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17. Januar 2012 13:13 Uhr
Kaiserstuhl
Eisweinlese: Krimi zum Ende des langen Herbstes
Väterchen Frost hat doch noch zugeschlagen: Milde Temperaturen spannten die Winzer in der Region lange auf die Folter. Die Eisweinlese stand auf der Kippe – dann die erlösende Nachricht am Kaiserstuhl: minus acht Grad.
Seit Sonntagabend standen die Winzer in den Startlöchern. Am Dienstagmorgen hat es endlich geklappt: In neun Parzellen auf den Gemarkungen Kiechlinsbergen und Königschaffhausen konnte Eiswein gelesen werden. "So einen langen Herbst haben wir noch nie erlebt", schmunzelt Sebastian Hassler, als er die Traubenbottiche morgens kurz nach sieben Uhr auf dem Gewann Gausberg in Königschaffhausen ablädt. "Am 31. August 2011 hat er so früh wie selten begonnen und heute am 17. Januar 2012 werden wir fertig."
"Es war ein Krimi", berichtet Markus Meier. "Ich glaube, wenn es heute nicht geklappt hätte, hätten die Winzer ganz die Nerven verloren", ist der Qualitätsmanager der Winzergenossenschaft überzeugt. Während der stürmischen Tage im Dezember sei es selbst ihm manchmal mulmig geworden beim Gedanken an die Trauben, die draußen dem Wind und Regen ausgesetzt waren. Immer wieder habe man die Trauben der Sorten Ruländer, Gewürztraminer und Spätburgunder kontrolliert und sich vergewissert, dass man das Hängenlassen noch verantworten könne.
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"Wir ziehen das jetzt durch", hatte das Gremium der Winzergenossenschaft vor einigen Tagen entschieden – mit dem unbehaglichen Gefühl, mittlerweile ein ziemlich einsamer Kämpfer um Eiswein in der badischen Weinlandschaft zu sein. Am Dienstag hatte das Warten ein Ende: Harald Henninger konnte um 5 Uhr die notwendigen acht Grad Minus messen und das Signal "zum Aufbruch" geben. "Wir waren gerichtet", versichert Jürgen Jenne, auf dessen Parzelle 25 vermummte Helferinnen und Helfer die eisig-braunen Gewürztraminertrauben in die Eimer schneiden. "Die Leute kriegen wir immer zusammen," erzählt seine Ehefrau Beatrix auf Nachfrage. Am erfolgversprechendsten sei es, so verrät sie, in geselliger Runde vom Eisweinherbsten zu erzählen. Im Nu habe man da eine Truppe zusammen.
Es herrscht ein Lachen und Schwätzen unter den flink agierenden "Herbstern", die alle um die Ehre ihrer Tätigkeit wissen. "Ich habe wieder mal kaum geschlafen vor Anspannung", gesteht Klara Blakowski. "Es ist immer etwas ganz Besonderes, beim Eisweinlesen dabei zu sein." Unter den vermummten Gestalten zückt auch Königliche Hoheit Natalie Henninger flink ihre Rebschere. "Wir sind eine Seltenheit", erklärt sie mit ihrem unwiderstehlichen Lächeln. "Viele andere haben wegen des milden Winters aufgegeben."
Glücksgefühle löst diese Lese auch aus anderen Gründen bei den Genossen aus: Der Eiswein 2012 fällt in das 50. Jubiläumsjahr des Eisweines in Königschaffhausen. Als eine der Ersten hat sich die Winzergenossenschaft im Jahr 1962 mit Kellermeister Helmut Staiblin an Eiswein gewagt. Unter der Kundschaft sind inzwischen viele Liebhaber dieser Spezialität.
Ein Novum ist zu guter Letzt, dass die gesamten Eisweintrauben in der Winzergenossenschaft Kiechlinsbergen angenommen und verarbeitet wurden. Und so ist die Eisweinlese 2012 für viele Genossen ein Signal. "Wir sind zusammen und machen es zusammen", findet Sonja Wachtmeister die passenden Worte.
In den Rebterassen warten bereits einige Winzer. Es pressiert. Das Lesegut muss gut gefroren in die Kelter. Als endlich das Mostgewicht bekannt ist, macht es schnell die Runde: Stolze 200 Grad Öchsle sind die Belohnung für das Warten und Bangen. Es ist die schönste Nachricht für die Winzer, die nach getaner Arbeit noch bei wärmenden Suppen und einem Glas Roten zusammensitzen.
- Rückblick: Badens Winzer bangen um den Eiswein
Autor: Christel Hülter-Hassler
