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09. Juli 2012 16:14 Uhr

Blasmusik-Open-Air in Endingen

Musikgenuss unter freiem Himmel

Ein niveau- und stimmungsvolles Open Air Konzert bot die Stadtmusik Endingen am Samstagabend auf dem neugestalteten südlichen Marktplatz. Zu Gast war die Miliz- und Trachtenkapelle Oberharmersbach unter Leitung von Bundesmusikdirektor Siegfried Rappenecker.

  1. Der südliche Marktplatz war erstmals seit seiner Neugestaltung Schauplatz eines Konzerts. Foto: Ilona Huege

  2. Hunderte von Zuhörern genossen die Musik beider Orchester unter freiem Himmel. Foto: Ilona Huege

  3. Die Stadtmusik Endingen beeindruckte mit ungewöhnlichen Arrangements und mitreißendem Spiel. Foto: Ilona Huege

  4. Das natürliche Gefälle des Marktplatzes bot allen Konzertbesuchern gute Sicht zur Bühne. Foto: Ilona Huege

  5. Stadtmusikdirektor Martin Baumgartner hatte mit seinem Orchester ein vielseitiges Programm einstudiert. Foto: Ilona Huege

  6. Mit äußerst präzisem Spiel beeindruckte die Miliz- und trachtenkapelle Oberharmersbach im zweiten Teil des Konzerts. Foto: Ilona Huege

  7. Ein tolles Ambiente bot der südliche Marktplatz mit der Wallfahrtskirche für das Blasmusik Open Air. Foto: Ute Schöler

  8. Musikgenuss im Herzen der Stadt beim Blasmusik Open Air der Stadtmusik Endingen. Foto: Ute Schöler

  9. Ein tolles Ambiente bot der südliche Marktplatz mit der Wallfahrtskirche für das Blasmusik Open Air. Foto: Ute Schöler

Schon die malerische Kulisse um die Wallfahrtskirche St. Martin ist ein Genuss. Musikalisches Können und Wetterglück machten den Abend perfekt - für ein zahlreiches Publikum, das sich auf günstig geneigten Zuschauerrängen auch bester Sicht auf die Bühne erfreute.

Auftakt mit Wiener Festmusik

Geführt von Martin Baumgartner starteten die Gastgeber mit Richard Strauss, einer Festmusik der Stadt Wien. Der "Cortege de Bacchus" aus dem Ballett "Sylvia ou la Nymphe de Diane" von Léo Delibes nahm die Feststimmung auf, bevor die "Saga Candida" von Bert Appermont sich finsteren Zeiten widmete. Thomas Wagner moderierte hierzu einen weiten Exkurs auf die Stadtgeschichte. In humorvoller Anspielung auf moderne Kommunikationstechnik durfte dabei auch das Smartphone ans Mikrofon: Wenn man damit die alten Pflastersteine einscanne, flunkerte Wagner, könne dieses eine direkte Verbindung in die Vergangenheit herstellen. Und tatsächlich – über Lautsprecher erklangen die Martinsglocke mit Hufgetrappel, der erste Narrenumzug der Stadtmusik und knisterndes Feuer, in dem die der Hexerei bezichtigte Anna Schnidenwind 1751 in Endingen einen qualvollen Tod starb.

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Ein intensives Musikerlebnis

In verhaltenem Intro das moderierte Nachdenken aufnehmend, verlangte das der Hexenverfolgung gewidmete Musicalstück vom Publikum einen langen Atem. Der konzentrierte Hörer wurde dafür mit intensivem Erlebnis belohnt: einstimmige Chor- und Sprechpassagen, klangmalerische Stimmungen und wirkungsvolle Tempowechsel – eine wirklich starke Musik.

Eingeleitet von herrlich authentischem Englisch holte danach "Hounds of Spring" von Alfred Reed munter bis verträumt ins goldene Abendlicht zurück, bevor "Space Truckin" – ein von Thomas Wagner und Martin Baumgartner arrangierter Deep Purple Hit – sich augenzwinkernd an "Ex-Langhaarige" richtete. Hier durfte in tollem Drive und großer Spielfreude auch mal ein Megaphon das Posaunenmundstück oder die Tuba verfremden. Zahlreiche Soli bekamen vom begeisterten Publikum speziellen Applaus. Mit "einer Lebenskraft und Wildheit, wie es auch Deep Purple nicht besser macht" (Thomas Wagner), rundete das temperamentvolle "Bessarabyanke" aus dem heutigen Moldawien den ersten Programmteil ab.

Mit Trachtenhut und Federquaste

Die hoch ausgezeichnete Miliz- und Trachtenkapelle Oberharmersbach bot zunächst einen exotischen Aufmarsch, unter Trachtenhüten mit schwarzweißroten hohen Federquasten. Dirigent Siegfried Rappenecker, seit Oktober 2010 "Bundesmusikdirektor" im Bund Deutscher Blasmusikverbände, ist auch als Leiter der Stadtmusik Elzach bekannt. Musikalisch entführten die rund 80 Musiker zunächst auf einen Spaziergang mit der verliebten "Marinarella" auf einer Meerespromenade. Nach zackigem Intro setzt diese Komposition von Julius Fucik auf emotionale Wechsel zwischen verträumtem Schlendern, tänzerischen Wendungen und Momenten plötzlichen Überschwangs – musikalische Facetten, die die Schwarzwälder ebenso fein ausführten wie den sinfonischen breit angelegten Orchestersound von "König der Löwen". Das Stück "Dutch Master Suite", zu der sich Johan de Meij von Rembrandts "Nachtwache" und Jan Steens Bild "Prinzentag" hatte inspirieren lassen, bildete mit armenischen Tänzen den Abschluss des Programms. Begeisterter Applaus war der Lohn für diesen Gastauftritt.

Das Konzert beider Orchester wird am Samstag, 21. Juli, um 20 Uhr in Oberharmersbach wiederholt.

Autor: Ute Schöler


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