Erklär's mir: Wann spricht man von einem Mob?

Ronny Gert Bürckholdt

Von Ronny Gert Bürckholdt

Di, 28. August 2018

Erklär's mir

In der Stadt Chemnitz sind am Sonntag Hunderte wütende Leute durch die Innenstadt gezogen. Sie hatten sich spontan dazu verabredet – über soziale Medien wie Facebook. Viele von ihnen riefen Parolen gegen Ausländer, manche bedrohten wahllos Menschen, die wie Ausländer aussahen, einige prügelten sich mit Polizisten. Danach hieß es, ein Mob sei durch Chemnitz gezogen. Mob darf man nicht verwechseln mit Mopp. Mit einem Mopp wischt man den Boden. Mob kommt aus dem Englischen und meint eine pöbelnde, aufgewiegelte Menschenmenge. Vor den Ausschreitungen in Chemnitz war ein deutscher Mann auf einem Stadtfest erstochen worden. Es hatte Streit gegeben. Warum, und wer zustach – das war unklar, als der Mob auf die Straße ging. Während die Polizei erst anfing, herauszufinden, was passiert war, kursierten schon Gerüchte, wer angeblich schuld ist. Demonstranten machten generell Flüchtlinge und allgemein die Flüchtlingspolitik von Kanzlerin Merkel für den Tod des Mannes verantwortlich. Vor drei Jahren waren viele Flüchtlinge nach Deutschland gekommen. Jetzt sind viele Leute schockiert – über den Tod des Mannes, aber auch darüber, wie schnell sich ein so großer Mob bilden kann, der Leute bedroht, die mit dem Fall nichts zu tun haben.