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13. Februar 2009 17:31 Uhr

Emotionale Diskussion ums Hornbergbecken II

Vertreter des Schluchseewerks standen den Anwohnern des geplanten Hornbergbeckens II am Donnerstagabend Rede und Antwort. Etwa 100 Personen waren gekommen und beteiligten sich an der emotionalen Diskussion.

  1. Foto: Katja Mielcarek

HERRISCHRIED. "Wir verlieren unsere Heimat", sagte eine Frau und machte damit deutlich, dass es kein leichter Abend werden würde für Manfred Rost, Stefan Vogt, Projektleiter Andreas Schmidt und Klaus Schneider vom Schluchseewerk. Gleich mehrfach wurde geäußert, dass die Anwohner nicht so ohne weiteres bereit sind, die heile Natur, den Wald und die Ruhe aufzugeben. "Dann müsste dieses Projekt schon sehr sehr notwendig sein", sagte Erika Jeske aus Obergebisbach. "Und Ihre Beweisführung überzeugt mich da überhaupt nicht." Die Vertreter des Schluchseewerks hatten argumentiert, wenn der Anteil der Windenergie in Deutschland wie geplant erhöht werde, sei ein Pumpspeicherkraftwerk die beste Methode, um Wind- und damit Stromschwankungen auszugleichen. Erika Jeske bestritt den steigenden Strombedarf in Deutschland und plädierte dafür, dass sich Herrischried durch eigene Lösungen unabhängig vom großen Strommarkt mache.

Anhand von Fotomontagen bekamen die Anwesenden einen ersten Eindruck, wie sich die Landschaft durch den Bau des Beckens verändern würden. Allerdings fehlte der Blick auf das Becken von Atdorf, Hornberg oder Obergebisbach aus – die Ortsteile, für deren Einwohner die Veranstaltung gedacht war. "Das ist mein Versäumnis", räumte Andreas Schmidt ein und versprach, das fehlende Material nachzuliefern.

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Ein großes Thema war auch an diesem Abend die Wasserversorgung während und nach dem Bau des neuen Beckens. "Die Rohrquellen sind die Lebensader der Wasserversorgung in unserer Gemeinde", sagte Gemeinderat Franz Albiez. Andreas Schmidt versicherte, dass schon im Vorfeld mit der Hilfe von anerkannten Fachleuten abgeschätzt werden solle, welche Folgen das neue Becken haben könne. Außerdem werde schon vor Baubeginn nach Alternativen, wie der Erschließung neuer Quellen, gesucht. Das gelte sowohl für die gemeindeeigenen als auch für die Hausquellen. Die Kosten übernehme ausschließlich das Schluchseewerk. Einen Einwand aus dem Publikum, dass herangepumptes Wasser nicht so gut sei, wie das aktuelle Wasser, ließ Franz Albiez nicht gelten. "Dort, wo Sie wohnen, haben Sie schon seit Jahren gepumptes Wasser." Ein anderer Anwohner traute den Versprechungen der Schluchseewerk-Vertreter nicht. "Wenn man hinterher feststellt, dass die Wasserversorgung Probleme macht, sind wir die Betroffenen."

Gemeinderat Ulrich Gottschalk gab zu bedenken, dass verschiedene Biotope ihre Feuchtigkeit aus Quellen beziehen. Auch dieser Aspekt werde intensiv geprüft, versicherte Andreas Schmidt. "Außerdem ist das auch Gegenstand der Umweltverträglichkeitsprüfung."

Noch keine Lösung, wenn nicht alle Grundstücke verkauft werden

Keine eindeutige Antwort gab Stefan Vogt, als gleich mehrfach aus dem Publikum gefragt wurde, was passiere, wenn sich Grundstücksbesitzer weigerten, ihre Flächen an das Schluchseewerk zu verkaufen. Zwar wiederholte er seine Aussage von der ersten Info-Veranstaltung in Herrischried, ein solches Großprojekt ließe sich nicht gerichtlich durchsetzen, legte sich aber für den Fall der Fälle nicht fest: "Wir stehen doch noch ganz am Anfang, mit dieser Frage beschäftigen wir uns noch gar nicht."

Der Schluchseewerk AG sei es wichtig, dass die Bürger ihre Bedenken äußerten, betonte Manfred Rost. "Wir wollen Sie doch nicht über den Tisch ziehen. Wir wollen Sie mitnehmen." Damit sei er schon einen Schritt zu weit, war die Reaktion aus dem Plenum. "Wir wollen gar nicht mitgenommen werden", sagte ein Mann. "Viele von uns haben ein anderes Ziel als Sie."

Gemeinderat Peter Huber plädierte dafür, die Diskussion möglichst sachlich und unemotional zu führen. Die Bürger sollten aber die Möglichkeit nutzen und ihre Argumente und Sorgen in den Diskussionsprozess einzubringen. Diesen Appell wollte er aber ausdrücklich nicht als generelle Akzeptanz des Projekts verstanden wissen. Auch Bürgermeister Christof Berger betonte, dass man im Gemeinderat bewusst noch keine Stellung bezogen habe: "Wir hören uns zunächst alle Argumente an – die der Schluchseewerk AG und die der Bevölkerung."

Autor: Katja Mielcarek