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17. Februar 2011

Märchenhafte Blasmusik

Musikverein Kiechlinsbergen erzählt beim Jahreskonzert Märchen und Geschichten.

  1. Der Musikverein Kiechlinsbergen unter der Stabführung von Roland Späth beim Jahreskonzert. Foto: Roland Vitt

ENDINGEN-KIECHLINSBERGEN. Mit einer überzeugenden Demonstration von Blasmusik auf hohem Niveau wartete der Musikverein Kiechlinsbergen beim Jahreskonzert am Samstagabend in der Weinberghalle vor vielen Gästen aus der ganzen Region auf. Roland Späth, der erstmals bei einem Jahreskonzert den Dirigentenstab führte, feierte dabei einen gelungenen Einstand.

"Musik erzählt Märchen und Geschichten" war Thema des Konzerts. Für den Einstieg in die Märchenwelt sorgte das gemeinsame Jugendorchester aus Amoltern, Königschaffhausen und Kiechlinsbergen unter der Stabführung von Walter Mutschler. Im zweiten Teil erzählte das Kiechlinsberger Gesamtorchester musikalisch Märchen und Geschichten, die in andere Zeiten führten. Zu einer guten Geschichte gehört neben einem spannenden Inhalt aber auch eine gute Märchenerzählerin, und mit Katja Wössner, die seit 19 Jahren den Musikverein Riegel leitet, hatten die Veranstalter eine überzeugende Märchenerzählerin gefunden.

Das 30-köpfige Bläserjugendensemble erklang technisch schon sehr anspruchsvoll, einige schnupperten zum ersten Mal Orchesterluft. Die Jungmusiker starteten mit dem jugendlich-fröhlichen Werk "Fiesta" des österreichischen Komponisten Fritz Neuböck. "Gershwin Portrait" hieß das zweite Musikstück, ein Medley von Luigi di Ghisallo aus drei Melodien von George Gershwin. Der Titel des dritten Werkes hieß "Toro Piscine". Alle Nachwuchsmusiker erhielten einen Riesenapplaus und durften ohne Zugabe nicht von der Bühne gehen. Bei den Jungmusikern führten Jasmin Bauer und Miriam Fischer durch das Programm. Dirigent Walter Mutschler und Vorsitzender Thomas Späth übergaben einigen Jungmusikern das Leistungsabzeichen. Silber erhielten die Flötistin Rebecca Bieber und Saxofonist Tobias Späth, Bronze ging an die Klarinettisten Jana Vogel, Luisa Vogel und Anna Dräger sowie an die Hornspieler Leonie Jansen und David Rinderle.

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Nun war das rund 50-köpfige Hauptorchester an der Reihe und was jetzt kam, war einfach "märchenhaft". Annette Greve, Direktorin der Deutschen Kammerschauspiele hatte den Kiechlinsberger Musikern die Märchenkulisse kostenlos zur Verfügung gestellt und die Tontechnik übernommen. Dirigent Roland Späth wagte sich mit seinem Orchester gleich einmal auf Neuland. Alle sieben aufgeführten Werke ohne die Zugaben waren Neueinstudierungen.

Stockdunkel war’s in der Weinberghalle, als Märchenfee Katja Wössner sich den Weg durchs Publikum zum Märchenhaus bahnte und das Rad der Zeit ins 16. Jahrhundert zurückdrehte, wo Hexenverfolgung und Hexenverbrennung eine schreckliche Zeit für die Zwillinge Sibylla und Helena waren, die im Auftaktstück "The Witch and the Saint" eine dominierende Rolle spielten. Das Blasorchester verstand es vortrefflich, Steven Reinekes Werk, in der langsam wieder erleuchteten Halle in dramatischen und choralartigen Szenen zu dokumentieren. Es folgte "The King’s March", das Soren Hylgaard 2003 für den Zeichentrickfilm Till Eulenspiegel komponierte.

"Was hat ein altes Märchen der Gebrüder Grimm mit moderner Blasmusik zu tun?", mag sich mancher Zuhörer gefragt haben, als er im Konzertprogramm den Titel "Rapunzel" las. Einiges, bewies der Musikverein mit der Komposition von Bert Appermont. Höchste Konzentration war bei dem vierteiligen Werk und seinen kontrastreichen Passagen mit ausdrucksvoller Dynamik in allen Registern gefordert. Eine Herausforderung, die Dirigent und Orchester mit Bravur meisterten.

Noch vier Titel – "Simply the Best", "As the Moon whispers", "The Bridge on the River Kwai" und "Mackie Messer" aus der "Dreigroschenoper" – folgten, doch ohne Zugabe ließ das begeisterte Publikum auch die "Großen" nicht von der Bühne.

Autor: Roland Vitt