Er sah sich immer als ehrlichen Makler

Wolfgang Beck

Von Wolfgang Beck

Do, 04. Januar 2018

Lahr

Der frühere Lahrer Oberbürgermeister Werner Dietz feiert heute seinen 85. Geburtstag.

LAHR (wob). Werner Dietz ist dankbar, auf ein erfülltes Leben in Verantwortung für Lahr und seine Bürger zurückblicken zu können. Der gebürtige Grafenhausener diente dem Gemeinwohl über 35 Jahre als Leiter des Rechtsamts, Bürgermeister und zuletzt zwei Amtsperioden als Oberbürgermeister. "Ich habe das Rathaus gekannt wie meine Westentasche", zieht der studierte Jurist sein Resümee und ist überzeugt, überwiegend richtige Entscheidungen für Lahr und seine Bürger getroffen zu haben. 16 Jahre war er Oberbürgermeister – von 1981 bis November 1997. Als Leiter des Rechts- und Ordnungsamtes habe er nach eigenem Bekunden der Stadt in Rechtsfällen aus der Patsche geholfen.

"Ich bin dankbar", sagt der Jubilar, auch weil es ihm altersbedingt gut geht. Will heißen, dass er in seinem Zuhause im Münchtal jeden Morgen aufstehen und mit seiner Frau frühstücken und die Zeitung lesen kann. Zuweilen macht sich Dietz zu Fuß in die Lahrer Innenstadt auf, um Besorgungen zu machen oder sich mit Freunden zu treffen. Das Fahrradfahren hat Dietz aus Sicherheitsgründen aufgegeben, längere Urlaubsreisen auch.

Im Gedächtnis fest verankert sind seine vielen Aktivitäten in fast vier Jahrzehnten im Lahrer Rathaus. Dietz kennt noch viele Persönlichkeiten mit Namen, die ihm in seiner Amtszeit begegnet sind. Auch 20 Jahre nach seinem Ausscheiden aus der Verwaltung erinnert er sich an zahlreiche Begebenheiten mit Repräsentanten aus allen Bereichen der Politik – Spitzen der Justiz ebenso wie Landesminister oder kanadische Militärs. Zum Teil seien sie gar zu Freunden geworden.

Erleichterung nach dem Wegfall der Ämter

"Man spürt das Alter", gesteht der Jubilar ein. Alles gehe eben viel langsamer. Die eigentliche Zäsur sei mit dem Eintritt in den Ruhestand erfolgt. Dietz spricht auch von Erleichterung, weil er mit dem Wegfall der politischen Ämter auch damit verbundene Verpflichtungen gegenüber Vereinen und Organisationen hinter sich lassen konnte. "Das ist gut so", sagt der Jubilar. Bis vor Kurzem hatte er noch als Ehrenmitglied bei der Stadtkapelle die Entlastung des Vorstands gerne vorgenommen.

Dietz, auf dem Land in Grafenhausen aufgewachsen, fühlt sich als "Stadtmensch" wohl. Gerne habe er den Kontakt mit den Menschen gesucht – ohne auf die politische Partei zu achten. "Ich spürte im Laufe meiner Amtszeit, dass der Umgang mit Menschen für mich wichtig war", sagt Dietz. "Es gab bei der Stadt nichts, wo ich nicht meine Finger im Spiel hatte." Er sei zwar bei den Christdemokraten gelandet, habe aber immer parteiübergreifend wirken wollen. In seinem Weg bestätigt sieht er sich, weil Entscheidungen stets im Einvernehmen mit den Bürgern erfolgt seien. Lahr und die Entwicklung der Stadt habe davon profitiert, sagt Dietz, der von sich behauptet, mit Fingerspitzengefühl unkonventionell an die Arbeit gegangen zu sein, um die Probleme der Stadt und der Bürger zu lösen. Ob bei der Sanierung der Altstadt, der Kanalisation, bei Grundstücksfragen – Dietz sah sich immer als ehrlichen Makler.

In dieser Rolle sieht er sich auch in der Phase des Abzugs der kanadischen Streitkräfte 1994 und bei der Öffnung der Stadt nach Westen. Auf den Masterplan auf dem Flugplatzgelände und den Beginn der Konversion ist Dietz besonders stolz. Auch da sei diplomatisches Geschick gefragt gewesen. Dietz erinnert an die Bereitstellung von Wohnraum für einige tausend Spätaussiedler. Von "Glücksmomenten" spricht Dietz in der Rückschau: "Ich habe nicht alles erreicht, was ich wollte, aber es gab viele gute Schritte." Im Blick zurück überwiegt das Positive. Noch immer verfolgt er mit großem Interesse das politische Geschehen in Lahr.

Der Ruheständler liest und schreibt gerne Briefe. Und Werner Dietz hat längst gelernt, die Zeit mit Familie, Ehefrau Helga und den beiden Söhnen zu genießen. Freiräume, die er in seiner Amtszeit vermisst hat.