Großes Endinger Geschenkpaket für Auggen

Matthias Kaufhold

Von Matthias Kaufhold

Mo, 10. September 2018

Verbandsliga Südbaden

Haarsträubende Abwehrfehler des SVE erleichtern Fußballern aus dem Markgräflerland den 4:1-Erfolg / FCA rückt auf dritten Tabellenplatz der Verbandsliga vor.

FUSSBALL. Verbandsliga: SV Endingen – FC Auggen 1:4 (0:1). In den allermeisten Fällen korrespondiert der Grad der Zufriedenheit eines Fußballers mit dem Spielergebnis. Im Kräftemessen zwischen dem SV Endingen und dem FC Auggen deuteten die Einschätzungen der Beteiligten freilich darauf hin, die Gastgeber hätten den Breisgau-Vergleich im Erle mit 4:1 gewonnen und nicht umgekehrt. Was zwei Dinge deutlich macht: In Endingen versuchen sie gerade den entstandenen Schaden nach sechs Spieltagen verbal einzugrenzen. In Auggen wollen sie sich vom Sprung auf den dritten Tabellenplatz keinen Sand in die Augen streuen lassen.

Jonas Pies lehnte mit seinen tätowierten Unterarmen entspannt auf einer der Eckfahnen, die er nach dem Spiel vom Rasen trug. Seine Mannschaft habe "ein echt gutes Spiel gemacht", sagte der Kapitän des SV Endingen. Das Ergebnis sei natürlich nicht so prickelnd. "Engagement und Einsatz haben aber gestimmt", resümierte Pies. So spricht einer, dem es in dieser Saison schon viel schlimmer ergangen ist (0:6 gegen den FC Denzlingen, 0:4 gegen den Offenburger FV). Und der die Hoffnung nicht aufgibt, mit seiner Mannschaft bald die Talsohle zu verlassen.

Zweckoptimismus. Was die Abwehr der Kaiserstühler in den ersten 20 Minuten der beiden Halbzeiten veranstaltete, lässt sich nur als großes Geschenkpaket für den FC Auggen beschreiben. Haarsträubende Abspielfehler luden die Gäste zum Toreschießen ein. Dafür brauchten die Auggener nicht mal intensiv zu pressen. Die Murmel kullerte ihnen irgendwann unweigerlich vor die Füße.

Bei der Auggener Führung unterlief erst Michael Junker im Mittelfeld ein Fehlpass, dann grätschte Marcel Klüber beim Abwehrversuch daneben. Der Auggener Matthias Dold vernaschte genüsslich Keeper Joshua Schilz – 1:0 (17.). Beim 2:0 (49.) konnte Bastian Bischoff nicht nein sagen, als ihm Noel Hüglin den Ball im Endinger Strafraum in den Fuß spielte – einer der vielen Endinger Aussetzer im Spielaufbau. "Wir wollen es zu oft spielerisch lösen und sind uns zu schade, den Ball einfach auch mal wegzuhauen", umschrieb Pies das Problem.

Erschwerend kommt für den SVE die fehlende Durchschlagskraft im Angriff hinzu. "Nach dem Abgang von Jan Torres fehlt uns ein klassischer Neuner und damit die Abgezocktheit im Abschluss", hat Pies erkannt. Zwar probierten es Pies, Stipe Malenica und Adriano Spoth öfter mal mit Schüssen außerhalb des Strafraums, der aufmerksame Elias Kiefl im Auggener Kasten musste aber erst in der Nachspielzeit hinter sich greifen, als der eingewechselte Johannes Göring passgenau im Strafraum angespielt wurde.

Das 1:4 korrigierte lediglich kosmetisch den Spielausgang. Die Sache war bereits mit dem formvollendeten Flugkopfball von Bischoff zum 3:0 (61.) nach präziser Flanke von Ebrima Sowe Musu Jaiteh entschieden. Der abgezockte Bischoff war auch beim vierten Auggener Treffer beteiligt, als er völlig unnötig von einem übermotivierten Leandro Einecker an der Strafraumkante angegangen wurde. Schiedsrichter Stefan Mera-Linz zeigte auf den Punkt, dann wurde es kurios: Idrissa Khan scheiterte zunächst mit seinem Strafstoß an Schilz, doch der junge Referee hielt dem Endinger Torhüter die Gelbe Karte hin und ließ den Elfmeter wiederholen. Schilz habe sich bei der Abwehr zu früh von der Torlinie nach vorne bewegt und sei für diese Unsportlichkeit verwarnt worden, klärte Mera-Linz hinterher auf. Khan bedankte sich für den zweiten Versuch und schob diesmal ins andere Eck ein (71.).

Trotz vier Toren und des vierten Dreiers in Serie blieb die Mimik von Trainer Marco Schneider nach Spielschluss angespannt. Der neue Coach der Markgräfler zählte auf, was ihm alles missfallen hatte: Nach dem 1:0 habe es einen kompletten Bruch im Spiel seiner Mannschaft gegeben. Man habe um den Ausgleich gebettelt, der aber zum Glück nicht gefallen sei. "Mit unserer Spielart bin ich nicht zufrieden", monierte Schneider. "Das Anlaufverhalten war nicht gut, das Spiel mit Ball war nicht gut." Außerdem hätten über weite Strecken die Abstände im Defensivverhalten nicht gepasst.

Immerhin, so Schneider, sei die ganze Mannschaft willig und lernbereit. Junge Kräfte wie der A-Jugendliche Jonathan Ehret saugten alles auf. Der reaktivierte Haudegen Andreas Hein (36) "bringt Stabilität und Mentalität mit", so Schneider, der sich nun auf das Derby am kommenden Samstag, 17.30 Uhr, im Lettenpark freut. Der FV Lörrach-Brombach kommt – mit Schneiders Vorgänger Enzo Minardi.

Schwere Zeiten brechen hingegen für den SV Endingen an. Als einige Kollegen bei der Teamvorstellung vor der Saison forsch die Plätze eins bis vier als Zielmarke ausgaben, musste Kapitän Pies bereits verbal zurückrudern Nun steht für den Mittelfeldspieler fest: "Für mich geht’s dieses Jahr definitiv gegen den Abstieg." Trainer Benjamin Pfahler, der am Montag aus dem Urlaub zurückkehrt und von Hans Sexauer vertreten wurde, erwartet beim Tabellen-14. ein Berg an Arbeit.

Endingen: Schilz; Einecker, Klüber, Oueslati, Hüglin (56. Weik); Osmanovic, Pies, Junker (59. Retzbach), Spoth (75. Risch); Malenica, Metzinger (56. Göring). Auggen: Kiefl; Hein, Strazinski (81. Wettengel), Reinecker, Saur; Ehret (60. Mayer), Khan (83. Held); Musu Jaiteh, Imgraben, Dold (46. Anlicker); Bischoff. Tore: 0:1 Dold (17.), 0:2, 0:3 beide Bischoff (49., 61.), 0:4 Khan (71./ FE)., 1:4 Göring (92.). Schiedsrichter: Mera-Linz (Schopfheim). Zuschauer: 240.