Wohin soll sich Endingen entwickeln?

Martin Wendel

Von Martin Wendel

Mi, 21. September 2016

Endingen

Endingen startet umfangreiche Bürgerbeteiligung fürs geplante Gemeindeentwicklungskonzept / Vergabe heute Thema im Rat.

ENDINGEN. Wie soll sich die Stadt Endingen mit ihren Winzerdörfern in den nächsten 10 bis 15 Jahren entwickeln? Eine Richtschnur dafür soll ein Gemeindeentwicklungskonzept darstellen, das bis Herbst 2017 weitestgehend erarbeitet sein soll. Ein wesentlicher Bestandteil dabei ist eine intensive Bürgerbeteiligung. Wie das Verfahren ablaufen soll, stellten Geschäftsführer Rüdiger Kunst und Benjamin Blaser von Kommunale Stadterneuerung GmbH mit Bürgermeister Hans-Joachim Schwarz am Dienstag vor. Heute, Mittwoch, soll der Gemeinderat den Auftrag vergeben.

Wohin steuert Endingen? Diese Frage diskutierte der Gemeinderat bereits in der Klausurtagung im Februar – und sie prägte auch den Bürgerentscheid vom Sonntag. Ein Gemeindeentwicklungskonzept soll Ziele definieren, Wege zur Realisierung aufzeigen und damit Entscheidungshilfe für die Kommunalpolitik sein. Gleichzeitig ist ein solches Konzept inzwischen zwingende Voraussetzung für Zuschüsse aus Förderprogrammen. Klare Vorgabe des Landes dabei: Die Bürger müssen umfassend an der Erarbeitung des Konzepts beteiligt werden.

Genau das soll zum Auftakt des gesamten Verfahrens im Herbst und Winter in Bürgerwerkstätten geschehen – zunächst getrennt je nach Ortsteil und Kernstadt. Unter professioneller Moderation werden die Bürger in Gruppen mehrere Handlungsfelder bearbeiten: Generationen, Gemeinschaft und Soziales; Wohnen, Planen und Bauen; Mobilität und Verkehr; Wirtschaft, Arbeit, Einzelhandel; Freizeit, Kultur und Tourismus; Landschaft, Ökologie, Energie und Klima.

Erklärtes Ziel bei der Bürgerbeteiligung ist es, Menschen zur Mitarbeit zu gewinnen und deren Ideen und Vorstellungen kennenzulernen, die bislang nicht oder kaum kommunalpolitisch aktiv waren. Kunst: "Wir wollen zusätzliche Stimmen." Das soll über eine Einladung von Bürgern nach dem Zufallsprinzip erreicht werden. Allein in der Kernstadt werden rund 600 so ausgewählte Menschen persönlich zur Mitarbeit eingeladen – auch Jugendliche von 14 bis 18 Jahren. Erfahrungsgemäß machen am Ende 20 bis 25 Prozent tatsächlich mit, berichtet Kunst. Sei die Bereitschaft größer, entscheide das Los. Jeder Bürger soll bevorzugte Themenfelder nennen. In Königschaffhausen und Kiechlinsbergen will man die Teilnehmer zu je einem Drittel über Zufallsauswahl, im Ort aktive Menschen und über offene Einladung gewinnen. In Amoltern sind alle Bürger eingeladen, sich einzubringen.

Der Startschuss fällt am 12. Oktober mit einer öffentlichen Infoveranstaltung. Die nichtöffentlichen Bürgerwerkstätten sind für 29. Oktober (Amoltern) sowie 12. (Kiechlinsbergen) und 26. November (Königschaffhausen) geplant. In der Kernstadt gibt es eine Werkstatt am 14. Januar und ein öffentliches Bürger-Café am 19. Januar. Die Ergebnisse aus allen Ortsteilen werden am 26. Januar bei der gemeinsamen öffentlichen Abschlussveranstaltung zusammengetragen.

Die Ergebnisse der Bürgerbeteiligung seien nur eine Teilmenge des Gesamtkonzepts, betont Rüdiger Kunst. Weil Förderanträge für Projekte meist im Herbst gestellt werden müssen, soll das Konzept im Spätsommer 2017 grundsätzlich stehen.

Bis zu 100 000 Euro sind für das gesamte Verfahren eingeplant. Die Hoffnung auf 50 Prozent Zuschuss erfüllte sich nicht ganz, doch immerhin fördert das Land das Konzept laut Bescheid vom Montag mit 35 700 Euro aus dem Programm "Flächen sparen durch Innenentwicklung".