Bürgermeisterwahl in Endingen

Diplom-Physiker Andreas Schmidt will Bürgermeister in Endingen werden

Martin Wendel

Von Martin Wendel

Do, 13. September 2018

Endingen

Ein Jurist und ein Physiker treten zur Bürgermeisterwahl am 11. November in Endingen an. Am Mittwoch gab Andreas Schmidt (31), Wissenschaftler und Doktorand an der Universität Freiburg, seine Bewerbung im Endinger Rathaus ab. Bereits Mitte Juli war Felix Fischer (27), Jurist aus Teningen, ins Rennen gegangen. Die Bewerbungsfrist läuft noch bis 15. Oktober.

ENDINGEN. Jetzt gibt es zwei Bewerber um die Nachfolge von Bürgermeister Hans-Joachim Schwarz bei der Wahl am 11. November. Andreas Schmidt (31), Diplom-Physiker, Wissenschaftler und Doktorand an der Universität Freiburg, gab am Mittwochvormittag seine Bewerbung im Rathaus ab. Bereits Mitte Juli war der Jurist Felix Fischer (27) ins Rennen gegangen. Die Bewerbungsfrist läuft noch bis 15. Oktober.

Der Lebenslauf des gebürtigen Freiburgers Andreas Schmidt spricht auf den ersten Blick eigentlich für eine Karriere in der Wissenschaft: Schmidt hat seit seiner Diplomprüfung 2014 an der Universität Freiburg gleich mehrere Preise gewonnen. 2017 erhielt er mit anderen eine internationale Auszeichnung für eine neue Methode zur vereinfachten Herstellung hochsensibler Kontrastmittel für die Krebsdiagnostik. Er ist als Physiker und Wissenschaftler in der Medizin-Physik an der Universität Freiburg tätig und beschäftigt sich mit neuen Methoden und Verfahren für bessere Bildgebung. Außerdem ist er als Wissenschaftsjournalist aktiv und engagiert sich für die Kulturförderung. Er ist Präsident des Vereins "Queen-Auguste-Victoria-Park, Europäisches Werk für Kultur, Kunst und Natur".

"Wenn ich als Wissenschaftler Karriere machen und Professor werden wollte, müsste ich noch jahrelang in der Welt herumreisen und würde mein Leben fern von meiner Kaiserstühler Heimat verleben", sagt Schmidt, der in Bötzingen aufgewachsen ist, auf die Frage, warum ein erfolgreicher Wissenschaftler in die Kommunalpolitik wolle. Als Bürgermeister könne er dort leben und arbeiten, wo seine Familie sei. In Endingen wolle er mit seiner Partnerin eine Familie gründen. "Endingen ist eine sehr kulturelle Stadt", sagt Schmidt: "Ich will aus Endingen die schönste Kulturstadt im Breisgau machen."

Ein Bürgermeister sollte ein vielseitiger Generalist, ausgebildeter Analytiker und Denker sein, findet Andreas Schmidt. Verwaltungsfachleute gebe es auf Stadt- und Kreisebene genug. Gefragt seien Urteilsvermögen, Willenskraft, Mediation, Kompromissfähigkeit und gesunder Menschenverstand. Und erfolgreiche Quereinsteiger gebe es nicht nur in der großen Politik genug; auch viele erfolgreiche Bürgermeister oder Oberbürgermeister seien keine gelernten Verwalter. Doch auch kommunale Verwaltung sei ihm nicht fremd, betont der 31-Jährige. Sein Vater war fast 50 Jahre in der öffentlichen Verwaltung tätig und leitete zuletzt das Bürgeramt der Stadt Freiburg.

Die Entscheidung, bei der Bürgermeisterwahl in Endingen anzutreten, traf Andreas Schmidt nach eigener Aussage nach zahlreichen Gesprächen mit verschiedenen Alters- und Berufsgruppen. "Ich meine nun zu verstehen, worauf es in den kommenden Jahren ankommt", betont er. Außerdem suchte Schmidt das Gespräch mit den kommunalpolitischen Akteuren in der Stadt. Dabei habe er den Eindruck gewonnen, dass manche sich schon ihren Kandidaten ausgesucht haben. Er gehöre keiner politischen Partei an, trete bewusst unabhängig von Wahlempfehlungen an, um Interessenskonflikte zu vermeiden, und vertraue auf "die souveränen Wählerinnen und Wähler und darauf, dass sie frei entscheiden, welcher Kandidat am besten zu ihnen, zu Endingen und den Winzerdörfern passt". Er wolle kein Bürgermeister einer politischen Partei sein, sondern "der Anwalt der gerechten Interessen der Stadt und aller ihrer Bürger". Und er wolle mehr direkte Demokratie, betont Schmidt, zum Beispiel durch mehr Bürgerbefragungen.

Helmut Schmidt als politisches Vorbild

Sein politisches Vorbild sei der frühere Bundeskanzler Helmut Schmidt – wegen seines Weitblicks, seiner Bescheidenheit und Aufrichtigkeit und seiner sachlichen Amtsführung. Helmut Schmidt habe die Vernunft für das Gemeinwohl der Bürger und die Gerechtigkeit im Staat stets über die Parteien gestellt und hätte in jeder demokratischen deutschen Partei Bundeskanzler sein können.

Ein detailliertes Wahlprogramm will Andreas Schmidt nach Ende der Bewerbungsfrist vorstellen. Eckpunkte und wichtige Themen finden sich aber schon auf seiner Internetseite, etwa eine Modernisierung und Reform der Stadtverwaltung sowie eine strenge Bau- und Finanzkontrolle, insbesondere mit Blick auf die finanziellen Risiken beim voraussichtlich 25 Millionen Euro teuren Schulneubau. Zudem plädiert Schmidt für "qualifizierte Gewerbeansiedelung".

Infos zu den bisherigen Bewerbern gibt es auch unter http://www.fürendingen.de und http://www.schmidt-endingen.de