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19. Januar 2016

Später Erfolg im Eisweinpoker des bislang milden Winters

Winzergenossenschaft Königschaffhausen-Kiechlinsbergen erntet am Montag bei eisiger Kälte rund 2500 Kilo Spätburgundertrauben mit 192 Grad Öchsle .

  1. Günter Bury und Helmut Bühler freuen sich: Der strenge Frost am Montag war ideal für die erhoffte Eisweinlese. Foto: Christel Hülter-Hassler

ENDINGEN-KÖNIGSCHAFFHAUSEN. Es war die erste und laut Meteorologen wohl auch die letzte Gelegenheit in diesem milden Winter für die Winzer: In den frühen Morgenstunden vom Montag waren die Temperaturen mit acht Grad minus niedrig genug in den Rebbergen um Königschaffhausen und Kiechlinsbergen, um den Eiswein "nach Hause" zu bringen.

Es war ein Wettlauf mit der Zeit: Wegen der milden Spätherbst- und Wintertemperaturen war an eine Eisweinlese bisher nicht zu denken. Dabei ging es für die Winzergenossenschaft Königschaffhausen-Kiechlinsbergen bei diesem "Eisweinpoker" um alles oder nichts, denn auch ein Totalverlust musste einkalkuliert werden. Umso besser war die Stimmung unter den Winzern, als man sich am Montag in den frühen Morgenstunden auf vier Rebgrundstücken mit vielen freiwilligen und dick vermummten Helfern zum Herbsten von insgesamt 66 Ar Spätburgunder Trauben in eisiger Kälte traf. Um fünf Uhr früh habe er die Leute angerufen, berichtet Uwe Hiss. Noch am Sonntag sei ungewiss gewesen, ob es klappe mit der Eisweinlese.

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Eiswein hat in Königschaffhausen und Kiechlinsbergen eine lange Tradition. Kellermeister Helmut Staiblin war 1962 einer der Ersten in Baden, der sich an Eiswein herangewagt hat. Seitdem gab es nur wenige witterungsbedingte Unterbrechungen, die Weinspezialität ist längst ein Aushängeschild der Winzergenossenschaft. Der letzte Eiswein konnte 2012 geerntet werden und so gibt es derzeit bis auf ein paar Flaschen im Archiv der WG keinen Eiswein mehr zu kaufen – obwohl eine große Nachfrage bei Stammkunden besteht. Vor allem in der Gastronomie ist Eiswein begehrt.

Durch die milden Winter wird Eiswein allerdings immer mehr zur Rarität. "Der Klimawandel führt dazu, dass es zunehmend schwieriger wird, Eiswein zu ernten", betont Qualitätsmanager Markus Meier. Auch gehen in Baden nur noch wenige Betriebe das hohe Risiko der Eisweinlese ein. In Königschaffhausen und Kiechlinsbergen sind allerdings "Überzeugungstäter" zugange, die mit viel Herzblut dabei sind.

Eiswein wird aus Trauben gepresst, die bei mindestens sieben Grad minus geerntet und dann sofort abgepresst werden müssen. In diesem Zustand gefriert das Wasser in den Beeren vor den Fruchtbestandteilen. Das Resultat sind höchst konzentrierte, sehr süße Weine, die eine kräftige, hocharomatische Säure besitzen – ein wichtiges Gegengewicht zur intensiven natürlichen Süße dieser Weine.

In den vier Rebstücken von Uwe Hiss, Fritz Henninger, Frank Müller und Jochen Hagenguth hat das lange Warten die Trauben förmlich einschrumpfen lassen. Das ging zu Lasten der Ausbeute, doch umso besser war die Qualität mit durchschnittlich 192 Grad Öchsle. Geerntet wurden 2500 Kilo Trauben.

"Eine so späte Eisweinlese war nur möglich, da aufgrund des heißen Sommers die Beerenhäute recht dick waren und das warme Spätjahr den Trauben nichts anhaben konnte", erklärt Meier. Winzer und Freunde auserlesener Weine müssen sich jedoch noch ein paar Monate gedulden, bis der Eiswein ausgebaut ist und zum Verkauf bereit steht. Interessant ist: Auch wenn die Trauben für den Eiswein erst im Januar geerntet wurden, erhält der Wein den Jahrgang, in dem die Trauben gewachsen sind. Es wird also ein 2015er Eiswein bleiben.

Autor: Christel Hülter-Hassler