Zukunft der ganzen Stadt im Fokus

Martin Wendel

Von Martin Wendel

Fr, 23. September 2016

Endingen

Endinger Gemeinderat vergibt Auftrag für Gemeindeentwicklungskonzept und hofft auf viele Ideen bei der Bürgerbeteiligung.

ENDINGEN. Die Arbeit am Gemeindeentwicklungskonzept für die Gesamtstadt Endingen kann beginnen. Der Gemeinderat gab am Mittwoch einstimmig grünes Licht für das Vorhaben und den Auftrag an die Firma Kommunale Stadterneuerung GmbH (siehe bereits BZ vom Mittwoch). Jetzt hoffen alle Beteiligten auf die motivierte Mitarbeit der Bevölkerung.

"Flächen gewinnen durch Innenentwicklung" heißt das Programm, aus dem das Konzept vom Land mit 35 700 Euro bezuschusst wird – rund 40 Prozent der förderfähigen Kosten. Doch auf das Thema Fläche soll das Projekt nicht reduziert sein. Vielmehr geht es darum, Vorstellungen zu erarbeiten, wie sich die Stadt und die Winzerdörfer in den nächsten Jahren entwickeln sollen. Dass der Zuschuss etwas geringer ausfällt als die erhofften 50 Prozent, stellte das Vorhaben für die Räte nicht in Frage. Zumal ein Gemeindeentwicklungskonzept inzwischen ein Muss ist, wenn eine Kommune an Fördermittel des Landes kommen will.

Am Anfang steht eine intensive Bürgerbeteiligung. Nach einer Infoveranstaltung am 12. Oktober wird es Bürgerwerkstätten geben – zunächst in den Ortsteilen, dann in der Kernstadt. Alles, was die Bürger dort in diversen Arbeitsgruppen zu zentralen Themenkomplexen erarbeiten, wird Ende Januar in einer öffentlichen Veranstaltung zusammengeführt. Im Februar sollen die Ergebnisse dem Gemeinderat übergeben werden. Die Bürgerideen bilden gemeinsam mit fachmännischer Planung und Analyse die Grundlage des Gemeindeentwicklungskonzepts. An dessen Erarbeitung sind neben Kommunale Stadterneuerung auch das Planungsbüro Fischer sowie die Firma Memo-U beteiligt. Letztere moderiert die Bürgerwerkstätten.

Bürgermeister Hans-Joachim Schwarz erwartet interessante Fragestellungen: "Wie kann es gelingen, die Stadt und die Winzerdörfer voranzubringen? Wie erhalten wir das gesellschaftliche Leben in allen Ortsteilen?" Die Auseinandersetzung mit all diesen Fragen sei kein Wunschkonzert, sondern bedeute Arbeit.

Das Prinzip der Zufallsauswahl bei der persönlichen Einladung der Bürger habe sich andernorts bewährt, betonte Benjamin Blaser von Kommunale Stadterneuerung GmbH. Es gehe darum, in die Bevölkerung hineinzuhören und von neuen Leuten neue Ideen zu bekommen. Die Themenfelder seien bewusst breit angelegt, um nichts auszuschließen. Allerdings sollen professionelle Moderatoren und Fachleute die Gruppenarbeit begleiten und unterstützen. Pro Werkstatt werden 60 bis 70 Personen angestrebt für die diversen Arbeitsgruppen. Kommunalpolitische Mandatsträger sollen sich dabei erst einmal zurückhalten, so Schwarz, denn sonst entwickle sich nur eine vorweggenommene Gemeinderatsdebatte.

Das Gemeindeentwicklungskonzept und die Bürgerbeteiligung seien ein "hochinteressantes Projekt", betonte CDU-Sprecher Eberhard Höfer. Zu erfahren, wie die Bürger sich die Zukunft der Stadt vorstellen, sei die Kosten wert.

Bettina Stumpf-Maroska (EFG) betonte, den Anstoß dazu habe der Gemeinderat bereits im Frühjahr gegeben – lange vor dem Bürgerentscheid. Es sei wichtig, die Bevölkerung von Anfang an mitzunehmen. Auch Heide Thoma (SPD) begrüßte das Konzept: "Wir freuen uns auf die Vorschläge der Bürger."

"Der Gemeinderat hat sich schon immer für Bürgerbeteiligung eingesetzt", unterstrich auch Rainer Ordegel (Die Unabhängigen). Allerdings vermisse er das Thema "Finanzierung/Geldbeschaffung" auf der Aufgabenliste. Dafür erntete er auch bei Ronald Linder (Bürgerbeteiligung) volle Zustimmung. Im Zeitalter von Crowdfunding und Bürgeraktien sei das ein ganz wichtiger Punkt. Linder warb aber auch dafür, die Stimmen und Ideen der Bürger ernst zu nehmen und vorbehaltlos im Rat zu diskutieren.

Rainer Ordegel regte zudem an, über kommunale Gemeindeentwicklungskonzepte hinaus im Gemeindeverwaltungsverband mit den Nachbargemeinden über ein gemeinsames Konzept für die Region zu reden.