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12. August 2011
Zirkus, der begeistert und überzeugt
Viele Zuschauer bei der Premiere des Zirkus Crocofant, der noch bis Sonntag auf dem Emmendinger Festplatz gastiert.
EMMENDINGEN. Es muss kein Riesenzelt mit einer benachbarten Zeltstadt sein. Im Zirkus Crocofant treten weder Elefanten noch Krokodile auf. Zwei Tiger, vier Löwen und vier Pferde samt 18 Mitarbeitern, das hört sich nicht unbedingt spektakulär an. Klein aber fein ist der Grundsatz des Münchner Zirkusunternehmens, dessen Akteure bei seiner Premiere auf dem Festplatz herzlichen und heftigen Beifall der zahlreichen Besucher ernteten.
Gleich zu Beginn ging ein ehrfürchtiges Raunen durch die überwiegend gut besetzten Sitzreihen. Tiger "Tonga" betrat die Manege. Mit seinen über 250 Kilogramm ist er an diesem Abend der "Chef". Allerdings nur solange bis Yvonne und Knut Muderack eine sehr einfühlsame Vorführung mit Löwen und Tigern zelebrieren. Kaum Peitschengeknalle, vielmehr wurde der Bewegungsdrang der Tiere spielerisch umgesetzt. Ebenso bewundernswert wie die Großkatzen miteinander harmonierten. Allerdings hinterließen die Löwen den Eindruck, sie seien bei dieser Premiere etwas schlecht gelaunt gewesen.Werbung
Es dauerte keine drei Minuten bis die Schutzvorrichtung der Raubtiernummer abgebaut war, und Nikita Meise, die Tochter in dem Familienunternehmen, sich in die Höhe der Zirkuskuppel emporschwang. Nervenkitzel war angesagt als Nikita Meise ihre Künste am Trapez und später am Vertikaltuch zeigte. Wenn sie sich blitzschnell aus großer Höhe fallen ließ, um dann vom Tuch aufgefangen zu werden, war nicht nur einmal ein erschrecktes Raunen im Publikum zu vernehmen.
Athletisches und Akrobatisches zeigten Mitglieder der ungarisch stämmigen Familie Donnert auf zwei Pferden. Später, als krönende Schlussnummer der Vorstellung: Jockeyreiterei vom Feinsten, die früher in keinem Zirkusprogramm fehlen durfte. Salti neben dem galoppierenden Pferd, gewagte Sprungkombinationen auf dem Pferderücken, Salto rückwärts vom Rücken eines galoppierenden Pferdes auf ein zweites dahinter. Und es wird mit dem balkantypischen Temperament und entsprechender Musik durch die Manege gewirbelt – einfach nur schön.
Jongleuse Sandra zeigte, was man alles mit Keulen und Bällen anstellen kann. Geradezu mystisch erschien ihre Jonglage mit der Feuerfackeln im abgedunkelten Chapiteau. Der dumme August, Clown David, stand meist auf der Verliererseite. Gewinner waren die Kinder bei denen er für herzerfrischende Lachsalven durch seine tollpatschige Art sorgte. Der starke, etwas angejahrte Siegfried, mit bürgerlichem Namen Valerie Guriev, erweckte den Eindruck als käme er direkt von den Wagner-Festspielen aus Bayreuth. Mit seiner üppigen blonden Lockentracht wirkte er auch geradezu clownesk.
Bis er sich dann plötzlich seiner Haartracht entledigte und eine bewundernswerte Jonglage mit schweren Hanteln und Kugeln präsentierte, die mit einer solchen Gewichtsklasse in keinem Fitnessstudio mehr zu finden ist. Schließlich lud er einen Zuschauer zum Mitmachen ein. Und obwohl dieser nicht eben zu den Schwachgebauten gehörte, hatte er viel Mühe die Gewichte so zu hieven, wie "Alt-Siegfried" es ihm vorgemacht hatte.
Für die kleinen Zuschauer gab es am Ende der Vorstellung Gelegenheit, einmal die Besucherreihen bei einem Ritt auf dem Rücken der Pferde von der Manege aus zu betrachten.
Autor: Dieter Erggelet


