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10. Februar 2012

Schmeicheln, lästern, tanzen und verzücken

Begeisternde Endinger Fräuefasnet: Papstbänke zu Rotoren und mit dem Senoka-Team im Sonderzug nach Freiburg.

  1. Papstbänke zu Rotoren: Unterstützt von der Geistlichkeit zeigt PPP die Zukunft. Szene aus dem Programm bei der Endinger Fräuefasnet. Foto: Christel Hülter-Hassler

ENDINGEN. Es ist keine Frage nach gut vier Stunden Programm: In Endingen sprudelt die Inspiration beim "schwachen Geschlecht" aus unerschöpflichen Quellen. Schmeicheln, lästern, tanzen und verzücken – das können die Fasnetsmacherinnen. So war die Fräuefasnet am Mittwoch im Bürgerhaus so richtig wunderbar weiblich.

"Ich mecht so gärn e Wiiprinzessin sii!" jammerte Pia Seidel im knallroten Dirndl beifallheischend einen überdimensionalen Weinrömer schwenkend. "Schaffhüse het e Hoheit, Berge het Eini – do mueß die Näxschd üs Endinge sii", flötete sie mit gespitztem Göschlein. Die Chancen stünden gut, denn: "De Bürgermeischter schwätzt gschwolle, dass mr trinke solle oder wolle..." Und weil Pia einfach unübertrefflich ist, darf sie auf den Brettern auch ein klein wenig Eigenwerbung betreiben.

Unübersehbar war bei der Fräuefasnet der Einfluss aus Amoltern (die erste Sackgasse links). Nach der mitreißenden Choreografie von Helga Onny legten neun Mambo-Tänzerinnen eine Vorstellung aufs Parkett, die schwindlig machte ob ihrer perfekt koordinierten Dynamik. "Eine Premiere", verwiesen die Moderatorinnen Ricarda Bons und Karin Lubnau alias "Blitz & Blank" auf den Sonderstatus der Akteure. "Ei Mann isch für alli daa – so isches halt in Afrikaa", stimmten sie auf den E-Chor ein, der – von Georg Mattes und Helga Onny rhythmisch befeuert – voll Esprit und Farbigkeit war.

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Immer wieder gebiert die Fasnet ein neues Talent. Diesmal überraschte Marianne Wagner mit ihrer umwerfend komischen Art, den Genuss einer Auster detailliert zu schildern. Großartig war auch Priesterkandidat Matthias Huber als "schwäbischer Eulenspiegel" am Klavier mit richtig gutem Kabarett. Man schreibt’s ungern, aber es ist Tatsache: Die entzückendsten Reaktionen rufen bei der Fräuefasnet die Beiträge des vorwiegend männlich besetzten "Senoka-Teams" hervor. Sie sind halt begnadet als Sänger, Schauspieler und Animateure. Das Revoluzzerische ihrer diesjährigen Darbietungen machte sie noch sympathischer. So thematisierten sie den Papstbesuch frei nach Udo Lindenberg richtig rabiat: "Entschuldigen Sie, ist das der Sonderzug nach Freiburg? Wir müssen was klärn, mit dem Oberindianer...Wir von der Basis dürfen das nicht und wir verstehen das nicht..." Der dampfenden "Lokomotive Ekki" verfielen nach seiner Aufforderung, sich anzuhängen, die Frauen im Saal gleich reihenweise.

"Voller Leidenschaft" – und zwar für die Fasnet agierten die "Rennys" auf der Bühne. Einfach atemberaubend war wieder der Auftritt von sieben Frauen mit einem "Tanz des Ostens" und "Kugellagern in den Hüften".

Beim letzten Akt stand dann der Nachwuchs in den Startlöchern: Die Töchter Verena Bons und Anna-Kristin Lubnau stellten die Mütter ins Rampenlicht: Die Ex-Betsis alias "PPP". PPP – das steht für perfekt, prickelnd, prima und "zaubert Monte Carlo bis uf de Marktplatz" . Das Gebäude-Ensemble "Kornhalle und langi Schtääge" wollen die Partymacherinnen plus Storchennest vermarkten. In trockenen Tüchern sei ein Großauftrag der Erzdiözese: Die nächste Diakonweihe mit acht Frauen in Endingen. Exklusiv moderiere PPP die Riegeler Gemeinderatssitzungen und begleite die zukunftsweisende Initiative "Papstbänke zu Rotoren" .

Fräuefasnet geht nur mit vielen einsatzwilligen Frauen, stellten Ricarda Bons und Karin Lubnau klar. Und wohl kaum jemand singt und spielt so schön die alten Endinger Fasnetlieder wie " D’Käppili-Wieber"an jeder Fräuefasnet.

Autor: Christel Hülter-Hassler