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31. März 2011 15:46 Uhr

Fachtagung

Reger Austausch über militärgeschichtliche Spuren

Teilnehmer und Organisatoren ziehen positives Fazit der Fachtagung "Militärische Schichten der Kulturlandschaft" in Endingen.

  1. Jean Marie Balliet aus Colmar erklärt am Festungsbauwerk in Neuf-Brisach, wo das Werk des französischen Baumeisters Vauban und wo deutsche Militärbauweise zu sehen ist. Foto: Michael Haberer

ENDINGEN. Die Sicht des Anderen kennenlernen, das sei für ihn ein wesentlicher Aspekt der Tagung "Militärische Schichten der Kulturlandschaft" in Endingen gewesen. Dies resümiert Jean-Marie Balliet, Arzt und Militärhistoriker aus Colmar, der zu den rund 90 Teilnehmern gehörte. Eingeladen hatte das Alemannische Institut in Freiburg und diese Einladung galt den Forschern, die sich mit militärischen Anlagen beschäftigen, aber auch den kundigen Laien. Balliet, Fachmann für barocke Fortifikation und vor allem für Neuf-Brisach, fand es bereichernd, auch die Sicht von Archäologen oder Denkmalpflegern kennenzulernen. Dabei seien die Vorträge nur die eine Seite gewesen. Gerade der rege Austausch am Rande habe die lebendige Tagung ausgemacht, so Balliet.

Es sei beeindruckend gewesen, ein paar tausend Jahre Militärgeschichte an sich vorbeiziehen zu lassen, erklärt Werner Konold, Leiter des Instituts für Landespflege in Freiburg. Konold hatte die Tagungsleitung übernommen. Von militärischen Denkmälern bei Berlin bis zu den nach militärischen Gesichtspunkten angelegten Alpenstraßen reichte das Spektrum, von Grabenwerken der Steinzeit bis zu den Hinterlassenschaften der Nationalen Volksarmee in den neuen Bundesländern. Die Arten der Wehrtechnik reichten vom unüberwindlichen Gestrüpp über Festungswälle bis zu neu gestalteten Landschaften auf Truppenübungsplätzen. Während der zwei Tage mit Vorträgen und einer Exkursion nach Neuf-Brisach sei allen klar geworden, wie weit verbreitet und teils unerkannt gegenwärtig die "militärischen Schichten" in der Kulturlandschaft seien, so Konold.

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Auch die militärische Vergangenheit gehöre zur Kulturlandschaft, selbst wenn sie als problematisch empfunden würden, denkt Konold. Da sei es auch aufschlussreich gewesen, zwei Schweizer Forscher unter den Referenten zu haben. Denn weil das Militär des Alpenstaates immer defensiv ausgerichtet gewesen sei, bräuchten die Schweizer anders als die Deutschen nichts ungeschehen machen und könnten ganz unverkrampft mit den Zeugnissen ihrer Militärgeschichte umgehen.

Jedenfalls sollte man die militärischen Hinterlassenschaften kritisch und differenziert sehen, so Konold in seinem Fazit. Dann könne man die Zeugnisse durchaus auch touristisch aufarbeiten, fügt er an. Die Tagung diente einmal dazu, dass sich jene, die auf diesem Feld tätig sind, kennenlernen. Zudem sollen auch ihre Arbeiten zu dem Thema weiter bekannt werden. Deshalb ist laut Konold eine Veröffentlichung der Beiträge, aber auch weiterer Arbeiten zu dem Thema geplant.

Autor: Michael Haberer