arbeiten", so Schulvorstand Peter Fischer.
In mühevoller Arbeit kämpften zuletzt Claudia Diez und Cornelia Sprater um den Erhalt des integrativen Schulmodells. Mit Gegenwind aus dem Kultusministerium: "Wegen euch ändern wir das Schulgesetz nicht", so zitierte Diez Kultusminister Helmut Rau während der Feierstunde, die im ZPE-Festsaal stattfand. Letztlich habe sich die Stärke von Menschen ausgezahlt, die in eine gemeinsame Richtung gegangen sind.
Das Landesschulgesetz muss nun geändert werden, nachdem das Land keine Berufung gegen das Urteil des Verwaltungsgerichts Freiburg einlegte. Dieses erklärte den Unterricht geistig Behinderter nach dem Emmendinger Verfahren für rechtens. Pro Klasse darf die Waldorfschule nun vier geistig behinderte Kinder aufnehmen.
"Eine Erfolgsgeschichte seit 14 Jahren hat einen gesicherten Rahmen gefunden", so die SPD-Landtagsabgeordnete Marianne Wonnay als Schulpatin. "Vielfalt stärkt Menschen mit und ohne Behinderung." Die Schule habe von einer UN-Konvention profitiert, die die Inklusion Behinderter ins Bildungssystem fordert. Letztlich sei der Erfolg gelungen, weil es eine Allianz unterschiedlichster Fraktionen im Landtag für die Schule gegeben habe. Wonnay lobte besonders den Mut ihres CDU-Kollegen Marcel Schwehr.
Auch die Landtagsabgeordneten Dieter Ehret (FDP) und Renate Rastätter (Grüne) hatten den integrativen Ansatz unterstützt. "Ich habe gesehen, dass die Schüler sehr sensibel mit ihren behinderten Klassenkameraden umgehen", sagte Ehret. Oberbürgermeister Stefan Schlatterer freute sich über den endgültig integrativen Charakter der Waldorfschule. "Solche Angebote gehören zu einer Stadt wie Emmendingen, das ist ein Standortvorteil." Die intensive Zusammenarbeit solle beibehalten werden.
Bis das neue Schulgesetz steht, bleibt jedoch die Finanzierung der Integrativen Waldorfschule unklar. Landrat Hanno Hurth machte in dieser Hinsicht eine klare Zusage: Die Pauschale, die während des Schulversuchs gezahlt worden sei, gebe es weiterhin. Er werde dafür werben, dass sich auch andere Landkreise dafür entschließen. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Peter Weiss sprach sich im BZ-Gespräch für schrittweise mehr Modelle integrativer Erziehung aus.
Alle Unterstützer der Schule wurden zum Dank für ihr Engagement mit Rosen bedacht. Freimut Baumann, der Vater von Tabea, gab in einer kurzen Ansprache die weitere Richtung vor: Es gelte nun, die Genehmigung zu bekommen, neben geistig Behinderten auch anders Behinderte gemeinsam mit Nichtbehinderten unterrichten zu dürfen.
Einen Beweis für den Erfolg des integrativen Charakters lieferten in der Feierstunde die Schüler selbst: Die dritte Klasse präsentierte die Lieder "Zug der Schwäne" und "Hineh Matov". Letzteres ist hebräisch und besingt die Eintracht, wenn alle beieinander wohnen.
Autor: Andreas Schmieg
