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25. Januar 2010
Wenig Schmeichelhaftes zur Kirche
Der Bochumer Theologe Okko Herlyn gastierte mit seinem Calvin-Kabarettprogramm bei der Evangelischen Erwachsenenbildung
EMMENDINGEN. Gut beobachtet, treffend karikiert. Auf die Formel lässt sich Okko Herlyns Calvin-Kabarettprogramm, mit dem der Bochumer Theologe am Freitag in der Elzhalle gastierte, bringen. Wie da eine kleine Kirchengeschichtslektion mit bösen Spitzen zu evangelischem Gemeindeleben verknüpft wird – das hatte schon was. Ob es die Vikarin ist, die auch in ihrer Unsicherheit ernster genommen werden will, oder der Kantorin der Chorprobe vor lauter Kuchenlistenführen nicht über das Einsingen hinauskommt; oder, schließlich, dümmlichste Familiengottesdienstrhetorik, die aus einem banalen Reißverschluss ein theologisches Demonstrationsobjekt machen will – Okko Herlyn porträtiert eine Kirche, in der einem nur das kalte Grausen kommen kann. Und wirklich schlimm ist, dass er wohl recht hat.
Dazu gehört auch, dass das Gespräch mit einem entlassenen Mitarbeiter, in dem dieser bigott mit "Bruder Neumeier" angeredet wird, wohl leider nicht allzu fiktiv geraten, sondern aus der alltäglichen Wirklichkeit gegriffen ist. Herlyns Nummern lassen sich beim besten Willen nur als ein wütendes "So kann’s nicht weitergehen!" verstehen.
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Gewiss, zwischendurch gibt’s auch Netteres. Der Kniff, eine Kirchenferne zum sonntäglichen Gottesdienstgang zu verführen, in dem man ihr suggeriert, auch nach Wochen schmückten ihre Rosen noch den Altar, ist amüsant. Man möchte hoffen, dass es Pfarrer gibt, die so was bringen. Böser – und nicht wirklich gerechtfertigt – ist die Sozialarbeiter-Romantik getränkte Nummer über einen Anruf bei der Telefonseelsorge – wären dort wirklich Menschen unterwegs, die mit Sätzen wie "Sie sind ein ganz Lieber!" den Nöten der Anrufer begegneten, stände es zum Fürchten. Zwischendurch Songs, die in die Kirche hineinschauen; "easy listening" in der Anmutung, leicht swingend. Schade, dass das Keyboard meistens unnatürlich laut wirkt.
Okko Herlyn weiß ganz gut, wie er sein Publikum kriegt. Glücklicherweise sind effekthaschende Scherze, in denen er den Reformator Calvin mit einem Modelabel ähnlichen Namens verknüpft, eher die Ausnahme. Hier und dort bricht der Universitätslehrer durch, wenn es um Prädestinationslehre oder die Frage geht, welche Gebote in die Reihe der Zehn gehört und welche nicht (richtig, es betrifft das Bilderverbot, das Luther strich).
Fragt sich am Ende, was all das hilft. Wenn man, wie am Freitag, weitgehend unter sich bleibt, wird sich nichts ändern. Pfarrer Klaus Halberstadt hatte in seiner Begrüßung schließlich angemerkt, man könne gleich eine Bezirkssynode veranstalten – soll heißen: Das Publikum bestand zu wesentlichen Teilen aus der evangelischen Szene der Region, Pfarrer inbegriffen. Ob sich da mancher an die eigene Nase gefasst haben wird, muss sich erst herausstellen.
Ach ja: Okko Herlyn drehte, als sich Klaus Halberstadt am Ende mit der obligatorischen Flasche bei ihm bedanken wollte, den Spieß flugs um: Er nahm sie seinem Kollegen aus der Hand und hielt sich die Dankesrede gleich selber. Das saß.
Infos im Internet unter www.okkoherlyn.de
Autor: Frank Berno Timm
