Landesgartenschau

Ende einer Hängepartie: Die fehlenden Brückenteile sind in Lahr angekommen

Mark Alexander

Von Mark Alexander

Do, 08. März 2018 um 17:56 Uhr

Lahr

Am Donnerstag sind die fehlenden Stahlbauteile für die Ortenaubrücke in Lahr eingetroffen. Mit zwei Spezialkränen wurden sie auf dem Traggerüst platziert.

Auf diesen Moment haben alle gewartet. Lange gewartet. Gegen 9.30 Uhr am Donnerstagvormittag rollt der Schwertransport auf der Baustelle ein. "Auf die Minute pünktlich", sagt LGS-GmbH-Geschäftsführer Tobias de Haen. Ein Satz, der im Zusammenhang mit der Ortenaubrücke fast schon befremdlich anmutet. Hatten sich die Arbeiten doch immer wieder verzögert.

Doch jetzt sind sie da, die beiden fehlenden Mosaiksteine im fünf Millionen Euro schweren Brückenpuzzle. Die Betonung liegt hierbei auf schwer: Die Stahlkonstruktionen wiegen jeweils knapp 60 Tonnen, sind 25 Meter lang. Und sie ziehen am Donnerstagvormittag alle Blicke auf sich. Vor der Absperrung stehen Schaulustige mit Kameras, dahinter stehen die LGS-Macher mit grünen Jacken und Helmen. Ulrike Karl, Tobias de Haen, Baubürgermeister Tilman Petters und Hochbauchefin Silke Kabisch verfolgen interessiert (und erleichtert) das Schauspiel. Die Protagonisten sind zwei Spezialkräne der Firma MSG Krandienst GmbH mit Sitz in Kehl. Und die zeigen einen "Tandemhub", wie Dominik Gyssler von MSG es nennt. Soll heißen: Die beiden blauen Kräne, je 34 Meter hoch, schwenken das Stahlbauteil vom Lkw auf das Traggerüst, bringen es in Position. "Das schaffen wir in knapp 20 Minuten." Dann folgt die Absicherung auf dem Gerüst, was deutlich länger dauern kann. "Monteure und Kranführer sind per Funk verbunden", sagt Gyssler.

Per Tandemhub vom Lkw aufs Gerüst

Alles läuft reibungslos. Gegen Mittag ist Teil eins platziert, anschließend ist das gleiche Spiel auf der anderen Seite nochmal geplant. "Dabei kann einer der beiden Kräne stehenbleiben." Gyssler blickt auf die beiden blauen Riesen, Traglast 250 und 300 Tonnen. Ein außergewöhnliches Schauspiel? Er wirkt unbeeindruckt – und blickt nach rechts Richtung Pylon. "Das war außergewöhnlich." Die 77 Tonnen schwere und 50 Meter hohe Spezialkonstruktion wurde mit drei Kränen bewegt. Seit Anfang Februar steht sie wie eine Eins auf der Baustelle.

Einige Meter weiter diskutieren Stahlbauer Richard Rohlfing und Dieter Heller von der Firma Gertzen Krane und Transporte aus Kluse im Emsland (Niedersachsen). "Nur der letzte Feinschliff wird noch fehlen, die Schönheits-OP", hatte Rohlfing der BZ schon vor der Abfahrt gesagt. Er meint damit den Anstrich der Brücke. Mehr Druck hätte sie machen können, die Stadt. Nicht ihm, sondern den Brückenplanern, deren Unterlagen er mit Verzögerung erhalten habe. Dennoch bleibt der Stahlbauer aus Stemwede gewohnt optimistisch: "Selbst die Beleuchtung wird wohl noch zu schaffen sein."

"Pylon trägt Brücke, Brücke hält Pylon"

Heller wiederum berichtet von einer reibungslosen Fahrt. Die Route führte von Stemwede in Nordrhein-Westfalen zunächst auf der Autobahn in Richtung Amsterdam, dann ging es weiter Richtung Ruhrgebiet. Eine Baustellenumfahrung bei Schüttorf, ein Stopp in Mönchengladbach, ein weiterer bei Speyer, schließlich die Ankunft in Offenburg gegen 4.30 Uhr am frühen Donnerstagmorgen. Vier Stunden später ging’s weiter nach Lahr, mit Sondergenehmigung über die gesperrte Autobahnausfahrt. Eine Punktlandung.

Eine weitere ist jetzt notwendig, damit die Brücke bis zum Auftakt der Landesgartenschau am 12. April fertig wird. Wie sehen die nächsten Schritte aus? "Wenn die Brücke verschweißt ist, werden die Seile eingehängt und mit dem Pylon verspannt", sagt Petra Sattler von der Landesgartenschau GmbH. Dann können die Hilfskonstruktionen entfernt werden. "Danach trägt der Pylon die Brücke und die Brücke hält den Pylon", sagt Sattler. Wie bei einer Waage könne man sich das vorstellen.

Wann wird dieses spektakuläre Schauspiel über die Bühne gehen? "Vielleicht Ende nächster Woche, vielleicht Anfang der folgenden", sagt Sattler. Einen genauen Termin nennt sie nicht. Irgendwie verständlich, nach dieser langen Hängepartie um die Ortenaubrücke.

Weitere Fotos gibt es unter http://mehr.bz/brueckenbau