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22. Februar 2010 15:12 Uhr
Schlechtere Anbindung
Ärger um neuen Busfahrplan hält an
Die Debatten um die seit Mitte Dezember geänderten Zug- und Busfahrpläne in der Region reißen nicht ab.
NÖRDLICHER KAISERSTUHL/ BREISGAU. Der Endinger Gemeinderat diskutierte jüngst öffentlich einmal mehr über die seither deutlich schlechtere Anbindung des Ortsteils Kiechlinsbergen – diesmal insbesondere aus der Sicht der Schüler. Und in Wyhl sehen sich mehrere Familien, deren Kinder die Dörle-Schulen in Herbolzheim besuchen, seit der Fahrplanänderung unvermittelt in der Zwangslage, ihre Kinder zum Schulbus nach Weisweil bringen zu müssen.
Die Neustrukturierung des Personennahverkehrs am Kaiserstuhl beschert den Fahrgästen seit Mitte Dezember häufigere Zugverbindungen anstelle von Bussen – zum Beispiel kurz vor 16 Uhr vom Bahnhof Riegel DB in Richtung Endingen. Doch der Teufel steckt im Detail – vor allem für jene, deren Fahrziel etwas weiter abseits der Bahnlinie liegt, zum Beispiel in Kiechlinsbergen oder Leiselheim.Gymnasiasten aus diesen beiden Orten konnten bislang mit dem Schulbus über Wyhl bis zur Haltestelle Weiherweg in Königschaffhausen oder dem Mittelweg bei Leiselheim fahren. Danach wurde ein Fußmarsch von knapp unter oder über einem Kilometer fällig. Seit der Einführung des Schienentakt-Ergänzungsverkehrs fährt der Schulbus über Weisweil und Wyhl direkt nach Endingen. Von hier aus fährt um 16.06 Uhr ein Zug nach Königschaffhausen und Sasbach. Folge für betroffene Schüler: Sie haben künftig einen fast doppelt so langen Fußweg, wobei vor allem der Weg von Sasbach nach Leiselheim mit 2,2 Kilometer – über weite Strecken außerorts – recht lang ausfällt. Die bereits vor dem Fahrplanwechsel bestehende Alternative ohne Fußmarsch: Mit dem Bus der Linie 107 gut eine halbe Stunde später ab Bahnhof Endingen direkt in den jeweiligen Wohnort.
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Um Fußwege oder Wartezeiten auf den alten Stand zu bringen, müsste eine zusätzliche Schülerbeförderung ab Wyhl eingerichtet werden, erläutert das Landratsamt in einem Schreiben an die Stadt. Kostenpunkt: 41,20 Euro pro Tag oder 5850 Euro pro Jahr. Da der Schülerverkehr auch mit den bestehenden Angeboten entsprechend den geltenden Richtlinien gesichert sei, würde der Kreis dem Schulträger – hier die Stadt Kenzingen – die Kosten nicht erstatten. Und Kenzingen, da war sich Bürgermeister Hans-Joachim Schwarz sicher, werde die Kosten kaum tragen wollen.
Der Ortschaftsrat Kiechlinsbergen hatte unter dem Eindruck des generellen Ärgers über den neuen Fahrplan beantragt, die Stadt Endingen solle den Betrag übernehmen. Das aber lehnt die Verwaltung ab mit Verweis auf die Finanzlage und die Tatsache, dass die Stadt bereits 20 000 Euro pro Jahr für die Buslinie 107 aufbringe. Auch wolle man erst einmal weiter für eine Verbesserung für die Schüler kämpfen. Das Angebot einer begrenzten Mitfahrmöglichkeit im Schulbus der kreiseigenen Eduard-Spranger-Schule war für Schwarz allenfalls eine Übergangslösung. Der Gemeinderat folgte letztlich gegen die Stimmen der vier Kiechlinsbergener Ratsmitglieder mit großer Mehrheit dem Verwaltungsvorschlag. Man werde an dem Thema dran bleiben, so Schwarz, zumal er noch viele andere Ungereimtheiten sehe und die Haltestelle Weiherweg reaktiviert sehen wolle. Er glaube aber an eine lösbare Aufgabe, so Schwarz, "wenn alle Beteiligten guten Willen zeigen".
Für Ärger sorgt der Fahrplanwechsel auch in Wyhl. Von dort besuchen acht Schüler aus sechs Familien die Emil-Dörle-Schulen in Herbolzheim – vor allem die Realschule. Die Eltern, so erläutert eine Mutter, hätten sich wegen des professionellen Angebots zur Nachmittagsbetreuung bewusst für Herbolzheim entschieden. Möglich wurde dies, weil eine Busverbindung bestand. Doch die transportiert vor allem Schüler der Heimschule St. Landolin nach Ettenheim. Offiziell, so die Mutter, starte die Linie in Wyhl, doch würden schon in Forchheim Schüler zusteigen. Weil der Bus stark genutzt wurde, herrschte auf der Tour durch den nördlichen Breisgau oft drangvolle Enge – was für Beschwerden der Eltern sorgte.
Doch Mitte Dezember riefen plötzlich die Wyhler Kinder zu Hause an: "Mama, es fährt kein Bus." Der Grund: Der Schülerbus nach Ettenheim fährt nun eine andere Strecke und hält nicht mehr in Herbolzheim. Dass mit der Fahrplanänderung Kinder aus Wyhl um ihre Schulbusverbindung gebracht wurden, habe man beim Betreiberwechsel zwischen SBG und SWEG angeblich nicht gewusst, berichtet Wyhls Bürgermeister Joachim Ruth von Gesprächen. Die betroffene Mutter weist dies gegenüber der BZ zurück. Der Weg zur Schule führt für die acht Wyhler Kinder nun per privater Fahrgemeinschaft nach Weisweil und von dort mit der neu eingerichteten Schulbuslinie nach Herbolzheim. Ruth erörterte das Thema bereits mit seinem Herbolzheimer Kollegen Ernst Schilling. Einzige Lösung wäre demnach ein Kleinbus-Zubringer von Wyhl nach Weisweil, doch "dieses Fass wollen wir nicht aufmachen", betont Ruth. Die Verkehrsexperten des Landratsamts hätten gemeinsam mit SBG und SWEG geprüft, ob es alternative Verbindungen etwa über Kenzingen geben könnte, doch man sei nicht fündig geworden, sagt der Wyhler Bürgermeister: "Ich bin mit meinem Latein am Ende." Wer die Herbolzheimer Schule wolle, dem bleibe wohl nicht anderes übrig, als den Schülerverkehr bis Weisweil privat zu organisieren, denn die Schülerbeförderung soll zur nächstgelegenen Schule führen.
Die nächste Realschule liegt aus Wyhler Sicht in Endingen, doch einen entsprechenden Hinweis durch die Verkehrsbetriebe empfanden die Eltern als Frechheit. Man habe sich auf die Busverbindung verlassen und erlebe nun, dass Privatschüler bereitwillig durch die Gegend gefahren werden und kulanterweise auch abseits der eigentlichen Haltestellen mitgenommen werden, während man anderen lapidar zum Schulwechsel rate. Den erwägen offenbar schon erste Wyhler Eltern – weil sie den ständigen Fahrdienst für ihre Kinder nicht schaffen.
Autor: Martin Wendel
