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22. Januar 2015

Begeisterndes Zusammenspiel

Musikforum Kaiserstuhl startet mit Konzert für Posaune und Klavier ins Jahr 2015.

  1. Izumi Shibata-Wagner (Flügel) und Mayumi Shimizu (Posaune) eröffneten die Konzertreihe 2015 des Musikforums Kaiserstuhl. Foto: Ilona Hüge

ENDINGEN. Das Musikforum Kaiserstuhl hat seine Konzertreihe im neuen Jahr mit einem "Recital für Klavier & Posaune" begonnen. Mayumi Shimizu, Soloposaunistin beim SWR-Sinfonieorchester, und Izumi Shibata-Wagner am Flügel gestalteten am Samstag einen interessanten Abend, zu dem auch eine "Fast"-Uraufführung gehörte.

Ein Duo Klavier/Posaune ist ungewöhnlich, die Musik war es nicht weniger. Mayumi Shimizu hatte Komponisten ausgewählt, die für ihr Instrument Posaune geschrieben haben. Die Posaune, erläuterte Moderator Thomas Wagner, sei zwar ein altes Instrument, aber als Solo-Instrument trat sie erst mit der Jazzmusik in den Vordergrund. Jüngere Klassiker wie Camille Saint-Saens oder Paul Hindemith standen daher neben zeitgenössischen Komponisten, die vor allem in Musikerkreisen bekannt sind.

Mayumi Shimizu zeigte die Vielfalt ihres Könnens und die Möglichkeiten der Posaune ganz besonders eindrucksvoll bei der Ballade von Eugène Bozza und bei ihrem Solo, der "Improvisation Nr.1" von Enrique Crespo. Die Improvisation erwies sich als musikalische Hörprobe für alle Arten von Posaunentönen, von heiter beschwingt bis schrill, klar und rein, mit gefühlvollem Vibrato, und dazu ging es die Tonleiter rauf und runter. Das Publikum reagierte mit spontanem Applaus.

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Izumi Shibata-Wagner erwies sich mit ihrer feinen Technik und dem Gefühl für den richtigen Moment als ausgezeichnete Begleiterin. Sie sorgte für Klangfülle, wenn es zum Schmettern der Posaune passte, wie im dritten Satz von Richard Peaslee und seinen "Arrows of Time". Sie sorgte für Leben, wenn von der Posaune getragenere Töne verlangt waren, so an Stellen der "Cavatine" von Sain Saens. Mit "Reflets dans l’eau" von Claude Debussy hatte Izumi Shibata-Wagner ein brillantes Solo am Flügel.

Das Publikum erlebte zwei Musikerinnen, die nicht nur das Heimatland teilen, sondern sich auch musikalisch verstehen. Das war besonders gefragt bei "Spielräume". So heißt das Werk der jungen japanisch-österreichischen Komponistin Chiaki Ishikawa-Glössl (Jahrgang 1975). Sie verarbeitete ihren Alltag mit zwei kleinen Kindern musikalisch. Die "Spielräume" sollen bei der anstehenden Japan-Tournee von Mayumi Shimizu uraufgeführt werden. In Endingen gab es daher nur den ersten und zweiten Satz, eine "Fast"-Uraufführung. Sie hatte es in sich: Zur experimentellen Musik gehörte eine Posaunistin, die nicht nur ihr Instrument beherrscht, sondern auch mit dem Klappern von Steppschuhen ab und an rhythmisch exakte Akzente setzen kann. Shimizu konnte es, das Publikum war begeistert. Jetzt darf das Musikforum Kaiserstuhl gespannt sein, wie sein eigenes Experiment ausgeht: Im Vertrauen auf die Musikerinnen hatte das Team fürs Konzert keinen Eintritt erhoben. Man hoffe aber auf zahlreiche Spenden nach dem Konzerterlebnis, hatte Bürgermeister Hans-Joachim Schwarz vorausgeschickt.

Autor: Ilona Hüge