Energieversorger sucht Partner

Wilfried Dieckmann

Von Wilfried Dieckmann

Di, 12. Februar 2019

Grafenhausen

Energiewende könne nur gemeinsam gestaltet werden / Ob sich Grafenhausen am Programm "ED vernetzt" beteiligt, ist noch offen.

GRAFENHAUSEN. Ob sich die Gemeinde Grafenhausen mit bis zu einer halben Million Euro am Programm "ED vernetzt" beteiligen wird, ist noch nicht beschlossen. Edmund Martin, Leiter der Energiedienst-Kommunalbetreuung Ost, stellte das Konzept den Volksvertretern in öffentlicher Sitzung vor. Das Energieversorgungsunternehmen möchte als regionaler Partner mit den Gemeinden enger zusammenarbeiten, weil die Energiewende nur gemeinsam gestaltet werden kann.

Infrastruktur für Ladesäulen
Bereits im vergangenen Jahr hat der Energiedienst für Kommunen ein Beteiligungsprogramm ins Leben gerufen. Mit diesem Programm soll nach den Worten von Edmund Martin, der seit 30 Jahren dem Energieversorgungsunternehmen angehört und für die Kommunalbetreuung Ost zuständig ist, nicht das Sammeln von mehr Kapital im Mittelpunkt stehen, sondern vielmehr ein engeres Zusammenrücken, weil die anstehende Energiewende nur gemeinsam zu meistern sei. Angesichts dieser enormen Aufgabe werde es immer wichtiger, mehr Informationen darüber zu erhalten, wie die einzelnen Gemeinden ihre Planungen gestalten, wie beispielsweise das erneuerbare Energiegesetz. Ein wichtiges Thema sei für den Energiedienst auch die Elektromobilität. In Grafenhausen wurde vor dem Schwarzwaldhaus der Sinne bereits eine Ladestation aufgestellt. Diese allein reiche aber für eine Kommune nicht aus, wenn die Elektromobilität zunimmt. "Hier muss eine Lade-Infrastruktur geschaffen werden", betonte Martin. Wenn beispielsweise jedes Fahrzeug mit 22 KW Strom laden wolle, werde eine durchgeplante Infrastruktur nötig, um schlussendlich auch Störungen oder Netzschwankungen zu verhindern. Konzepte müssten entwickelt werden. Dazu sei nach den Worten des Stromexperten ein frühzeitiger und enger Informationsaustausch, beispielsweise über die Planungen neuer Baugebiete, unerlässlich. Nur so könne langfristig ein sinnvoller Netzausbau geplant und geschaffen werden.

Beteiligung nicht zum Nulltarif
"Die Gemeinden sollen partizipieren am Netzgeschäft", hob Edmund Martin bei seiner Konzeptvorstellung hervor. Bei größeren Kommunen sei dies unter anderem durch eigene Stadtwerke möglich. Dies sei aber bei kleinen Gemeinden undenkbar. Und genau hier solle eine Möglichkeit geschaffen werden, sich über die "ED-Kommunal GmbH" mittelbar an der "ED-Netze GmbH" zu beteiligen. Da es sich beim Energiedienst nicht um einen Finanzdienstleister handele, gehe es vielmehr um eine unternehmerische Beteiligung. "Dies ist aber auch mit einem unternehmerischen Risiko verbunden, auch wenn es sich um ein sehr geringes handelt", sagte Martin. Grafenhausen könnte maximal bis zu 500 000 Euro zeichnen, alle Beträge zwischendrin seien ebenfalls denkbar. Nach einer Frist von zwei Jahren sei mit dem Maximum eine "Dreifachzeichnung" nicht mehr möglich, der Maximalbetrag liege dann bei rund 300 000 Euro. Neben dem Mitspracherecht der Kommunen würden die Einlagebeträge, die auf einen Zeitraum von fünf Jahren festgelegt seien, mit 3,69 Prozent verzinst.

Keine Beschlussfassung
Gemeinderätin Barbara Bohl (Freie Wähler) fragte nach der Kapitalabsicherung. Wie der Experte vom Energiedienst hierzu grundsätzlich informierte, sei ein reines Kapitalgeschäft nicht möglich. Vom Regierungspräsidium werde ein reines Finanzgeschäft zwischen Kommune und Energiedienst kritisch betrachtet. Somit müsse nach den Worten von Martin ein gewisses betriebswirtschaftliches Risiko einfließen, da die Kommune auch ein Stück weit unternehmerisch tätig sei. Das Risiko liege darin, dass der Energiedienst nach fünf Jahren nicht mehr den heutigen Wert haben könnte. Dann aber müsste nach Aussage von Edmund Martin eine Kommune nicht nur ihr Einlagegeld zurückfordern, sondern auch eine Neubewertung des Unternehmens beantragen. Geschehe dies nicht, so werde nach der derzeitigen Unternehmensbewertung also die Einlage in voller Höhe zurückgezahlt. Einlagen, die bis Ende dieses Jahres gezeichnet werden, gelten auf Nachfrage von Bürgermeister Christian Behringer rückwirkend zum 1. Januar 2019.

Ein Beschluss über eine Beteiligung wurde vom Gemeinderat noch nicht gefasst, da, so der Rathauschef, im Gremium noch Diskussionsbedarf bestehe.