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01. Oktober 2016

Wiedersehen nach zwölf Jahren

Film von "Ausgerechnet Deutschland" über die jüdische Immigration nach Emmendingen.

  1. Viktoria Budyakova hat sich bestens integriert Foto: Georg Voß

EMMENDINGEN. Wie ist das, seine eigene Geschichte nach zwölf Jahren auf der Leinwand zu sehen? "Es war schön, diesen Film nach zwölf Jahren, nach der Premiere in Ludwigsburg, wieder zu sehen", sagt Viktoria Budyakova. Sie war aus der Ukraine nach Emmendingen gekommen und für den 2004 entstandenen Dokumentarfilm porträtiert worden. Zur interkulturellen Woche zeigten die Jüdische Gemeinde Emmendingen und der Verein für jüdische Geschichte und Kultur im Simon-Veit-Haus "Ausgerechnet Deutschland. Jüdische Immigration in Emmendingen." Lediglich ein gutes Dutzend Besucher sahen sich diesen Film an.

Das Werk des 2006 verstorbenen Filmemachers Torsten Wenk begleitet vier jüdische Immigrantenfamilien aus der ehemaligen Sowjetunion ein halbes Jahr nach ihrer Ankunft in Emmendingen. 1995 gründeten Ute und Klaus Teschemacher (Ute Teschemacher starb im November 2015) die jüdische Gemeinde in Emmendingen. Zusammen mit Sozialarbeiterin Maja Kobzarev demonstrierten sie, dass eine erfolgreiche Integration mit wenig Geld möglich ist. Sie halfen bei Behördengängen, bei Wohnungs- und Arbeitssuche, beim Erlernen der deutschen Sprache sowie bei Einschulung und Ausbildung der Kinder, leisteten also "Basisarbeit für einwandernde Juden", so Kobzarev im Film; sie hat mittlerweile Diplom-Sozialarbeit in Freiburg studiert. Viele der rund 100 000 jüdischen Immigranten waren von ihrer jüdischen Kultur und Religion entwurzelt und wurden nach und nach wieder herangeführt.

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Der Dokumentarfilm porträtiert das Ankommen von Maxim und Elena Chernenko aus der Ukraine, Daniel Raizensons aus der lettischen Hauptstadt Riga, Viktoria Budyakova aus der Ukraine und Larissa und Sergej Rabinovitch aus Kasachstan. Larissa und Sergej Rabinovitch kamen als Kontingentflüchtlinge und wohnten in einem Übergangswohnheim, bevor sie nach Emmendingen kamen. Im Film stellte Sergej Rabinovitch, der als Arzt in einer großchirurgischen Abteilung eines kasachischen Krankenhaus arbeitete, fest, "dass es schwierig ist, eine Wohnung zu finden." Aber mit Hilfe von der jüdischen Gemeinde hatten sie eine Wohnung in Emmendingen gefunden. Mittlerweile arbeitet Larissa Rabinovitch als Anästhesistin in einer Offenburger Klinik, während ihr Mann Sergej als Chirurg an der Freiburger Mooswaldklinik tätig ist. Ebenso froh war der Computerfachmann Daniel Raizensons, als er endlich eine Kellerwohnung in Emmendingen gefunden hatte. Nach Angaben von Viktoria Budyakova ist Daniel Raizenson, der noch Angehörige in Israel hatte, zurück nach Israel gegangen.

Maxim Chernenko hatte es schwer mit der Integration. Er ging zurück zu seinem Vater in die Ukraine, während Elena mit dem gemeinsamen Sohn in Emmendingen blieb. Doch Maxim kehrte wieder zurück zur Familie. "Er hat in Erfurt und Berlin Sozialarbeit studiert und er arbeitet hier als Sozialarbeiter", sagt Klaus Teschemacher nach dem Film. Elena Chernenko arbeitet auch in Emmendingen.

Als einzige der vier porträtierten Familien war Viktoria Budyakova bei der Vorführung des zwölf Jahre alten Film anwesend. Nachdem sie ihre Arbeitserlaubnis bekommen hatte, arbeitete sie als Krankenschwester. "Ich habe Pflegemanagement studiert und betreibe einen interkulturellen Pflegedienst in Emmendingen", sagt sie. Ihr Sohn studiere Germanistik und Geschichte in Freiburg. Sie bezeichnet sich als Beispiel gelungener Integration und war ehrenamtlich für die jüdische Gemeinde tätig.

Autor: Georg Voß