Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

10. Februar 2012

Der Bestattungswald Kaiserstuhl soll im Mai in Betrieb gehen

Premiere für den Landkreis Emmendingen / Endinger Gemeinderat verabschiedet Friedhofssatzung für das 24 Hektar große Waldstück / Eigene Internetseite.

ENDINGEN. Dem Betrieb des ersten Bestattungswaldes im Landkreis Emmendingen steht nichts mehr im Weg. Der Gemeinderat Endingen verabschiedete am Mittwoch in öffentlicher Sitzung einstimmig die dazu notwendige Friedhofssatzung, die zum 1. März in Kraft tritt. In Betrieb gehen soll der Bestattungswald im Mai. Erste Interessenten, die sich einen Baum in dem 24 Hektar großen Waldstück am Summberg zwischen Endingen und Bahlingen als letzte Ruhestätte aussuchen wollen, gibt es laut Bürgermeister Hans-Joachim Schwarz bereits.

Vor knapp einem Jahr hatte der Gemeinderat mit der Aufstellung des Bebauungsplans die Weichen für diese Premiere im Landkreis gestellt. Man reagierte damit auf eine spürbare Nachfrage nach einer solchen Alternative zu herkömmlichen Bestattungsformen. Die nächste derartige Möglichkeit besteht laut Schwarz bislang in Oberried, wo auch schon Menschen vom Kaiserstuhl bestattet worden seien. Das wird künftig auch in Endingen möglich sein. Der Bestattungswald soll im Mai in Betrieb gehen. Die notwendigen Arbeiten für Wegebau im betreffenden Waldstück und für den Parkplatz am Nordrand des Waldes vergab der Gemeinderat am Mittwoch für 90 400 Euro an die Simonswälder Firma Karl Wehrle als günstigste Bieterin. Verarbeitet wird dabei Bauschuttmaterial, das auf der nahegelegenen Bauschuttdeponie lagert. Dessen Aufbereitung übernimmt die Firma Singler für gut 24 300 Euro. Beim Parkplatz entsteht auch eine Toilettenanlage. Die genaue Gestaltung des im Wald geplanten Andachtsplatzes muss noch geklärt werden. Verschiedene Entwürfe von Künstlern liegen laut Bürgermeister inzwischen vor.

Werbung


Das Waldstück am Summberg wird trotz seiner neuen Funktion seinen Charakter nicht allzu sehr verändern. Es bleibe Wald im Sinne des Landeswaldgesetzes, betonte Forstdirektor Jürgen Schmidt vom Kreisforstamt Emmendingen.

Gemeinschafts- und Familienruhestätten

Der Bestattungswald werde nicht eingezäunt und dürfe allgemein betreten werden. Jagd finde dort natürlich nicht mehr statt, aber forstwirtschaftlich werde das Waldstück auch künftig bewirtschaftet. Die Holznutzung beschränkt sich dabei aber auf diejenigen Bäume, unter denen keine Bestattungen erfolgen.

Rund 60 Bäume pro Hektar sollen für Bestattungen genutzt werden. Pro Baum sind maximal zwölf Grabplätze möglich – ausschließlich für Urnenbestattungen und ohne Grabschmuck. Die Bäume werden in drei verschiedene Kategorien und entsprechende Preisklassen eingeteilt – je nach Baumwuchs, Alter und Lage.

Die Stadt Endingen geht aufgrund bisheriger Erfahrungen davon aus, dass rund 20 Prozent der Bäume als Gemeinschaftsruhestätten genutzt werden, unter denen einzelne Grabplätze belegt werden können. Bei 80 Prozent der Bäume gehe man von einer Nutzung als Familienruhestätte aus. Die Kosten dafür liegen zwischen 5000 und 9000 Euro. Wer seinen Baum selbst pflanzen und wachsen sehen will, bezahlt 10 000 Euro. Das Nutzungsrecht wird grundsätzlich auf 50 Jahre verkauft. Einzelplätze kosten aufgrund des zusätzlichen Verwaltungsaufwands je nach Kategorie zwischen 550 und 990 Euro. Für die Beisetzung inklusive Grabauswahl, Herstellen des Grabes und Begleitung der Bestattung erhebt die Stadt eine Gebühr von 270 Euro. Markiert werden können die Grabplätze mit einem in den Boden eingelassenen Gedenkstein, der 150 bis 200 Euro kostet. Doch egal, ob mit Gedenkstein oder anonym – die Stadt wisse immer ganz genau, wer wo bestattet ist, so Schwarz.

Informieren können sich Interessenten auch im Internet. Die eigens für den Bestattungswald entworfene Homepage wurde in der Sitzung vorgestellt.

Detaillierte Informationen rund um den neuen Bestattungswald in Endingen gibt es unter http://www.bestattungswald-kaiserstuhl.de

Autor: Martin Wendel