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13. Oktober 2009

Furioses Finale in der Lederfabrik

"Big Band Music Corporation" begeistert zum Saisonabschluss in Endingen mit sattem Sound, aber auch leisen Tönen

  1. Die „Big Band Music Corporation“ begeisterte beim Saisonabschluss der Lederfabrik am Samstagabend. Foto: David Seitz

ENDINGEN. Einen echten Leckerbissen für Big Band Fans präsentierte die Endinger Lederfabrik mit der "Big Band Music Corporation" zu ihrem Saisonabschluss 2009 am Samstagabend.

"Satt muss eine gute Big Band klingen", hatte der musikalische Leiter Erich Calderara im BZ-Interview gesagt. Die Zuschauer in der nicht ganz voll besetzten Lederfabrik erwartete aber nicht nur satter Sound, sondern eine Reise durch die verschiedenen Facetten der Big Band Musik – von Count Basie bis Frank Sinatra.

Herbie Hancocks "Watermelon Man" macht den Auftakt zu zwei Stunden Big Band pur und schnell ist klar, was man unter dem angekündigten satten Sound zu verstehen hat: Mitreißende Bläser, gestützt von einem wabernden Bass und einem treibenden Schlagzeug, heizen dem Publikum ein. Dass es eine gute Big Band nicht nur laut krachen lassen kann, sondern auch durch sanft vorgetragene Balladen brillieren kann, zeigt sich in der "Moonlight Serenade" von Glenn Miller. Unaufgeregt und unaufdringlich, mit einem Hauch Melancholie versetzt die Big Band ihre Zuschauer in vom Mond spärlich beleuchtete Großstadtgassen – angeführt von Walter Hügels liebevoll wirbelnder Klarinette. Von dort aus geht’s weiter an Spaniens Küsten. In Sergio Mendes "Mas que nada", was übersetzt so viel wie "was soll das" bedeutet, spielt die Band so beherzt auf, wie der Titel es schon andeutet. Knackiger Big Band Sound trifft auf heiße spanische Rhythmen, verliert aber nie die südliche Leichtigkeit, die das Original auszeichnet. Mit einem beherzten "Tequila" verabschieden sich die Musiker der Big Band in die Pause.

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Nach der Pause steigen die begeisterten Zuhörer wieder ein in den Zug quer durch die Weiten der Swing und Big Band Landschaft: "Take the A-Train", die Erkennungsmelodie von Duke Ellington aus den 40er Jahren, begrüßt fröhlich beschwingt auf der Fahrt Richtung Tunesien. Exotisch muten die gedämpften Blechbläserklänge in "A night in Tunesia" an. In den 50er Jahren noch als fremdartig empfunden, fügt es sich heute ganz wunderbar in das Programm der Big Band ein.

Immer wieder wird die Musikalität und das Können der Bläsersätze und der Musiker sichtbar. Vor allem Uwe Drescher am Tenorsaxophon beeindruckt. Mal druckvoll dominant, mal samtig weich wie im "Night Train" verleiht er vielen Stücken eine ganz besondere Note. "Ich brauch’ ihn eigentlich nicht mehr anzusagen, Ihr kennt ihn ja schon", schmunzelt Moderator Charlie Isele. Aber auch Rainer Borchert und Markus Fehrenbacher an den Trompeten begeistern ein ums andere Mal mit präzise gespielten Soli.

Nach Big-Band-Krachern wie Peres Prados "Mambo Nr. 5" oder dem "Hay Burner" von Count Basie und Sammy Nestico zeigt die Big Band noch einmal ihre gefühlvolle Seite bei der "Sentimental Journey", bevor der Big Band Zug lautstark New York erreicht: "New York, New York" klingt so authentisch, dass einen das Gefühl nicht los lässt, Frank Sinatra müsste jeden Moment auf die Bühne schweben. Die Musikerinnen und Musiker laufen noch einmal zur Höchstform auf. Beim letzten Stück des Abends klatschen dann alle mit, Füße und Köpfe wippen im Takt, die Big Band zeigt mit Glenn Millers "In the Mood" noch einmal all ihre Facetten. Besonders die dynamische Bandbreite zwischen behutsamem Piano und krachendem Forte macht den Auftritt zu einem außergewöhnlichen Erlebnis. Der anschließende Applaus lässt die wenigen leeren Stühle vergessen und beschert den Zuhörern noch eine Zugabe, bevor die Lederfabrik für dieses Jahr ihre Pforten schließt – nach einem mehr als würdigen Abschlusskonzert.

Autor: David Seitz