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08. August 2010 16:27 Uhr

Internationale Kunsttage

Premiere mit einer erfreulichen Resonanz

80 Aussteller auf der Künstlermesse, 50 auf dem Markt für Kunsthandwerker. Bei den "Internationalen Kunsttagen" in Endingen gab es Kunst in allen Variationen, Formen und Farben.

  1. Blättern im Katalog: Zwei Messebesucher in Endingen Foto: Patrik Müller

ENDINGEN. Das Gros der Teilnehmer kam aus Frankreich und Deutschland, andere hatten eine weitere Anreise – und kamen aus Polen und Italien, aus Russland oder Chile an. Das Experiment war erfolgreich: Laut Veranstalter kamen sogar mehr als die erwarteten 2000 Besucher – trotz eines heftigen Regenschauers am Sonntag.

Milu ist zufrieden: Nach wenigen Stunden hat die Endinger Künstlerin das erste Bild verkauft. Eins von Dreien. Die 47-jährige Endingerin, die eigentlich Michaela Lucia Dassow heißt, strahlt. "Es ist genau das passiert, was ich mir gewünscht habe", schwärmt sie. "Jemand ist gekommen und hat gesagt: Das will ich haben."

Milu ist eine von insgesamt 80 Künstlern, die sich am Wochenende in der Endinger Stadthalle präsentierten. Die Regeln sind für alle gleich: Die Maler, Zeichner und Fotografen haben eine drei Meter lange Stellwand. Die Bildhauer eine Fläche von sieben Quadratmetern. Wie die gestaltet wird, ist den Künstlern überlassen: Einige stellen nur drei Werke aus. Andere kleistern ihre Stellwand voll – bis kaum noch weiße Fläche zu sehen ist.

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"Das Niveau ist hoch", sagt Christopher Lampart. Der Kiechlinsbergener ist der zweite Lokalmatador der Ausstellung und stellt Holzskulpturen aus – einen lesenden Knaben zum Beispiel. Und war schon am Samstagmittag zufrieden. "Es ist richtig viel los", sagt er. Zufrieden zeigt sich auch Willy Kern, der Organisator des Kunstspektakels. Und war voll des Lobes für Endingen: "Es ist wunderschön, hier zu sein", sagte er bei der Preisverleihung.

"Wir lieben das Leben, den Wein und die Kunst", sekundierte Bürgermeisterstellvertreterin Heide Thoma. "Es kann also keine besseren Voraussetzungen geben für so ein Kunstereignis." Eine vierköpfige Jury zeichnete am Samstag zwölf Künstler in verschiedenen Kategorien aus, am Sonntag vergaben die Messebesucher einen Publikumspreis (die BZ berichtet noch).

Der Markt für Kunsthandwerker erstreckt sich vom Marktplatz bis zur Wallfahrtskirche. Hier präsentieren sich 50 Aussteller. Die schnitzen Masken, stellen Figuren aus Seife her und restaurieren alte Bücher. Sie präsentieren Seidenmalereien, Edelsteinschmuck und Blumengebinde. Einer der heimlichen Stars ist Adalbert Emser. Er kommt vom Bodensee und war schon als Kind von Buddelschiffen fasziniert, heute packt er Boote in Glühbirnen. "Man braucht handwerkliches Geschick und äußerste Konzentration, um ein Schiff in einer Glühbirne zusammenzubauen", sagt er, "das kommt fast einer Meditation gleich", sagt er. Der Aufwand ist unterschiedlich: Emser hat filigran gearbeitete Dreimaster im Angebot, aber auch einfacher gemachte Nussschalen mit einem einzigen Segel – auf dem ist dafür das Endinger Stadtwappen zu sehen.

Die Aussteller kommen aus ganz Deutschland. "Die sind handverlesen", sagt Angelika Kaul. Die Breisacherin ist Organisatorin des Künstlermarktes. Sie und ihr Ehemann Michael Müller haben seit Monaten recherchiert, wer sich alles im Bereich Kunsthandwerk tummelt. "Wir wollten uns von dem abheben, was man jedes Wochenende sieht", sagt Müller. Sonntagmittag gab es dann eine kurze Schrecksekunde für ihn und seine Kunsthandwerker-Kollegen: Es regnete, und zwar richtig. Dafür nicht lange.

Das vorläufige Fazit von Organisator Willy Kern fällt positiv aus. "Ich bin glücklich", sagt er. "Über alle Tage waren mehr als 2000 Besucher da. Es waren aber auch keine 3000 – dann wäre die Halle nämlich viel zu voll gewesen." Kern hat die Ausstellung gemeinsam mit der Stadt und dem Kaiserstühler Verkehrsbüro organisiert, gemeinsam mit einigen Kunstkennern aus seinem Bekanntenkreis hat der Weisweiler auch die Künstler ausgewählt. "Der gute Zuspruch", sagt Kern, "ist eine Überraschung für uns alle."

Auch das Fazit der Kunsthandwerker fällt überwiegend positiv aus. Zwar kam nicht jeder auf seine erhofften Verkaufszahlen, aber viele nutzen solche Märkte ohnehin eher zur Kontaktpflege. "Hier trifft man Sammler und Liebhaber", sagt Bernhard Gabert. Der Schwabe hat sich aufs Restaurieren von alten Büchern spezialisiert – nichts, was man mal eben spontan machen lässt. Und auch Adalbert Emser, der Mann mit den Glühbirnenschiffen, hat das Hoffen auf lukrative Laufkundschaft schon aufgegeben, zumindest bei seinen aufwendigen Modellen. "Ich rechne nicht damit, dass jemand mal eben ein großes Schiff mitnimmt. Aber er sieht es – und erinnert sich daran, wenn er ein Geschenk braucht."

Fotos von Künstlermesse und Handwerkermarkt: http://www.badische-zeitung.de

Autor: Patrik Müller