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18. Juni 2010
Bräuche takten das (Kirchen-)Jahr
Zum 20-jährigen Bestehen des Heimatvereins und zur Eröffnung der Sonderausstellung spricht Volkskundler Werner Mezger.
ENDINGEN-KIECHLINSBERGEN. 20 Jahre alt ist der Heimatverein und zur Eröffnung seiner Jubiläums-Sonderausstellung konnte der Volkskundler, Professor an der Freiburger Universität und vielen als Kommentator alemannischer Fasnetsveranstaltungen bekannte Werner Mezger als Referent begrüßt werden. Mezger sprach über Bräuche und Feste.
Der Heimatverein Kiechlinsbergen ist mit gerade mal 20 Jahren eigentlich ein noch jugendlicher Verein. Die Mitglieder, allen voran Vorsitzende Carola Mutschler, haben sich dem Erhalt des Brauchtums verschrieben. Im in der Grienerstraße in der "Alten Schule" eingerichteten und 1992 eröffneten Heimatmuseum hat der Verein mit Hilfe vieler Bürger unzählige Exponate zusammen getragen. Zum 20-jährigen Bestehen und der Eröffnung der Ausstellung "Kiechlinsberger Bräuche und Feste im Jahreslauf" im Winzersaal war es Carola Mutschler gelungen, für die Vernissage den bekannten Volkskundler Professor Werner Mezger zu gewinnen.Am Samstagabend hielt Mezger vor mehr als 100 Zuhörern ein Referat zum Thema "Bräuche und Feste im Jahreslauf zwischen Heimat und Welt". Mezger schlug dabei einen weiten Bogen über die alemannische Sprachgrenze und fesselte die Zuhörer für mehr als zwei Stunden. Zuvor hieß Mutschler neben Mezger, Vereinsmitglieder, Bürger und Bürgerinnen, Bürgermeister-Stellvertreterin Bettina Stumpf-Maroska, Ortsvorsteher Franz Späth, Stadt- und Ortschaftsräte, Pfarrer Anton Weber sowie Vertreter der Heimatvereine aus Forchheim, Sasbach und der Muettersproch-Gesellschaft Kaiserstuhl/Tuniberg willkommen.
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Nachdem die Bürgermeisterstellvertreterin die Grußworte erwidert und ihre Geburtstagsgeschenke (Kartoffeln und ein bemalter Ziegel vom Kirchendach) überreicht hatte, folgte die nächste Überraschung. Eine örtliche Sing- und Instrumentalgruppe verstand es vortrefflich, mit einigen Volks- und Heimatliedern auf den Vortrag von Mezger einzustimmen.
Mezger dokumentierte in seinem Vortrag auch die Bedeutung des Kalenders im Verlauf des Kirchenjahrs. Dabei wies er auf die Vielfalt der Bedeutung von Festen und Feiertagen im nationalen und internationalen Brauchtum hin. Er nahm dabei Bezug auf Begrifflichkeiten und Werte wie das Schöne und Gute, damit verbunden aber auch das Teuflische und Dämonische. Letzteres sei vor allem im alpenländischen Raum und in Südtirol besonders ausgeprägt gewesen.
Das Referat des Experten überspannte neben Ostern und Weihnachten als wichtigste Feste im Kirchenjahr auch andere Bräuche. Nach dem Vortrag wurde der Professor, der an der Freiburger Uni lehrt, begeistert beklatscht.
Anschließend wurde im Raum nebenan die Sonderausstellung eröffnet. Die Gäste staunten nicht schlecht, was Mutschler mit einem ganzen "Heer von Mitstreitern" zusammengetragen hatte. Die Exponate der Sonderausstellung − auf mehrere Stellwände verteilt − dokumentierten Sitten und Bräuche sowie die zwölf Monate des Jahreszyklus nicht nur im kirchlichen sondern auch aus dem weltlichen Bereich. Die Schau zeigt auch, dass in früheren Zeiten um Brot und Brezeln gewürfelt wurde. Zur Legende geworden ist auch das "Z’ Liächt go" und das "Cego-Spielen" in den Nachbarhäusern. Über 100 und zum Teil historische Fotos sowie zahlreiche Leihgaben sind in dieser Ausstellung zu sehen. Im Rahmen des Sommerweinfestes am kommenden Wochenende kann die Schau noch einmal besichtigt werden.
Autor: Roland Vitt


