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15. August 2012

ENTER: Ein Berg, der beinahe zum Schicksalsberg wurde

Nur wenige Monate vor einem spektakulären Ausbruch war Theresa Tröndle am neuseeländischen Vulkan Tongariro.

  1. Der Gewalt des Vulkans Tongariro hatte diese Hütte beim Ausbruch am 6. August nichts entgegenzusetzen. Foto: Dpa

  2. Theresa Tröndle Foto: Karin Stöckl-Steinebrunner

GÖRWIHL. In der Rubrik "Enter" können junge Menschen über Themen schreiben, die sie bewegen, die Zeitung sozusagen "entern". Theresa Tröndle aus Görwihl berichtet über ihre Erlebnisse bei einer der weltweit schönsten Tageswanderungen der Welt in Neuseeland, die ohne weiteres in einer Katastrophe hätte enden können, wie sich kurze Zeit später zeigte.

Mit großen Rucksäcken bepackt geht es für meine Freundin und mich im Morgengrauen vom Lake Taupo aus los. Unser Ziel: der Tongariro Nationalpark auf der Nordinsel Neuseelands. Dort wollen wir das 19,4 Kilometer lange "Tongario Alpine Crossing" bewältigen. Bei klarem Wetter verspricht die Wanderung einen Blick auf atemberaubende Vulkanlandschaften und türkisblaue Seen, die zwischen dem Grau der Geröllhänge herausstechen. Nicht zu vergessen sind, laut Reiseführer, die exzellenten Fernblicke vom höchsten Punkt des Wanderwegs. Dass sich der vulkanische Gürtel über das Zentrum der Nordinsel Neuseelands – von der im Pazifik liegenden White Island im Osten bis zum Mount Ruapehu im Südwesten des Tongariro Nationalparks erstreckt, wird in den Hintergrund gerückt. Auch die Tatsache, unmittelbar zwischen zwei aktiven Vulkanen umherzuwandern, schüchtert uns nicht ein.

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Der erste Abschnitt verläuft recht flach, was unseren untrainierten Beinen entgegenkommt. Ein gut angelegter Holzsteg führt vorbei am Mangatepopo Bach und alten Lavafeldern. Zwischen den beiden Vulkanen Mount Tongariro und Mount Ngauruhoe wartet ein steiler Anstieg. Die sogenannten "Teufelsstufen" – mittlerweile wissen wir, woher der Name stammt – führen zum Südkrater. Von dort steuern wir auf den höchsten Punkt der Wanderung zu: den Roten Krater. Beeindruckt von der Schönheit, die uns auf 1900 Metern umgibt, wandern unsere Blicke in alle Richtungen.

Nach kurzer Rast geht es, zum ersten Mal seit vier Stunden, bergab. Der Abstieg zu ist eine Rutschpartie. Dass wir ihn quasi auf dem Hosenboden zurücklegen macht uns aber nichts aus, denn vor uns breiten sich die türkis schillernden "Emerald Seen" aus. Auch der starke Schwefelgeruch kann unsere Laune nicht trüben. Vorbei am Blue Lake, einem heiligen See der Ureinwohner Neuseelands, führt der Track zur Ketetahi Hütte. Gegen Sonnenuntergang kommen wir schließlich müde und erschöpft am Zielpunkt der Wanderung an.

Der Muskelkater am nächsten Tag ist schnell vergessen. Was bleibt ist die Erinnerung an die landschaftlich beeindruckendste Wanderung, die ich je gemacht habe. Mittlerweile werden meine positiven Erinnerungen durch den unerwarteten Ausbruch des Mount Tongariros vor einigen Tagen, überschattet. Der Vulkan hätte auch vier Monate früher ausbrechen können. Obwohl es unterwegs immer wieder Anweisungen gibt, wie man sich im Falle eines Vulkanausbruchs, beziehungsweise bei Anzeichen eines Ausbruchs verhalten soll, ist man der Naturgewalt ausgeliefert. Glücklicherweise habe ich dem Reiz widerstanden, vom Roten Krater aus den Mount Tongariro zu erklimmen. Somit war ich zwar einen Kilometer von dem gefährlichen Vulkan entfernt.

Dass diese Distanz im Falle eines Ausbruchs aber keinen Schutz bietet, zeigen die im Internet kursierenden, schockierenden Bilder der Ketetahi Hütte. Ein riesiges Loch klafft in dem Wellblechdach der Hütte. Die Etagenbetten sind vollständig zerstört. Dieser Anblick hat mich sehr berührt. Genau an dieser Stelle haben wir vor vier Monaten ein letztes Mal Rast gemacht, bevor es an den Abstieg ging. Man kann nur von Glück sprechen, dass die oft voll besetzte Hütte zum Zeitpunkt des Ausbruchs leer stand und das Gebiet rund um den Mount Tongariro nicht wie im Finale der Filmreihe "Herr der Ringe" zum Schicksalsberg wurde.

Die Autorin ist 19 Jahre alt, kommt aus Görwihl und hat im Schuljahr 2010/11 ihr Abitur

gemacht. Vor dem

Studium, das sie Herbst beginnen will, hat sie neun Wochen in einem Waisenheim in Ghana gearbeitet und war anschließend in Neuseeland.

Autor: tht


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