Laster im Wohngebiet

Emmendinger Anwohner am Sportfeld wollen den Schwerlastverkehr nicht mehr hinnehmen

Gerhard Walser

Von Gerhard Walser

So, 26. August 2018 um 14:39 Uhr

Emmendingen

Eigentlich sollte ihre Straße nur kurzfristig wegen Sanierungsarbeiten als Ausweichroute für Lkw genutzt werden. Mancher 18-Tonner schlängelt sich bis heute durch die schmale Durchfahrt – den Anwohnern reicht es jetzt.

Die Anwohner der Straße Am Sportfeld sind es leid: Seit vielen Monaten nun schon rollt täglich immer mehr Verkehr durch ihre Straße, die dafür eigentlich nicht ausgerichtet ist. Vor allem der Schwerlastverkehr hat deutlich zugenommen, seit die Straße vor einigen Jahren einmal als Ausweichroute wegen der Sanierung der Sandomierzbrücke ausgewiesen wurde. Und auch die regelmäßigen Staus auf der B 3-Umfahrung sorgen für zusätzliche Belastung. Wenn dort der Verkehr stockt, weichen ortskundige Autofahrer auf das Sportfeld aus.

"So kann es nicht bleiben, hier geht’s mittlerweile zu wie im Wilden Westen", sagt Klaus Ehret. Zusammen mit einigen anderen Anwohnern hat er sich an diesem heißen Sommernachmittag im Garten eines benachbarten Lokals getroffen, um sich auszutauschen. "Wer das beste Pferd hat, der reitet es", bleibt Ehret im Bild von der Cowboy-Manier, mit der manche Autofahrer auf der schmalen Straße unterwegs sind. Regeln oder Rücksichtnahme? Sie scheinen zu manchen Zeiten nicht mehr zu gelten, "Hauptsache man kommt schnell voran", so Ehret.

Angefangen hat alles im März 2015 als die Sandomierz-Brücke einige Wochen wegen Sanierungsarbeiten gesperrt war. Der Verkehr ins Gewerbegebiet wurde offiziell über die Straße Am Sportfeld umgeleitet. "Das hat sich in den Köpfen der Fernfahrer offensichtlich festgesetzt", glaubt Gerhard Meier, der immer mehr Brummis beobachtet, die aus Richtung Norden kommend über die Newark-Brücke und die Straße Am Sportfeld das Gewerbegebiet ansteuern. In Höhe des Reitstalls ist auch der Brückenradius größer, so dass die Fahrer mancher 18-Tonner lieber dort die Elz überqueren.

Dass es auf der Straße eng zugeht, beweisen schon mehrfach abgefahrene Außenspiegel an Pkw, die Anwohner bewusst ab und zu auf der Straße abstellen, um den Durchgangsverkehr abzubremsen. Denn zum starken Verkehr hinzu kommt auch die Ungeduld mancher Zeitgenossen, die zu den Freizeiteinrichtungen unterwegs sind. Freizeitcenter, Freibad, Elz- und TBE-Stadion und Reitplatz sorgen zu Stoßzeiten und am Wochenende ohnehin schon immer für viel Betrieb, doch inzwischen, so meint Meier, "geht’s hier zu wie auf der Autobahn".

Anliegerstraße oder Einbahnverkehr?

Die Anwohner sind mit ihrer Geduld am Ende. "Muss erst etwas passieren, bis die Stadt endlich reagiert", fragt eine junge Mutter, die ihr Kind nur noch ungern mit dem Rad zur Schule schickt. Zwar gibt es immer mal wieder Geschwindigkeitskontrollen des Gemeindevollzugsdienstes und auch einige an der Straße aufgestellte "Niemännle" sollen den Verkehr abbremsen, doch der gewünschte Erfolg stellt sich bislang nicht ein.

Wie die Lösung aussehen könnte, die der Straße weniger Verkehr beschert, darüber diskutieren die Bewohner der umliegenden Häuser an diesem Nachmittag. Eine Sperrung für Lkw über 7,5 Tonnen? Eine Anliegerstraße, die den Zulieferverkehr der Freizeiteinrichtungen zulässt, eine Durchfahrt aber grundsätzlich einschränkt? Oder gar eine Einbahnregelung, die eine gefährliche Begegnung von Brummis verhindert? Gerhard Reichenbacher hat sich im Internet schlau gemacht: "Die Straße müsste offiziell umgewidmet werden und das dauert". Auch bauliche Maßnahmen an der Kreuzung zur Schützenstraße werden angeregt, die ein "sportliches Einbiegen" verhindern. "Der jetzige Trichter ist zu breit, die aufgebrachte Markierung wird missachtet", weiß Gerhard Meier.

Bei der Stadtverwaltung ist das Problem bekannt. Es gebe einige Lösungsvorschläge, die als "Gesamtpaket" diskutiert werden sollen, heißt es auf BZ-Anfrage im Rathaus. Auch das Durchfahrtsverbot für Laster mit Ausnahme der unmittelbaren Anlieger sei dabei. Möglicherweise habe auch die seit April auch auf der B3 geltende Mautpflicht dazu beigetragen, dass viele Lkw-Fahrer blind ihrem Navi folgten und auf die Straße ausweichen, meint Rathaus-Sprecherin Birgitta Weiher. Die Straßenverkehrsbehörde werde sich die Lage auch noch einmal vor Ort anschauen und danach Vorschläge machen.